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Bad Wurzach - Seit einiger Zeit scheint sich ein Goldschakal, dessen Art ursprünglich aus Asien stammt und damit eine nicht heimische Tierart ist, das Wurzacher Ried zu seinem Revier gemacht zu haben. Der außergewöhnliche neue Bewohner konnte in den letzten Wochen mehrfach beobachtet und nachgewiesen werden.

Horst Weisser, der Leiter des Naturschutzzentrum Wurzacher Ried, war überrascht, als ihm in den vergangenen Wochen mehrfach von Beobachtungen eines Goldschakal im Ried berichtet wurde. Denn der Jäger, größenmäßig zwischen Fuchs und dem inzwischen auch in Deutschland immer mehr wieder heimisch werdenden Wolf angesiedelt, stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum. Allerdings hatte er in den letzten Jahrzehnten den Balkan besiedelt. Und immer häufiger konnte er auch in Mitteleuropa beobachtet und nachgewiesen werden.

„Es war eine überraschende Zufallsbeobachtung, als Mitte Mai ein Ornithologe – durch ein sich auffällig verhaltendes Reh aufmerksam geworden – den Goldschakal am Rande des Wurzacher Rieds zum ersten Mal entdeckte. Glücklicherweise hatte er seine Kamera dabei und konnte das Tier fotografieren,“ erzählt Weisser. In Zusammenarbeit mit der Landesnaturschutzverwaltung und der für das Monitoring großer Beutegreifer im Land zuständigen Wildtierspezialisten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) leitete Weisser und sein Team umgehend Nachforschungen ein. Mithilfe eines speziell ausgebildeten Artenspürhundes, der Losung (Kot) des Tieres fand, konnte es mittels DNA-Analyse als männlicher Goldschakal identifiziert werden. Auf daraufhin installierten Wildkamerabilder wurden das Tier auf seinen Streifzügen mehrfach „abgelichtet“. Bisher allerdings nicht geklärt werden konnten Fragen woher das Tier kommt, ob es sich aktuell allein in der Region aufhält oder ob es weiterwandern wird. Weitere Beobachtungen und Hinweise könnten darüber Aufschluss geben.

In Deutschland gab es bisher rund 20 Beobachtungen, allerdings ist sein Besuch bereits sein zweiter in der Region: „Erstmals erbrachte ein Jäger im Jahr 2018 anhand eines Fotofallenbildes ebenfalls aus der Gemarkung Bad Wurzach den Nachweis. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg konnte damals das Bild eindeutig als Goldschakal bestätigen. 2019 folgte ein zweiter Nachweis im Landkreis Reutlingen und nun aktuell im Wurzacher Ried.“ Weisser vermutet, dass die klimatischen Veränderungen und damit einhergehende mildere und schneeärmere Winter Auslöser für seine „Wanderlust“ sind. Der anpassungsfähige Wildhund ist etwas größer als ein Fuchs und ähnelt in Farbe und Fellstruktur einem kleinen Wolf. Er ist ein extrem scheues und versteckt lebendes Tier, so dass von ihm keine Gefahr für Menschen und Nutztiere ausgeht. „Bevor man ihn bemerkt, ist er schon wieder in der Deckung verschwunden“ erklärt Weisser. Er ernährt sich von Aas, Kleintieren, aber auch vegetarisch. „Allerdings wirken offen zugängliche Speisereste und Hausabfälle ähnlich anziehend auf ihn wie auf den Fuchs,“ stellt er klar.

Die österreichische Wildtierökologin Jennifer Hatlaub erforscht seit Jahren das Siedlungsverhalten der sehr scheuen Tiere. In der wissenschaftlichen Zeitschrift Spektrum war ihren Forschungen zum Goldschakal kürzlich ein ausführlicher Artikel gewidmet. „Ob sich das Tier noch bei uns aufhält, oder ob es weitergewandert ist, wissen wir derzeit nicht, “ sagt der Leiter des Naturschutzzentrum. „Wer Beobachtungen macht, etwa Bilder auf einer Wildkamera entdeckt, kann sich bei uns oder der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (e-mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) melden.“ Denn je häufiger es Beobachtungen gibt, um so sicherere Aussagen kann es über sein Siedlungsverhalten geben.

 

Bericht: Ulrich Gresser

 

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