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Bad Wurzach - Dass das Salvatorkolleg seit nunmehr fast 100 Jahren immer schon für höchste Qualität steht, zeigte sich wieder einmal beim diesjährigen Abitur: 29 Preise und neun Belobigungen zeugen von einem sehr hohen Ausbildungsniveau, dem manche Familien schon in der zweiten, wenn nicht sogar der dritten Generation vertrauen.

Erstmals fand der traditionelle Gottesdienst, der immer den Beginn der Abiturfeiern markiert, außerhalb der Corona Einschränkungen nicht in der St. Verenakirche statt, sondern direkt in der Turnhalle der Schule. Dieser stand im Zeichen von Friedensgebeten für den Ukraine-Konflikt. Die Hoffnung auf eine baldige Beendigung dieses Krieges unterstrich auch Hausmeister Franz Maucher, der nach dem Gottesdienst als Friedenszeichen einige Tauben in den Himmel aufsteigen ließ. Pater Mariusz und die evangelische Pfarrerin Silke Kuczera gaben den Abiturienten ihren ganz persönlichen Segen mit auf ihren zukünftigen, derzeit von dunklen Wolken überschatteten, Lebensweg.

Nach einem ersten einleitenden Musikstück durch das mit vielen AbiturientInnen besetzte Vokalensemble der Schule ging Schulleiter Klaus Amann in seiner Rede auf die sicherlich sehr prägende Schulzeit, die nun ihren Abschluss fand, ein.
„Welch besondere Rolle diese Zeit in meiner eigenen Biographie spielt, wurde mir vor wenigen Wochen klar. Ich hatte ein Jahrgangstreffen, 40 Jahre Abitur.“ Er wunderte sich, dass fast Zweidrittel der Jahrgangsstufe daran teilnahm. Das Besondere daran sei jedoch gewesen, dass nicht nach Besitz und Status gefragt wurde, worum es auch nie ging. Vielmehr: „Wie geht es Dir? Bist du zufrieden mit deinem Leben? Wer ist wichtig für Dich?“ Für ihn seien diese Begegnungen ein großes Geschenk gewesen und hätten ihn an seinen Studienbeginn erinnert.
„Die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden.“ So lautete der Titel des ersten Bandes von Reden und Gedichten von Karola Bloch, der Witwe des großen deutschen Philosophen Ernst Bloch, in deren Nachbarschaft Klaus Amann damals wohnte. „Diese Sehnsucht konnte ich bei meinen Jahrgangstreffen spüren: Die Sehnsucht des Menschen ein wirklicher Mensch zu werden.“ Genau diese Sehnsucht erlebe er beim diesjährigen Abiturjahrgang: Natürliche komme es auf schulische Fächer an, aber „Woran werden wir uns erinnern können?“ An Begegnungen, zugewandte Menschen, Menschen die einen unterstützt haben. „Wie wichtig das für uns ist, konnten wir in den Zeiten von Schulschließungen am eigenen Leib erfahren. Der Mangel an Begegnungen hat uns gelehrt, wie wichtig diese sind.“
Er verwies im Rückblick auf die Schulzeit der jetzigen Abiturienten, die ihn bei Begegnungen immer hoffnungsvoll gemacht hatten, dass diese einer der wenigen Lebensabschnitte sei, in dem man so großen Gestaltungsspielraum habe. Die jetzt vor den Abiturienten liegende Zeit sei diejenige, in der die Weichen für die Zukunft gestellt werden.
„Mein letzter Rat an euch in dieser Entscheidungsfrage: Bewegt euch in die Richtung, die euch anspricht. „Macht das. was euch glücklich und zufrieden macht, was euch innerlich erfüllt und auf das ihr später gerne zurückblicken werdet!“
Und wenn es schwierig werde, dann gelte: „Krise können wir, Krise haben wir gelernt. Deswegen kann uns nichts mehr so leicht aus der Fassung bringen.“

 

Nach einem weiteren Musikstück zeigten die beiden Abiturientensprecher Zahide Karakurd und Kailas Gupta in ihren Reden wie sie diesen Abschluss ihrer Schulzeit sehen.
Zahide Karakurd empfand das Zitat von Goethe: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen!“ als Ironie, mussten sie sich das Verständnis seiner Werke in den letzten beiden Jahren im Unterricht an der Schule, ja schlimmer noch oft von zu Hause aus, erarbeiten.
Genau in diesem Raum, der Turnhalle, begann für die meisten der Abiturienten im September 2014 ihre Reise zum Abitur, und hier ende sie und schließe den Kreis wieder. Damals habe man sich als Fünftklässler klein und schwach gefühlt und zu den Älteren aufgeschaut. „Dieses Jahr waren wir die Ältesten, zu denen aufgeschaut wurde und plötzlich waren wir mehr oder weniger erwachsen.“

Es habe viele mentale Tiefs gegeben während der Kursstufenzeit, die sie ja oft zuhause, getrennt von den Mitschülern verbringen hatten müssen. „Dennoch konnte uns die Pandemie nicht alles nehmen: Wir haben neue Leute kennengelernt, Menschen, von denen wir nie dachten, dass wir sie in unser Herz schließen würden.“ Die Zeit an dieser Schule, die nun zu Ende gehe, bleibe ihnen für immer in Erinnerung. Nun sei es Zeit, die Reise fortzusetzen und „wir allein entscheiden, wie, wohin und mit wem.“ Dankbar seien sie für die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer gewesen, die trotz manch schwieriger Umstände das Beste aus ihnen herausgeholt hätten. Dank ihnen würden sich die Schüler immer als Teil der Schule fühlen.

