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Bad Wurzach - Der diesjährige Abiturjahrgang am Salvatorkolleg Bad Wurzach war etwas ganz besonderes: Es war der letzte, den Dr. Pater Friedrich Emde als Schulleiter begleitete. Neben den Corona-Einschränkungen, die zur Zeugnisübergabe drei getrennte Feiern erforderlich machten, absolvierte auch der 3.000. Abiturient an der Schule seine Reifeprüfung, von denen allein Pater Friedrich 1.000 zum Abitur führen konnte.

 

 

Gleich dreimal, einmal am Freitagabend, und jeweils am Samstagmittag und am Samstagabend bildete ein von Schulseelsorger Pater Mariusz und der evangelischen Pfarrerin Barbara Vollmer gehaltener Gottesdienst den Auftakt der Feierlichkeiten. „Das Segel gibt die Richtung vor, nicht der Wind,“ sagte er in seiner kleinen Ansprache in der mit einem großen Surfsegel dekorierten St. Verena Kirche.

 

 

Es schwang schon ein gewisser Stolz auf das Erreichte mit, als Schulleiter Pater Friedrich zur traditionellen Abiturfeierrede ans Rednerpult trat, nachdem Carla Hilgarth, selbst Abiturientin „der Goldenen Zwanziger“ (diesjähriges Abiturmotto) mit dem „New Blues“ von Deborah Henson-Conant auf ihrer Harfe die Feier musikalisch eröffnet hatte. Dazu hatte er auch allen Grund: 95 Abiturienten können nun für ihren neuen Lebensabschnitt planen, fünf von ihnen sogar mit dem Traumnotendurchschnitt von 1,0. Auch darauf, dass die erste von drei Feiern gerade einmal wenige Stunden (!) nach der letzten Prüfung über die Bühne gehen konnte.

 

„Bedingt durch die Corona Pandemie war es für Euren Abiturjahrgang mit mehr Aufregung verbunden, als in anderen Jahren: Abiturtermin verschoben (wie hält man da das Wissen über Wochen präsent?. Für Euch vielleicht noch schmerzlicher: Nach dem Ende der Klausuren kein „fröhliches Beisammensein“ auf dem Schulhof, keine Abi Partys. Ihr und viele andere junge Menschen sind von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen. Manche Zeitdiagnostiker sprechen deshalb von Eurer Altersgruppe als „Generation Corona“. Immer wieder seien Generationen durch einen Pauschalbegriff charakterisiert worden, etwa als „Risikogesellschaft“ und später sei von der „Spaßgesellschaft“ gesprochen worden.

 

Bereits 1985 erschien ein Buch von Neil Postman mit dem bezeichnenden Titel „Wir amüsieren uns zu Tode.“ Bezugnehmend auf einen Riesenwälzer „Unendlicher Spaß“ einem Roman von David Foster Wallace, und einer vielbeachteten Rede bei einer College-Abschlussfeier desselben Autors, wies Pater Friedrich die Abiturienten daraufhin, dass der Spaß nicht unendlich sei. „Wallace stellt in seiner Rede das Denken in den Mittelpunkt. Der Autor traut dem Denken sehr viel zu, macht aber auch klar, dass das anstrengend ist.“

 

Inmitten des ganz normalen Lebens, komme es auf die „Arbeit des Entscheidens“ an. Jetzt am Ende ihrer Schulzeit sei für die Abiturienten die Zeit für Entscheidungen, und wenn sie es nicht selbst täten, würden andere diese treffen. In Klasse 10 sei mit ihnen eine Untersuchung zur religiösen Bildung gestartet worden, der Auswertung leider noch nicht abgeschlossen sei. Aber ein Ergebnis der Untersuchung zeige über die Rückmeldung der Schüler: „Das Salvatorkolleg legt Wert auf Selbstständigkeit und bietet der Persönlichkeit Raum, sich zu entfalten.“ „Die „Arbeit des Entscheidens“ nimmt Euch niemand ab – zum Glück nicht! Ich hoffe und glaube, dass die Schulzeit Euch dabei geholfen hat, die Grundlagen zu sichern.“

 

 

Als Vertreter des Elternbeirats verabschiedeten Andrea Ott und Helmut Zell die Abiturienten in ihren neuen Lebensabschnitt. Und weil diese in diesem Jahr auf einen großen Abiball verzichten mussten, bekam jeder Abiturient von den Elternvertretern seinen eigenen, gelben und knetbaren „Abiball“. Frei nach dem Lied „Übermorgen“ von Mark Forster ließen sie die Schulzeit ihrer Sprösslinge noch einmal Revue passieren. „Heute, morgen und übermorgen Guck, wie weit Ihrs schon geschafft habt.“

 

„Wir Eltern, haben uns alle Mühe gegeben und Euch die vergangenen Jahre begleitet, motiviert, mal getriezt, uns gefreut, aber auch gelitten, Daumen gedrückt, Fahrdienste gemacht und zum Dank habt ihr in der Pubertät uns und bestimmt auch manchen Lehrer zur Verzweiflung gebracht.“ Die Lehrer hätten sich dafür eingesetzt, die Persönlichkeit zu fördern und umfassend auf das Leben vorzubereiten, gemäß der Schulphilosophie: Personalität, Spiritualität, Solidarität und Universalität. „Habt den Mut Euch zu Verändern, habt keine Angst vor Fehlern, doch verliert nie den Glauben an Euch selbst“, machten sie den Abiturienten Mut für die Zukunft.

