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Bad Wurzach - In Arnach und Umgebung spricht man dann und wann noch von dem Film über das Wurzacher Heiligblutfest, den die Rottenburger Diözesanfilmstelle 1949 mit Arnacher Laienschauspielern gedreht hat. Der Streifen wurde 1950 einige Male in Wurzach und Umgebung gezeigt und dann offenbar von der Kirchenleitung diskret aus dem Verkehr gezogen.

Es heißt, Rottenburg habe die Spielhandlung als zu süßlich empfunden. Leider ist das heimatgeschichtlich so wertvolle Filmdokument bis auf ein Reststück, das auf dem Wurzacher Gottesberg Jahrzehnte später aufgefunden wurde, verschollen. Der Arnacher Fotograf Bernhard Kling, ein Liebhaber unserer oberschwäbischen Heimat, hatte vor vielen Jahren in Rottenburg und auch im Bundesarchiv Koblenz nach dem Film gesucht – vergebens. In den Foto-Alben von Theresia Reischmann, geborene Kling (geb. 1926 in Brugg), die damals die weibliche Hauptrolle spielte, heißt der Film „Die Reiter vom Heiligen Blut“. Die „Schwäbische Zeitung“ hatte die Uraufführung des Films im „Landesüberblick“ Ende August 1950 mit einem großen Artikel angekündigt, den wir hier in der Bildschirmzeitung ungekürzt wiedergeben. In der Zeitung wurde der Filmtitel in der Überschrift mit „Der Reiter vom Heiligen Blut“ wiedergegeben, was durchaus Sinn macht, denn die Handlung, von der man nicht mehr viel weiß, habe sich um einen bestimmten Blutreiter gedreht, dargestellt von Josef Krug (1913 bis ca. 2000), der vom Arnacher Hof Hagenjörges stammte.

So viel lässt sich aus den noch vorhandenen Szenenbildern ableiten: Die Filmgeschichte hat mit einer Hochzeit geendet.

Einführung und Bildunterschriften: Gerhard Reischmann
Fotos: bei Reischmann

Hier der Zeitungsartikel von 1950:

Der Reiter vom Heiligen Blut

Uraufführung der Bischöflichen Filmstelle in Bad Wurzach

BAD WURZACH - Die Bischöfliche Filmstelle hält die Uraufführung ihres ersten Tonfilms „Reiter vom Heiligen Blut“ am Samstag, den 2. September, in der Turnhalle in Bad Wurzach. (Im Mittelpunkt steht) der Blutritt 1949, an dem auch unser Bischof Carl Joseph Leiprecht von Rottenburg persönlich teilgenommen hat. Blutreiter aus der engeren und weiteren Umgebung Bad Wurzachs inmitten der Wiesen und Wälder des Allgäus haben diesen neuen Schmaltonfilm angeregt. Die Schauspieler sind Bauernsöhne und -töchter aus der Wurzacher Umgebung, hauptsächlich aus dem Pfarrbezirk Arnach. In vielen Einzelaufnahmen wurde die Landschaft, heimatliches Brauchtum und die Menschen dieser Gegend lebensecht aufgenommen.

Die erlebnisreiche, spannende Handlung, die sich um den Blutritt rankt, ist frei erfunden. Zwei junge Menschen helfen sich gegenseitig bei ihrer schweren Arbeit. Sie lernen sich achten und lieben, doch ein Mißgeschick führt sie auseinander. Der sich schuldig fühlende Bauernsohn zieht in die Stadt, versucht dort einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen, wird aber durch die Erinnerung an den Blutritt wieder seiner Heimat zugeführt.

Eine technische Neuerung wurde beim „Reiter vom Hl. Blut“ zum erstenmal angewandt. Der Ton zu diesem Film wird mittels Magnetofonband abrollen und auch durch das Magnetofon wiedergegeben.

