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Ziegelbach - Wer einen Platz beim 22. A-Capella-Abend des Kirchenchor Ziegelbach ergattern wollte, musste früh vor Ort sein. Das Publikum ging bei jeder der sechs hervorragenden Gesangsgruppen begeistert mit und selbst bei Essen und Trinken machte der Kirchenchor keinerlei Abstriche, ganz so als habe es die zwei Jahre Zwangspause nicht gegeben.

Was fürs Publikum eine Rückkehr zur „Normalität“ war, bedeutete für die Helfer in Küche und Service Schwerstarbeit, da dort die Abläufe quasi erst wieder neu gefunden werden mussten.

Als Tine Wespel, Vorstand des Kirchenchores Ziegelbach, gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Günter Musch um kurz nach acht die Bühne betraten, um das Publikum zu begrüßen, hatten sie den schwersten Teil ihrer Aufgaben bereits gelöst: Hatten sie ursprünglich nur vier Gruppen auf dem Zettel gehabt, standen schließlich an diesem Samstagabend sechs Hochkaräter mit jeweils zwei Auftritten auf der Bühne des Dorfstadels.

 

Den Auftakt machte traditionsgemäß der Kirchenchor Ziegelbach selbst, sinnigerweise mit dem (ur-) alten Howard Carpendale Schlager „Hello again“ und wer die Blätter der Speise- und Getränkekarte umdrehte, konnte bereits mitsingen, denn das Lied war von Musch und seinen Sängerinnen und Sängern zum traditionellen, vom ganzen Saal gemeinsam gesungenen Schlusslied auserkoren worden.

Für richtig Stimmung sorgte auch zu Beginn des zweiten Konzertteiles der Frauenchor des Kirchenchores: Beim Gospel African Hallelujah hätten sicherlich gerne viele mitgetanzt (was jedoch aus Platzgründen nicht möglich war). Mit dem Udo Jürgens Klassiker „Vielen Dank für die Blumen“ als Zugabe verabschiedeten sich die Sängerinnen wieder an ihre Arbeitsplätze in Küche und Service.

 

Mit Le Crescentis, folgte eine Gruppe von 15 jungen Damen aus Eberhardzell (und Umgebung), rockten die A-Capella-Bühne in Ziegelbach gemeinsam mit ihrem musikalischen Leiter Johannes Tress mit im ersten Konzertteil zunächst mit dem Beatles Evergreen „Here Comes the sun“ und dem Queen-Hit „Don´t stop me now“ und artig wie es sich für wohlerzogenene Damen gehört, bedankten sie sich beim Publikum mit einem fast synchronen Hofknicks. Bei ihrem zweiten Auftritt luden sie das Publikum zunächst mit Bernd Clüvers „Der Junge mit der Mundharmonika“ zum Träumen ein, ehe sie mit Peter Kraus´„Sugar, Sugar Baby“ einen fulminanten Auftritt hinlegten. Als Zugabe bedankten sie sich musikalisch mit „Ade s´war schee“ bei dem wie zu früheren Zeiten begeistert mitgehenden Publikum.

 

Stefanie und Franziska Scherb, Antony Hierlemann und Johannes Sonntag begeisterten auch bei diesem A-Capella-Abend wieder bei ihrem Heimspiel als Vieragsang das Publikum. Nach ihrer phantastischen Premiere vor drei Jahren haben die Ziegelbacher Eigengewächse noch an Qualität zugelegt, nicht nur musikalisch sondern auch was ihre Bühnenperformance angeht. Im ersten Teil boten sie Sprechgesang, auch Rap genannt mit absoluter Ohrwurmqualität, im zweiten Konzertteil plünderten sie gar den Barbestand des Dorfstadels um den vor kurzem vollzogenen Junggesellenabschied von Antony Hierlemann (mit daraus resulturienden Gedächtnislücken) an der „Vierabar“ authentisch nachspielen zu können. Textbeispiel aus ihrem Medley bekannter deutscher Schlager „Warum seid ihr Schlümpfe blau? Weil wir saufen wie die Sau!“ Und wie das ESC Siegerlied von Nicole mit a „Ein Fässle Weißwein“ wurden noch diverse Schlager unter Alkohol gesetzt... Als Zugabe aber gab es – wieder ganz nüchtern und vom Publikum bei der Ankündigung mit zahlreichen aahs quittiert – Andreas Gabaliers „Amoi seg a uns wieder“.

Erstmals in Ziegelbach dabei waren die acht Damen von Corazon aus Betzenweiler in Sichtweite zum heiligen Berg der Oberschwaben. Mit Flashlight im ersten Teil, Bonfire Heart und Andreas Bourani´s 2014er WM Hymne „Auf uns“ im zweiten Teil konnten sie das Publikum und ihre Kollegen von den anderen Gruppen überzeugen. Mit Only You als Zugabe dann sowieso.

2018 waren auch die Inseltöne aus Lindau schon einmal in Ziegelbach dabei gewesen. Damals wie heute zeigte der zunächst mit dem bittersüßen „Come again“ als reines Frauenquartett (mit männlichem Dirigenten) auftretende gemischte Chor musikalisch anspruchsvolle Kost, erst recht mit dem Gershwin -Klassiker „Summertime“. Gar ins Mittelalter versetzten die Inseltöne das Publikum mit einer A-Capella Vertonung von Walther von der Vogelweide. Einer der Höhepunkte des Abends war jedoch „Gabriellas Song“ mit einer hervorragenden Solistin.

 

Erst in der vergangenen Woche mit auf die „Besetzungsliste“ gesetzt werden konnten die Damen von Halba drui, bzw. von „Halba Halba Drui“ . Denn obwohl das Sextett aus diversen Gründen auf die Hälfte reduziert antrat. Anstelle der fehlenden Sängerinnen und Musikkabarettistinnen stellten die drei übrigen einfach drei Flaschen mit zum Teil, nun ja, dubiosem Inhalt auf die Bühne – ehe die Ulknudeln in „Omas bestem Häs“ loslegten und den Dorfstadel zum Tollhaus machten.

Dass die Männer dabei nicht besonders gut wegkamen, versteht sich von selbst. „Männer werden sieben, danach wachsen sie nur noch.“ Doch auch weil die Männer in ihrem Programm nicht gut wegkommen, wollten die drei dennoch ein für die Männer positives Lied ins Programm nehmen. was sich jedoch als gar nicht so einfach erwies: 6:0 endete die Abstimmung. Warum es trotzdem klappte: „Man muss nur den Moment abwarten, wenn sechs Frauen gleichzeitig einatmen!“

Wie aus Adipositas Untergewicht wird, zeigten die Damen dann – nach einigen akrobatischen Verrenkungen auf offener Bühne. „Essa wa da witt – EWDW“ hieß danach die Losung: „Mir spannt dr Ranza“.

Mit zuckersüßen Melodien, aber knüppelharten Texten liefen auch die drei „Halba Drui-erinnen“ zu Hochform auf, die in der Performance – denn der hervorragende Gesang spielte da eher eine untergeordnete Rolle – des „Männerschnupfa“ gipfelte.

Als zum großen Finale sich alle Mitwirkenden noch einmal auf der Bühne versammelten und gemeinsam mit dem Publikum das eingangs schon erwähnte „Hello again“ schmetterte, war Günter Musch, der Spiritus Rector des A-Capella-Abends echdarüber baff, wie toll das ganz ohne jegliche Probe geklungen hatte.

Ach ja und das Datum des nächsten A-Capella abends steht auch schon fest:

Am 23.09.2023 soll er – so Gott und Andere wollen – wieder stattfinden.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

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