Ihr Dank ging auch den Schulleiter, der immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen gehabt habe. Aber auch an alle LK und Nicht-LK-Lehrer, die es mit allen digitalen Medien geschafft hatten, ihnen Wissen zu vermitteln, auch wenn es – wie im Falle von Sport – eigentlich unmöglich erschien. „Oft waren sie für uns Vertraute, Begleiter, ja vielleicht fast Freunde.“
„An jedem Ende steht ein neuer Anfang, und es ist jetzt Zeit, dass jeder von uns jetzt seine individuelle Reise antritt. Ab heute hat jeder von uns seine Zukunft selbst in der Hand. Nachdem wir über Fausts Reise gesprochen haben, ist es nun auch an der Zeit unsere eigene Reise anzutreten.“

 

Kailas Gupta bedankte sich in seiner kurzen Dankesrede bei der ganzen Schule. „Denn alles was passiert ist Gutes und Schlechtes , alles was wir erlebt und gelernt haben, all die neuen Leute, die wir auf dem Weg kennengelernt haben, all dies hat uns zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind“. Dabei gehe es nicht nur ums sagen: „Wir haben es geschafft“ sondern vielmehr ums Realisieren, wahrnehmen, dass sich die harte Arbeit bis zum letzten Punkt ausgezahlt habe. Das Salvatorkolleg sei ein sehr großer Teil in ihrem bisherigen Leben gewesen, und es sei eine Schande zu behaupten, es nicht auch ein bisschen zu vermissen.„Also geht hinaus, erobert den Tag, gebt niemals auf und seid das brillianteste, grenzenloseste Ich, das ihr je sein könnt. Erkundet die Welt mit allem was sie zu bieten hat!“

 

Für die Elternsprecher hielt Andreas Gräber eine humorvolle Dankesrede. Die Elternvertreter seien dank der „Uhrwerk-Kursstufenstruktur“ fast arbeitslos gewesen. Als seine Tochter ihm vor kurzem die Portraitbilder der Abiturienten für die Abizeitung gezeigt habe, sei bei ihm ein Zeitrafferfilm abgelaufen: Aus den Kindern der Einschulung seien selbstbewusste, erwachsene Menschen geworden.
Das neue Schulleiter Dreamteam Klaus Ammann und Frank Schmuck könne gewiss schon jetzt bände mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen der letzten beiden Jahre füllen.
Zur Arbeitslosigkeit der Elternvertreter habe auch die Corona-Pandemie beigetragen, weil alle Fragen via Netz direkt an die „hier Lehrenden“ herangetragen wurden. Sein Dank ging auch an Hausmeister Franz Maucher, der gemeinsam mit den „Powerfrauen vom Sekretariat Frau Schwerdtle und Frau Forster“ als die wichtigsten Bindeglieder im System „Salvatorkolleg“ alle Fäden in der Hand hielt und so den Laden im Griff hatte.

Er dankte auch seinen Kollegen vom Elternbeiratsteam, die schier unglaubliches bewegt hatten. Corona-Teststation und organisierte Ukraine Hilfstransporte mit über 40 Tonnen Spendengüternannte er dafür als Beispiele.
„Wir stehen im Zeichen einer Zeitenwende“ zitierte Gräber Bundeskanzler Olaf Scholz. „Ich greife dieses Wort heute abend als positiven Aspekt für das auf, was jetzt auf unsere Abiturienten zukommt, nämlich eine neue, eine andere Zeit.“
Er beendete seine Ansprache noch mit einem Zitat aus dem Lied von Wolfgang Ambros „A Mensch möcht i Bleibn“ auf Hochdeutsch übersetzt:
Ein Mensch möchte ich Bleiben, mein Leben möchte ich leben, Ein Mensch möchte ich bleiben und ich werde alles dafür geben, dass ich das morgen erreicht habe, von dem ich heute noch träume, ich will nicht, dass ich irgendetwas versäume.“

 

Bei der Zeugnisübergabe gab es ausnahmslos fröhliche Gesichter zu sehen. Kein Wunder angesichts eines – vorbehaltlich zweier Nachprüfungen – Notendurchschnittes von 2,06.
Der Provinzial der Deutschen Provinz, Pater Friedrich Emde, der den Pater Jordan Preis ebendieser Deutschen Provinz für besonderes Engagement für das salvatorianische Profil der Schule, überreichte, der den Reigen der Sonderpreise eröffnete (siehe gesonderter Bericht), lobte in seinem Grußwort die Leistungen der Schüler und der Lehrer. Er selbst habe ein halbes Jahr Corona an der Schule miterlebt, „sie alle aber haben das zweieinhalb Jahre gemeistert.“ Er könne nur erahnen, welche Belastung das für alle gewesen sei. Nun stehe sogar die Frage eines Krieges in Europa im Raum.
Er zitierte den vor einem guten Jahr seliggesprochenen Ordensgründer Pater Jordan: „Für den Menschen ist vertrauen sehr wichtig!“ Dies habe er auch immer seinen Mitbrüdern ans Herz gelegt. Provinzial Pater Friedrich endete seine Ansprache mit dem Wunsch an die Abitiurienten: „Ich wünsche euch viel Gottvertrauen für eure Zukunft!“
Mit einem weiteren Musikstück sowie einem Sektempfang auf dem kurz vor seiner Vollendung stehenden neuen Schulhof endete die diesjährige Abiturfeier, ehe es Zeit wurde sich auf den Weg zum Kurhaus zu machen, wo mit dem Abiball der gemeinsame Weg endete.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

 

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