Die Bischöfliche Filmstelle, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen zum guten, echten Film zu führen, hat mit diesem Film, der religiöses Brauchtum und Heimatverbundenheit zeigt, auch heimatgeschichtlich einen großen Beitrag geleistet. Ohne papierene Kulisse, ohne Schminke, zeigt der Streifen das echte Gesicht des Menschen unserer Tage. Man kann ruhig den Vergleich zwischen Berufsbühne und Volksbühne ziehen. Der Film wurde mit geringstem Kostenaufwand gedreht und verdankt sein Entstehen der Initiative des Leiters der Filmstelle, H. H. Dompräbendar Semle, und der größtenteils freiwillig geleisteten Arbeit einiger filmbegeisterter Männer und Frauen. Der Reiter vom Hl. Blut“ wird in den Monaten September und Oktober in den Gemeinden der am Blutritt beteiligten Reitergruppen gezeigt werden und soll dann in der ganzen Diözese Rottenburg über die Leinwand gehen.

Die mit großer Spannung erwartete Aufführung des Films „Reiter vom Heiligen Blut“ wird am kommenden Samstag, den 2. September, in der hiesigen Turnhalle stattfinden. Da der Film den Blutritt 1949 zum Mittelpunkt hat, fiel die Wahl der Uraufführung nach Bad Wurzach. In mühevoller Kleinarbeit von der Bischöflichen Filmstelle gedreht und vertont, stellt dieser Streifen eine Neuheit in seiner technischen Art dar.

Die Darsteller sind Bauernsöhne und -töchter aus dem Pfarrbezirk Arnach bei Bad Wurzach. Die Sprecher des Films sind Studenten und Bürger aus Rottenburg. Im Geiste des Filmapostolats haben vor allem freiwillige Helfer an dem Gelingen der Sache einen großen Anteil. Die Außenaufnahmen zeigen die Landschaft des württembergischen Allgäus in seiner ganzen Schönheit. Durch die technische Neuerung (Verwendung des Magnetofons), die auf dem Gebiet des Films erst erprobt wird, war es bedingt, daß die Herstellung so viel Zeit beanspruchte.

Die Bischöfliche Filmstelle, die getreu ihrer vom Papst gestellten Aufgabe die Filme nicht nur zur Unterhaltung zeigt, sondern damit ein Apostolat, die Förderung des guten Films verbindet, wird die Uraufführung am Samstagabend mit einer Ansprache des Leiters der Diözesanfilmstelle, H. H. Dompräbendar Semle, eröffnen. Dompräbendar Semle ist in Wurzach kein Unbekannter, hat er doch 1949, wenige Tage nach dem Blutritt, dort einen vielbeachteten Filmsonntag gehalten. Wiederholungen des Films sind geplant und werden noch bekanntgegeben.

Da mit einem großen Andrang der Besucher von hier und Umgebung zu rechnen ist, findet ein Kartenvorverkauf statt bei Rothenhäusler, Bad Wurzach, bis Donnerstag, 31. 8.

Alle, welche diese Uraufführung am Samstagabend 8.15 Uhr besuchen wollen in Anwesenheit und mit Ansprache des H. H. Dompräbendars Semle von Rottenburg, mögen sich alsbald einen Platz durch Kauf der Karte (1 DM) sichern. Im Bedürfnisfall findet eine 2. Aufführung am Montag, 4. September, abends 8.15 Uhr statt.

Soweit der Zeitungsartikel aus dem Jahre 1950.

  

08Blut Abschied aufgesessen AA

Der Blutreiter (Josef Krug) bricht zum Blutritt auf. Josef Krug habe großen Wert darauf gelegt, dass die Szene am Hof Hagenjörges, von dem er stammte, gedreht wurde. Seine Frau (Theresia Kling) hat ihm beim Abschied noch das Weihwasser gegeben.

 

08Blut Bedineung Klara Thomas

In der Brugger Wirtschaft: Klara Kling (Poller, 1931 – 2015) spielt eine Bedienung. Thomas Abele gibt einen coolen Gast. Abele (1920 – 1995) war gebürtig von der Gensen-Mühle (heiratete nach Hünlishofen auf einen Hof, den seine Frau und seine Schwägerin umtrieben; er selber arbeitete in Leutkirch als Lehrer). Klara Poller war eine der vier „Schwoba-Mädla“ in Brugg. Ihre Schwester Theresia (geb. 1926) spielte die Hauptrolle. Auch Hedwig (1928 – 1994), die dritte der vier Schwestern, wirkte im Film mit. Nesthäkchen Hilde (geb. 1935) war Zaungast bei den Dreharbeiten; einige Szenen spielten in Brugg.

