DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Bad Wurzach - Gleich drei Filme zeigte die Bad Wurzach Info an zwei Tagen, allerdings im Kursaal, da die coronabedingte Hygieneverordnung – trotz perfektem Open-Air-Kino-Wetter – es nicht zuließ, die Veranstaltung wie in den Vorjahren auf dem Klosterplatz durchzuführen.

Margit Rock von der BWI konnte dafür wieder Michael Eberhardinger gewinnen, der mit seinem mobilen Kino Oberschwaben auch immer die Filme besorgt hatte, die bis Corona alle zwei Wochen in der Waldburg-Zeilschen Rehaklinik liefen.

Opener war am Donnerstagnachmittag für die Kinder der deutsch-schweizerische Märchenfilm des Regisseurs Michael Schaerer aus dem Jahr 2018 „Die kleine Hexe“ mit Karoline Herfurth in der Titelrolle. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Otfried Preußler aus dem Jahre 1957 , das dieser aus den „Gute Nachtgeschichten“ für seine drei Töchter entwickelte. Aus seiner Feder stammen auch die Geschichten um den Räuber Hotzenplotz.

Die kleine Hexe, deren sehnlichster Wunsch es ist, mit den großen Hexen auf dem Blocksberg herumfliegen zu dürfen, lebt mit ihrem sprechenden Raben Abraxas in einem kleinen, windschiefen Häuschen im Wald. Beim Versuch, sich in der Walpurgisnacht unerlaubt den anderen Hexen anzuschließen, wird sie entdeckt und ihr Hexenbesen zur Strafe verbrannt.

Es wird ihr aber in Aussicht gestellt, an der nächsten Walpurgisnacht teilnehmen zu dürfen, wenn sie es bis dahin zu einer guten Hexe gebracht habe. Nun bemüht sich die kleine Hexe ein Jahr lang, ausreichend gute Taten zu vollbringen, hilft armen Menschen, bestraft Bösewichte, rettet Tiere und findet neue Freunde. Als sie sich wieder beim Hexenrat meldet, stellt sich jedoch heraus, dass nach Auffassung des Hexenrats eine Hexe gut darin sein soll, böse zu sein.

Also soll sie damit bestraft werden, das Holz für den Scheiterhaufen der Walpurgisnacht zusammenzutragen. Stattdessen aber rächt sie sich, indem sie den großen Hexen „das Hexen abhext“ und deren Zauberbücher und Besen herbeizaubert. Dadurch können sie sich nicht mehr das Hexen beibringen. Die Besen und Bücher benutzt sie dann als Scheiterhaufen für ihre eigene Walpurgisnacht. Susanne von Borsody spielte die Tante und Widersacherin Rumpelpumpel und „Tatort Kommissar“ Axel Prahl lieh dem alten Raben Abraxas seine Stimme.

Den ersten Kinotag beschloss das Roadmovie 25 Km/h, den Regisseur Markus Goller ebenfalls im Jahr 2018 inszenierte. Er handelt der von einem ungleichen Brüderpaar mittleren Alters erzählt, das sich nach dem Krebstod ihres Vaters den Jugendtraum einer gemeinsamen Reise auf Mofas quer durch Deutschland erfüllt. Dass diese Reise nicht ohne Reibereien zwischen den Beiden abgehen konnte, die sich 30 Jahre nicht gesehen hatte, versteht sich von selbst.

Trotz aller Komik bot der Film auch Tiefgang und Raum zum Nachdenken. Das Brüderpaar spielten Lars Eidinger und Bjarne Mädel. Daneben traten unter anderem Sandra Hüller, Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Jella Haase, Jördis Triebel und Wotan Wilke Möhring.

Höhepunkt der Sommerkinotage bildete die tragikkomische Jugendbiografie des bekannten Komikers Hape Kerkeling „Der Junge muss an die frische Luft“ der oskarprämierten deutschen Regisseurin Caroline Link. Der Film war der besucherstärkste deutsche Kinofilm des Jahres 2018.

Der Film zeigt Hape Kerkelings Kindheit und Jugend in Recklinghausen. Hier wächst Hans-Peter auf. Seine Oma Änne betreibt einen Tante Emma Laden. Dort beobachtet und belauscht er die Klatsch- und Tratschgeschichten der Kunden und spielt sie später seiner Oma komödiantisch parodierend vor. Auch seine Familie bringt er mit seinen Parodien auf Menschen aus dem Umfeld oder Prominenten aus dem Fernsehen zum Lachen.

Sein Vater ist Schreiner und häufig länger auf Montage, und dann lasten Hausarbeit und Erziehung von Hans-Peter und seinem großen Bruder Matthes auf seiner Mutter Margret, die sich oft überfordert und einsam fühlt, die nach einer missglückten Operation Geruch- und Geschmacksinn verliert und in Depressionen versinkt, die schließlich im Suicid münden. Ein traumatisches Erlebnis für den kleinen Hape, der den Suicid nicht verhindern kann, aber später aber von der liebevollen Verwandtschaft aufgefangen wird. Der Darsteller des jungen Hape, Julius Weckauf, feierte mit der Tragikkomödie eine glänzende Filmpremiere.

Die Darstellerin von Mutter Margret, Luise Heyer, wurde für ihre Darstellung, bei der ihr psychischer Zerfall von Filmminute zu Filmminute deutlicher wird, mit dem Deutschen Darstellerpreis und dem Bambi ausgezeichnet. Bei der Schulaufführung des Hans Dampf wurde das komödiantische Talent von Ha-Pe offensichtlich, als er aus einer kleinen Nebenrolle großes Theater machte, und damals bereits seine spätere Kultfigur Horst Schlämmer erfand. Es war heiß im Kursaal an diesen Tagen.

Dass Covid 19 die Veranstalter des Open-Air Kinos, das im vergangenen Jahr 600 Besucher auf den Klosterplatz lockte, so einschränkte, war ein herber Rückschlag. Treue Fans kamen an beiden Tagen und die Veranstalter geben nicht auf, frei nach einem Zitat aus „Junge muss an die frische Luft“: „Wenn du hinfällst aufstehen und immer weiter gehen.“ Die Karriere von Hape Kerkeling zeigte deutlich die immerwährende Gültigkeit dieses Satzes.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

previous arrow
next arrow
previous arrownext arrow
Slider

 

Pin It
previous arrow
next arrow
Slider
­