DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Bad Waldsee/Bad Wurzach (Leserbrief) - Große Pläne hat die BAG: Von der Landwirtschaftstechnik hinein in innovative Umwelttechniken, ein großer Sprung mit einigen Risiken für das Unternehmen, warum? (Zum Bericht "Aus Verpackungsmüll wird Heizöl gewonnen")

1. Pyrolyse ist keine neue Technik: Konzerne wie Siemens, Babcock und Noell/Salzgitter haben sich in den 80er/90er Jahren mit Hunderten Millionen an Investitionen und großen Versuchsanlagen daran versucht (ich kenne diese Anlagen und deren Probleme aus meiner beruflichen Arbeit sehr genau). Sie alle haben mit Verlusten das Geschäftsfeld beendet.

2. Die BAG stellt ihre Pyrolyse als umwelttechnisch vorteilhaft dar, das ist irreführend: Das Verfahren trennt nur den Verbrennungsprozess in mehrere Schritte auf. Im ersten Schritt wird der Kunststoff in toxisches Öl, Koks und Verbrennungsluft geteilt. Im zweiten Schritt wird der Koksabfall zum Zementwerk gefahren, um dort ohne Abgasreinigung im Drehrohr verbrannt zu werden (sofern dies genehmigt wird). Das hoch toxische Öl dagegen muss unter besonderen Vorkehrungen woanders hin zur Verbrennung transportiert werden (z. B. zur Glasfabrik) wo es dann auch verbrannt wird (dem Diesel es beimischen ist dagegen eine Illusion). Würde man die Kunststoffe gleich direkt in die Müllverbrennung geben, würde das Material in einem Schritt bei 1200 verbrannt werden und das Rauchgas über mehrere Stufen gereinigt werden (Glasfabrik und Zementwerk verfügen nicht über diese extrem aufwändigen und kostspieligen Reinigungssysteme wie Sie eine Müllverbrennung hat).

3. Pyrolyse hat hohe Gefährdungspotentiale: Da jeder Kunstoff Zusätze hat und nicht nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht, enthält das Pyrolyse-Öl und der Koks hoch toxische organische Moleküle. Weiterhin entstehen beim Prozess explosible Gase. Die beim Prozess entstehenden Gase müssen abgefackelt werden oder einem Motor mit schlechtem Abgasverhalten zugeführt werden. Für all das muss auch die Betriebsmannschaft über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

4. Die Anlage ist eine Versuchsanlage: Der Homepage des Anlagenherstellers sind die Verkaufsargumente und eine Selbstdarstellung des Geschäftsführers zu entnehmen. Es fehlen Angaben zu betriebsbewährten Referenzanlagen, zur Verfahrenstechnik insbesondere der Art des Reaktors, zum Durchsatz, zu den umwelttechnisch relevanten Pfaden (Qualität des Öls, der Reststoffe, vom Abgas, Maßnahmen zum ExSchutz), zur Wartung usw. Unklar sind auch die genehmigungstechnischen Anforderungen und wie diese erfüllt werden. Viele Fragen welche BAG klären sollte, bevor die Unterschrift auf den Vertrag kommt!

5. Die Wirtschaftlichkeit ist fraglich: Eine Anlage dieser Größe hat keinen großen Durchsatz und kann unbeaufsichtigt nicht kontinuierlich betrieben werden. Der erzielbare Entsorgungspreis konkurriert mit der umwelttechnisch und wirtschaftlich vorteilhafteren Müllverbrennung (ca. 200 €/Tonne). Die wirtschaftlichen Überlegungen können also nur da hin gehen, dass man klein anfängt und im Erfolgsfall größer baut. Dann ist allerdings die Standortfrage zu stellen, ob eine Anlage mit solchem Gefahrenpotential direkt in der Stadt liegt.

Fazit: Die BAG feiert 100 Jahre Firmengeschichte mit einem auf Landwirtschaft basierendem Geschäftsmodell. Ich wünsche der Firma weitere gute 100 Jahre und dass Sie erforderliche Innovationen sehr gut überlegt.

 

Dr. Wolfgang Hübner

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­