 08Blut Die Ernte

Erntezeit: Irma, Josef und Resi bringen ein schönes Fuder Heu heim. Irma Kiechle (Killeit, 1925 – 2004) war gebürtig von Arnach-Schlesis.

 

08Blut Gespräch am Fenster

Gespräch am Fenster: Bruno Vogt (1927 – 2012), Resi und Josef. Bruno Vogt war im wirklichen Leben der Sohn des Arnacher Bürgermeisters Eugen Vogt.

 

08Blut In der Heiligblutkapelle

In der Heiligblutkapelle: Irma, Thomas, Resi und Josef (von links).

 

08Blut Irma in der Heiligblutkapelle

Irma.

 

08Blut Josef holt Resi ab

Josef holt Resi mit dem Gäuwägele ab. Die Szene spielt bei Schweinhausen.

 

08Blut Josef und Klara

Josef unterhält sich mit der Brugger Bedienung Klara. Das Gäuwägele haben die Rottenburger Filmleute von Josef Kling, dem Vater der vier „Schwoba-Mädla“, ausgeliehen.

 

08Blut Klara lauscht

Klara lauscht. Sie spielte eine neugierige und tratschende Bedienung.

 08Blut Klara und Irma Bildstock

Klara und Irma an einem übermannsgroßen Bildstock.

08Blut Nachdenklich

Nachdenklich: Thomas.

 08Blut Pfarrer und Irma

Auch Arnachs Pfarrer Ludwig Segmiller (1910 – 1995) spielte mit. Hier im Gespräch mit Irma.

 08Blut Pfarrer und Josef

Pfarrer Segmiller unterhält sich mit Josef.

 08Blut Rasten im Gras

Rasten im Gras. Hauptdarstellerin Resi ist im Zentrum des Bildes. Der Mann hinter ihr ist ihr Vater Josef Kling (1891 – 1981).

 08Blut Regisseur Lutz Irma

Herr Lutz – der Vorname ist nicht bekannt – war der Regisseur. Er spielte auch im Film mit (hier mit Irma).

 

08Blut Resi wartend

Resi wartet auf Josef.

 

08Blut Thomas und Josef Haus Räth

Thomas und Josef in Brugg. Im Hintergrund sieht man Räths Schmiede.

 

08Blut Thoms und Josef

Thomas und Josef in einer Bauernstube.

 

08Blut Tränen

Natürlich gab es im Film auch Tränen: Irma und Resi.

 

08Blut Vor der Wirtschaft

Josef vor der Brugger Wirtschaft. Das Pferd Fanny war aus dem Stall von Josef Kling („Schwobes“).

 

08Blut zAnprobe Hochzeitskleid

Selbstverständlich hat der Film ein Happyend: Es wird geheiratet. Irma hilft bei der Anprobe. Das Hochzeitskleid war von Luise, der verheirateten Schwester von Irma, ausgeliehen.

 

08P Achtung Aufnahme

Achtung, Aufnahme!

 

08P Klara Herr Lutz

Klara mit Regisseur Lutz. Am Rande der Dreharbeiten. In der Hand hält sie ein Sprachrohr, ein einfaches Megaphon. Aufgenommen in Brugg.

 

08P Schwobamädla

Die Filmleute Lutz und Bader mit den „Schwoba-Mädla“ in Brugg: von links Hilde, Hedwig, Klara und Resi. Bei den Filmleuten war auch ein Herr Noll dabei.

Barbara Poller-Leucht, die Tochter von Klara Poller (geb. Kling), hat sich aufgrund unserer Berichterstattung gemeldet. Sie schreibt: "Mama hat immer erzählt, wieviel Spaß das Filmen und die Rolle der tratschenden Bedienung gemacht hat." Wir haben die Bildunterschrift "Klara lauscht" entsprechend ergänzt.

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