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Rohr - Alex Knor aus Ziegelbach-Greut, ein bekannter Landschaftsfilmer, hat uns am Freitag (29. Juli) diese Drohnen-Aufnahme vom Rohrsee zukommen lassen.

Das Luftbild zeigt den See mit gelbgrüner Farbe, da, wo er noch Wasser führt, und an den Uferzonen, wo Schlamm und Schlick ans Tageslicht gekommen sind, zeigen sich jene Bereiche in Brauntönen. So ist nahezu die gesamte Zone bei der Ortschaft Rohr trockengefallen – bis auf ein paar „Priele“, wie man hoch im Norden am Wattenmeer sagt, also Rinnen, die auch bei Ebbe Wasser führen. Neben der baumbestandenen Doppel-Insel, die auch bei Normalwasserstand immer über Wasser ist, zeigen sich inzwischen weitere Inseln und Sandbänke.

Der Rohrsee wird vor allem vom Grundwasser gespeist. Und das ist in diesem trockenen Sommer stark gesunken. Laut Landesanstalt für Umwelt BW hatten die Grundwasserstände bereits Ende Mai „an der Untergrenze des Normalbereichs und zeitweilig darunter“ gelegen (Meldung vom 2. Juni 2022). Für den Juni wurde in jener Meldung ein weiterer Rückgang der Stände erwartet. Und auch der Juli war ein trockener Monat.

Der Rohrsee ist bei normalen Verhältnissen etwa 55 Hektar groß, aber im Mittel nur 1,2 Meter tief. Niedrigwasser und sogar ein vollständiges Austrocken kommen immer wieder vor, so in den Jahren 1967 (vollkommene Austrocknung), 1969 und 1972.

Das Gebiet um den See und der See selbst sind seit 1938 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. „Dennoch werden einige Bereiche um den See noch immer intensiv landwirtschaftlich genutzt, was zu einer erheblichen Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) des flachen Sees führt“, heißt es auf der Internetseite www.seen.de. „Auch kleinere Fischsterben wurden in besonders heißen Sommern beobachtet.“

Der Rohrsee und sein unmittelbares Umfeld sind ein Vogelparadies. Unter anderem brüten hier Schwarzhalstaucher und der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Drosselrohrsänger. In der großen Lachmöwenkolonie finden sich vereinzelt auch Schwarzkopfmöwen. „Der See ist ein wichtiger Rast- und Überwinterungsplatz für viele Wasservogelarten“, heißt es auf der Homepage des Regierungspräsidiums. „Enten, wie Schnatter-, Krick-, Knäk- und Tafelente sind vor allem zur Zugzeit in großer Zahl zu beobachten. Auch Wattvögel wie Bekassine, Kiebitz und Großer Brachvogel sind häufig zu Gast. Insgesamt wurden hier schon über 240 Vogelarten beobachtet. Allerdings haben die Bestände fast aller Vogelarten am Rohrsee in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen.“

„Mehr als 80 Vogelarten brüten hier regelmäßig“, heißt es auf www.seen.de. „Besonders erwähnenswert ist der (neuerdings leider wieder rückläufige) Brutbestand des Schwarzhalstauchers sowie der Wasserralle.“ Auch ein Brüten der Schwarzkopfmöwe sei schon nachgewiesen worden. „In den verschilften und verlandeten Uferbereichen brüten Schilfrohrsänger, Drosselrohrsänger und Beutelmeise. Im Frühwinter ist die Wasserfläche ein wichtiger Rastplatz für die Schnatterente und anderer Entenarten.“

Entstanden ist der Rohrsee nach dem Rückzug der eiszeitlichen Gletscher. Dabei blieb ein großer Brocken Eis zurück, der von Sedimenten überdeckt war. Durch das langsame Abschmelzen dieses sogenannten Toteises bildete sich eine Senke, die sich mit Wasser füllte.

„Da der Füllstand des Rohrsees stark vom Grundwasserstand abhängig ist, schwankt der Wasserspiegel über die Jahre stark. Dabei kann es sogar vorkommen, dass der gesamte See austrocknet. Auffällig ist, dass der Rohrsee scheinbar keinen Abfluss hat. Das Wasser verlässt den See nur über das Grundwasser. Dieser Grundwasseranschluss führte dazu, dass sich der Rohrsee nicht wie andere Toteiskessel im Voralpenraum im Laufe der Jahrtausende zum Moor entwickelte“, schreibt das RP.

Es versteht sich, dass ein so kostbares Stück Natur unter Schutz steht. Neben dem seit langem bestehenden Status eines Naturschutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes ist der  Rohrsee auch Teil des FFH-Gebiets „Wurzacher Ried und Rohrsee“; es bestehen also Schutzvorschriften nach nationalem und europäischem Recht.

 

Unser Artikel stützt sich außer auf die Homepage des Regierungspräsidiums auch auf die freie Enzyklopädie Wikipdia sowie die Internetseite www.seen.de.

Text: Gerhard Reischmann

Luftbild: Alexander Knor

30Rohrsee bei Rohr

Zone bei Rohr (Ausschnitt aus Knors Luftbild).

30 Rohrsee Rohrbach

Blick nach Rohrbach (im Hintergrund) –  Ausschnitt aus Alex Knors Luftbild.

30Rohrsee total

55 Hektar groß (im Normalfall), im Mittel 1,2 Meter tief und seit 1938 unter Naturschutz: der Rohrsee bei Bad Wurzach.     Luftbild: Alex Knor

 

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