 

 

Als Vertreter der Abiturienten sprachen Alexa Gragnato, David Kling und Lukas Bettrich auf den drei Feierstunden. Gragnato ging acht Jahre zurück, als man sich ebenfalls in der Turnhalle bei der Einschulungsfeier zum ersten mal traf. Das Gefühl sei in etwa dasselbe geblieben: Die Freude es geschafft zu haben, die Angst vor neuen Herausforderungen, die Motivation neue Dinge zu lernen, Neues zu erfahren, die Zuversicht sich durch alle Schwierigkeiten irgendwie durchzuboxen. „Aber behaltet immer im Hinterkopf; wir haben den Matheunterricht überstanden, also können wir verdammt nochmal alles Überstehen.“ Hier hätten die meisten Freunde, vielleicht sogar die besten Freunde gefunden. „Diese Schule hat uns zusammengeschweißt, anders kann ich es nicht ausdrücken.“ Vor nicht allzu langer Zeit seien die Wunschberufe Prinzessin, Cowboy oder Pirat gewesen, jetzt wurde plötzlich von einem erwartet, sich für echte Berufe zu entscheiden und seine Stärken zu finden.

 

 

David Kling verwies darauf, „dass die meisten von uns 12 Jahre Schule mitgemacht haben, während denen man den Großteil seiner Lebenserfahrungen gemacht hat.“ Sie hätten sich zu eigenständigen Personen entwickelt und sich ein immenses Allageminwissen angeeignet. Ohne die Schule wäre man nie mit einigen seiner besten Freunde in Kontakt gekommen. Schülern wie Lehrern gehe es doch gleich: Wenn man zurückblicke, kämen viele Erinnerungen an ganz verrückte Sachen, die einem passiert sei, wieder vor Augen. Als Beispiele führte er an, wie eine Lehrerin ein Smartboard mehr oder weniger fachmännisch zerlegte oder ein anderer durch einen elektromagnetischen Schwingkreis eine Beamerlampe ausser Gefecht setzte. „Man sieht also am Salvatorkolleg erfährt man in alle Wissensrichtungen einen umfassenden Praxisbezug.“ Die Lehrer hätten es mit ihnen nicht einfach gehabt, Ordnung und Stille zählten in den acht Jahren nicht gerade zu ihren Stärken, Zusammenhalt und Solidarität seien aber gewachsen.

 

 

Lukas Bettrich wiederum schlüpfte noch einmal in die verschiedenen Rollen seiner Kollegszeit, berichtete von der Einschulungsfeier und wie die Kursstüfler grimmig geblickt hatten, weil sie in den Fluren herum getobt waren und Spaß gehabt hatten. „Und zack sind wir selber solche geworden.“ Er fragte sich auch, wem nach Corona gedankt werden müsse, dass es einen offiziellen Abschluss mit Zeugnisübergabe gebe: „Dem lieben Gott ? Oder Pater Friedrich? Das wäre eigentlich das gleiche...“ „Aber eigentlich ist heute ja doch nur die Abschlusskirsche auf die Sahnetorte Schulzeit.“ In der ihm eigenen flapsigen Art, dankte er wie die anderen beiden Schülervertreter Schulträger, Sekretariat und Hausmeister. Und natürlich Schulleiter Pater Friedrich: „Dass der Schulleiter die unbestrittene gute Seele der Schule war spricht Bände.“ Wenn man später zurückblicke und sagen könne: „Ich bin stolz darauf am Salvatorkolleg im Abiturjahrgang 2020 gewesen zu sein.“ Dann habe die Schule einen guten Dienst geleistet.

 

 

Fünf der 23 mit einem Preis für sehr gute schulische Leistungen ausgezeichneten Abiturienten schafften dabei den Traumdurchschnitt von 1,0, es waren dies David Kling, Katja Jaufmann, Georg Schönit, Simon Hammer und Jana Albrecht. Weitere 11 erhielten für gute schulische Leistungen eine Belobigung. Darüberhinaus wurden zahlreiche Schüler mit Sonderpreisen ausgezeichnet.

Nach einem weiteren Musikstück verlagerte sich die Festivität bei bestem Wetter zu einem Glas Sekt in den Schulhof.

 

Abiturientenliste

Sonderpreise

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

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