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Bad Wurzach - Es ist geschafft! Das einzige in Baden - Württemberg brütende Kranichpaar hat im Wurzacher Ried erfolgreich gebrütet und seine beiden Küken großgezogen. Der Brutplatz innerhalb unseres europadiplomierten Naturschutzgebiets „Wurzacher Ried“ war gut gewählt, ist man hier doch eigentlich vor Störungen menschlicher Art sicher. Kein Problem also, sollte man meinen.

Dennoch drohte zur Zeit der Brutplatzwahl Ungemach. Die für März anvisierte Baugrunduntersuchung für den geplanten Aussichtsturm im ehemaligen Haidgauer Torfwerk konnte gerade noch gestoppt werden, als die Kraniche in unmittelbarer Nähe ihren Neststandort suchten.

Die Aufregung und der Ärger auf Seiten der Stadtverwaltung waren groß, aber letztendlich untersagte das Regierungspräsidium Tübingen jegliche Aktivitäten, um die Vögel nicht zu stören. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit in einem Naturschutzgebiet.

Aber nicht nur die Kraniche sind vom Bau des Turms direkt betroffen, sondern auch eine kleine Kolonie streng geschützter Zauneidechsen müsste umgesiedelt werden. Und das im europadiplomierten Naturschutzgebiet!

Wie zu erwarten, brüten nach Angaben ortskundiger Ornithologen seit Jahren weitere streng geschützte Vogelarten im Nahbereich des geplanten Turmstandortes und etliche Durchzügler, wie Schwarzstorch, Wespenbussard, See-, Fisch- und Schlangenadler gastieren dort in bemerkenswerter Regelmäßigkeit.

Deshalb darf die Frage schon erlaubt sein, ob der geplante Standort des Aussichtsturms im Haidgauer Torfwerk mit den Vorgaben der Schutzgebietsverordnung in Einklang zu bringen ist?

Natürlich ist es wünschenswert, interessierten Besuchern die Wiedervernässungsmaßnahmen und ursprüngliche Hochmoorbereiche auf einen Blick zu präsentieren. Dazu ist der geplante Standort schon gut geeignet. Aber muss das auf Kosten der geschützten Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebietes geschehen? Muss deshalb ein Freiburger Büro für teures Geld die Umweltverträglichkeit des Standortes im Haidgauer Torfwerk prüfen und versuchen, mit kostenintensiven Maßnahmen den Standort irgendwie passend zu machen.

Und das im europadiplomierten Naturschutzgebiet!
Wäre nicht die Suche nach konfliktärmeren Standorten und das Überdenken der bisherigen Maxime „Alles auf einen Blick“ die bessere Wahl? Dadurch erschließen sich neue Alternativen.

Wie wär’s mit einem Turm am alten Hallenbad, außerhalb des Naturschutzgebietes, mit dem Blick auf die unberührte Hochmoorfläche als erste Station? Naturverträglich und überdies kein Problem mit der Zuwegung und den notwendigen Versorgungseinrichtungen wie Strom und Wasser. Obendrein als touristisches Bindeglied zwischen Naturschutzzentrum und Torfmuseum bzw. Torfbähnle nicht zu verachten.

Den Blick über unsere kleine Residenz am Ried gibt’s kostenfrei dazu. Auch das Regierungspräsidium hat diesen Standort im Visier und fordert hier eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Als zweite Station geführte Exkursionen ins Wiedervernässungsgebiet wie bisher, garniert mit einer kleinen reinen Vogelbeobachtungskanzel. Störungsarm, diskret und in der sensiblen Fortpflanzungsphase fällt halt die ein oder andere Exkursion zum Schutz der dortigen Tierwelt aus.

Das wäre doch zu verschmerzen und überdies angemessen im europadiplomierten Naturschutzgebiet!

Vielleicht macht man sich auf der Stadtverwaltung noch einmal Gedanken, bevor noch mehr Mittel in Untersuchungen und Erschließungskosten in den geplanten Standort im Haidgauer Torfwerk fließen. Das letzte Wort spricht sowieso das Regierungspräsidium Tübingen. Mal sehen ob die höhere Naturschutzbehörde nicht doch der „Natur“ in einem Naturschutzgebiet eine höhere Priorität gegenüber touristischen Belangen einräumt.

Ulrich Grösser, Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Wurzacher Becken
Stefan Hövel, Bürgerinitiative Wurzacher Becken

 

 

 

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