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Bad Wurzach (Leserbrief) - "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Christus zu Pilatus) – die Problembeschreibung der Frau Biechele ist mit Sicherheit auch nicht von dieser Welt.

Auch beim zweiten Mal Lesen blieb mir schlicht die Spucke weg, wenn allen Ernstes in Frage gestellt wird, dass die Ursache der rapide angestiegenen Kirchenaustritte mit den erschreckenden Missbrauchsskandalen zu tun habe, deren Aufdeckung noch immer kein Ende nehmen will, und nicht im Umgang mit vielen in der Kirche Tätigen ( Frauen, Geschiedene, Homosexuelle ).

Mir fehlt nicht das Glaubenswissen, und es nützt keine Neuevangelisierung, um meinen Glauben an die Institution Kirche zu erneuern. Mich beschämen die Skandale und der Umgang mit diesen. Mich beschämt, wie die Täter, viele Bischöfe, die vielen Mitverantwortlichen und letztlich der Papst mit den Opfern umgehen, indem sie die Taten ignorieren, verniedlichen oder gar in Frage stellen, und wenn Täter (= Verbrecher) weiterhin mit Kindern arbeiten dürfen in Schulen, Kirche und Freizeit. Das zeugt von unendlicher Arroganz und Verhöhnung.

Meine kindliche Erfahrung mit religiöser Erziehung in der Grundschule (ich bin 1954 geboren) lässt mich heute noch den Kopf schütteln, wenn der Monsignore Stadtpfarrer die Menschen in Katholische und Heiden einteilte, und die Evangelischen nannte er "Wüstgläubige". Um unseren Listenplatz für den Himmel zu verbessern, konnten wir jede Woche im Religionsunterricht für ein paar Groschen Bildchen von afrikanischen Heidenkindern erwerben zur Missionierung dieser armen Ungläubigen.

Wir erhielten dafür eine gute Note im Büchlein, eine schlechte Note dagegen gab es, wenn man dummerweise zugab, am Sonntag im Kino gewesen zu sein. Seinen erzieherischen Auftrag unterstrich der Stadtpfarrer regelmäßig mit Ohrfeigen, Kopfnüssen oder Haarereißen.

Nach der Grundschule verbrachte ich einige Jahre in einem katholischen Knabengymnasium. Die Drohszenarien mit Himmel, Hölle und Fegefeuer in Verbindung mit Sünde und Buße hatten bei mir nicht den gewünschten Erfolg. Der Herr Oberstudiendirektor hat mich der Schule verwiesen, nachdem meine Haare zu lang waren, ich beim Rauchen verpetzt wurde, als knapp 14-Jähriger mit einem Mädchen gesehen wurde und ich nicht Besserung gelobt hatte. Der Rauswurf tat mir gut.

Sie wollen die Seelen fürs Jenseits retten und drohen auf der anderen Seite mit Verdammnis. Hier grüßt doch deutlich das Ablass-Geschäftsmodell aus dem Mittelalter.

Die Kirche täte gut daran, ihr eigenes Seelenheil ins Auge zu fassen, indem sie auf ihre Opfer ehrlich zugeht und die vielen gebrochenen Seelen zu heilen versucht und vor allen diese unerträgliche Bigotterie und Scheinheiligkeit ablegt, welche auch Ihren Leserbrief in jedem Abschnitt wiedergeben.

Erhard Hofrichter, Bad Wurzach

Hier der Link zum angesprochenen Leserbrief:

Es liegt an der mangelhaften Glaubensweitergabe

 

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