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Haidgau - Es hätte so schön gemütlich werden können, das Abschiedskonzert von Klaus Wachter von „seiner“ Musikkapelle Haidgau, doch Petrus machte das Konzert – neben den musikalischen Highlights – durch zwei kräftige Regengüsse zum unvergesslichen Erlebnis.

 

Das Konzert eröffnet hatten die ganz in schwarz gekleideten (mit jeweils einem farbigen Accessoire versehenen) Musiker mit „The Greatest Show“ aus dem Musical „The greatest Showman“, ein Stück das den feinsinnigen Humor der Kapelle und ihres Noch-Dirigenten Klaus Wachter widerspiegelte. Vor der 80er KULTtour waren die Stimmlichen Fähigkeiten von KW gefordert: Er durfte in der Anmoderation alle in dem Stück vorhandenen Titel der neuen Deutschen Welle anstimmen.

Bereits am Ende der 80er KULTtour fielen die ersten dicken Tropfen die Musiker konnten ihre erste unfreiwillige Pause im St. Josephsheim einlegen: Doch alle – Musiker wie Besucher blieben ruhig und optimistisch - und tatsächlich riß die Wolkendecke nach 20 Minuten wieder auf, die Musiker konnten sich wieder sammeln und die Helfer die Biertischgarnituren „trocken“ legen.

Mit dem Posaunensolo – es waren beeindruckende sechs an der Zahl – und dem Stück „Matrimony“ von Gilbert O´Sullivan setzten die Musiker ihr Konzert fort. Im Anschluss daran war dann erst einmal der Kreisverbandsvorsitzende Rudi Hämmerle gefordert, denn dieser hatte die Ehre seinen Stellvertreter für 10 Jahre Dirigententätigkeit ( die er ausnahmslos mit der Musikkapelle Haidgau verbracht hatte) zu ehren. „Wenn mir einer vor kurzem erzählt hätte, dass ich den Rutenfest -Samstag mal bei einer Ehrung in Haidgau verbringen würde, ich hätte ihn glatt für verrückt erklärt.

Aber wenn man alles, was Klaus schon geleistet hat aufsummieren würde, käme man auf 30-40 Jahre im Dienste der Musik.“ Schon aus der Jugend seines Heimatvereines Reute Gaisbeuren kämen immer wieder sehr gute Musiker und Dirigenten: Dort hatte Klaus Wachter eine eigene Jugendabteilung eingerichtet. Dasselbe hatte er auch in Haidgau gemacht, was ein Blick auf die Bühne an diesem Abend bestätigte.

Und auch im Kreisverband sei er ein Aktivposten, ein Schaffer, der manchmal auch Nerven koste. „Jedes mal wenn er angerufen hat, wusste ich: Das wird wieder teuer!“ Für seine 10jährige Dirigententätigkeit bekam er von Hämmerle die Dirigentennadel in Bronze angesteckt sowie die entsprechende Urkunde überreicht. Ein ganz besonderes Geschenk erhielt er von seinen Musikern: Weil K.W. gerne die Konzertsäle der Welt besucht, erhielt er zwei Eintrittskarten für die alt ehrwürdige Royal Albert Hall in London für ein Queen Symphonic Konzert.

Ein wenig aus dem Nähkästchen plauderten das Ansagerpärchen Katharina Fugunt und Daniel Rold: „Das Ende einer Diva“ lautete die Schlagzeile in der Zeitung, doch bei näherem hinsehen stellten die Beiden fest, dass es sich doch nicht um K.W. handeln konnte: Öffentliche Exzesse gab es bei ihm nicht, mit einer Ausnahme: Als er einmal bei einem Musikfest einem Kind den Roller geklaut hatte und damit durchs ganze Festzelt gefahren war...

Mit der Erkenntnis, dass die Zeitung welche die obengenannte Schlagzeile hervorgebracht hatte, bereits vom 23.07.2011 stammte, war klar, das es sich um Amy Winehouse handeln musste. Da lag es nahe, beim Konzert an ihrem Todestag das Medley „A Tribute to Amy Winehouse“ mit ihren größten Hits zu spielen.

Als Solist auszeichnen konnte sich beim nächsten Stück, dem in vielen Coverversionen bekanntgewordenen Popsong „You raise me up“ Christian Feser mit seiner Trompete. Dass es auch bei der Musikkapelle Haidgau „menschelt“ verriet das Duo Fugunt/ Rold bei der Ansage für die Grönemeyer Revue. Ebenfalls ein deutschsprachiger „Popklassiker“ ist „Tage wie dieser“, den vor Corona auf dem „Woodstock der Blasmusik“ fast 10.000 Musiker gemeinsam spielten.

Zurück vom Träumen tat sich auf der Bühne in Haidgau etwas: Ralf Krug und Dagmar Kolb gaben swingender (und singender) weise Frank und Nancy Sinatra oder Robbie Williams und Nicole Kidman bei „Somethin´ stupid“, stilecht mit Barhocker und Kaltgetränk.

Mit dem Abba-Klassiker und höchst passenden Dank an seine Musiker „Thank you for the music“ bog Klaus Wachter dann auf die Zielgerade seines Wirkens in Haidgau ein. Bei der Blues-Brothers Revue schien noch alles ok, das Konzertende für alle Beteiligten noch trockenen Fußes zu schaffen. Doch kaum hatten die Musiker die ersten Takte des letzten Stückes, John Miles´ 7 Minuten Epos „Music“ angestimmt, war klar: das wird die Herausforderung des Abends.

Am Ende waren Dirigent und Musiker bis auf die Haut durchnässt, eine Zugabe ließ der Regen mit Blick auf die teuren Instrumente und die Technik nicht mehr zu.

Die Erinnerung an das Konzert, hätte es ganz „normal“ durchgespielt werden können, würden nach einigen Jahren verblassen, aber mit diesen Begleitumständen wurde es für alle Beteiligten zu einem ganz besonderen Erlebnis, dass auf ewig im Gedächtnis haften bleiben wird.

Ein altes Sprichwort lautet: „Dem Guten regnet es ins Grab“. Angewandt auf den Abschied von Klaus Wachter kann das nur bedeuten: KW hat in Haidgau (fast) alles richtig gemacht!

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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