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Arnach - Es war wieder ein schönes Fronleichnamsfest in Arnach. Mit Musik und Fahnen feierte die Ulrichsgemeinde den „Herrgottstag“. Nachdem es in den Pandemie-Jahren 2020 und 2021 keine Prozession und mithin auch keine Straßenaltäre gegeben hatte, gab es 2022 quasi einen Neustart mit etlichen Änderungen. Nach wie vor werden in Arnach vier Altäre geschmückt.

Wie es Brauch ist, waren Arnachs „alte“ Vereine am Fronleichnamsmorgen mit ihren Fahnen ausgerückt. Um Viertel vor neun waren auf dem Platz vor der Alten Schule versammelt: der Musikverein in großer Besetzung, die Soldaten- und Schützenkameradschaft (SSK), die Freiwillige Feuerwehr und zwei Standartenträger der Blutreitergruppe. Dann kam Vikar Manuel Hammer mit 16 Ministranten hinzu und man zog unter den Klängen des Musikvereins zur Pfarrkirche, wo bei Eintritt die Orgel mächtig aufjubelte.

"Ein Gott des Alltages"
Vikar Hammer sprach in der Predigt von einem „katholischen Ausnahmezustand“. „Der Gott, an den wir glauben und den wir heute feiern, ist ein Gott des Festes, der Fülle und der Freude.“ Dann schlug der Prediger mit Bezug auf den Philosophen Odo Marquard den Bogen zum Alltag: „Jedes richtige Fest verweist zurück auf den Alltag und kann uns neuen Mut und neue Kraft schenken, diesen Alltag anzunehmen und zu bestehen. Das Leben kann kein Dauerfest sein.“ Und so sei Gott ein Gott auch des Alltages, präsent an jedem Tag, wie er am Festtag in Gestalt des Brotes gegenwärtig sei.

Die Lieder, die thematisch zumeist das Eucharistische Brot in den Mittelpunkt rückten, wurden begleitet von der Orgel (Manuela Fluhr) und vom Musikverein (Leitung: Berthold Hiemer).

Nach dem Auszug aus der Kirche sagte ein Mitglied der SSK anerkennend: „Des isch halt Dorf!“ Er hätte noch hinzufügen können: „Do isch d‘ Welt no in Ordnung.“ Aber die Umstehenden wussten auch so, wie es gemeint war.

Der 1. Altar
Die Prozession, diskret angeleitet von Thomas Baumann, dem Gewählten Vorsitzenden der Pfarrgemeinde Arnach, startete am Haus Schneider. Monika und Klaus Schneider und ihre Familie bauen den Altar seit gut 15 Jahren auf (davor hatte die Familie von Bruno und Luitgart Vogt den 1. Altar am Arnacher Prozessionsweg betreut). Die Blumenfelder an Schneiders Altar haben heuer die Ministranten unter Leitung von Oberministrantin Franziska Sauter gelegt. Vikar Hammer stellte die Statio am 1. Altar unter das Thema „Hunger“. Hier wie auch bei den drei anderen Altären unterstützte der Kirchenchor den Gemeindegesang. Lektorin war Barbara Vincon-Schwarz. Anton Baumann fungierte umsichtig als Mesner.

Bei den Altären hat es heuer etliche Änderungen gegeben. Aus Altersgründen hat es Wechsel bei der Betreuung von zwei Altären und somit auch Standortwechsel gegeben. Der Pfarrgemeinderat unter Leitung von Thomas Baumann hat sich dabei auch der baulichen Seite der Altäre angenommen. Christoph Riedl, Stefan Fimpel, Annette Grad, Tanja Baumann, Gebhard Baumann, Karl-Josef Göppel, Alfred Rudhart und andere haben dabei Hand angelegt.

32-mal Karl-Josef und Brigitte Göppel
Karl-Josef und Brigitte Göppel, die über drei Jahrzehnte einen der vier Altäre gestaltet hatten, haben diese aufwändige ehrenamtliche Tätigkeit altershalber abgegeben. Von 1988 bis 2019 hatte das Ehepaar Göppel mit Helfern an der zweiten Station des Arnacher Prozessionsweges wunderschöne Blumenteppich-Motive gelegt; all die Jahre vor ihrem Haus an der St.-Ulrich-Straße – bis auf zweimal: Im Jahr nach dem Weggang von Pfarrer Segmiller (1989), also an Fronleichnam 1990, kam als Zelebrant Pfarrer Gulde. Da dieser schlecht zu Fuß war, gab es keine Prozession und Göppels legten ihren Blumenteppich in der Kirche. Und einmal, das war unter Pfarrer Notz, waren die Wetterprognosen so schlecht, dass man ebenfalls in der Kirche geblieben ist; auch in jenem Jahr legten Karl-Josef und Brigitte ihren Blumenteppich – damals ein Herz-Jesu-Motiv – im Gotteshaus.

Vor 1988 war der 2. Altar jahrzehntelang am Haus Lerch gewesen (davor am Laden Mangold).

Der 2. Altar
Heuer ging man an der zweiten Station und auch an der dritten Station einen abgeänderten Weg. Der neue 2. Altar steht nun am Probelokal das Musikvereins. Den Blumenteppich dort haben Anita Gut, Martha Riedle und Maria Weber gelegt. Die Bekränzung stammt von Brigitte Göppel. Für die Konstruktion sorgte das Team des Pfarrgemeinderates.

Thema am 2. Altar war „Frieden“.

Der 3. Altar
Auch beim 3. Altar gab es eine Änderung. Richard Gregg, Arnachs einstiger Dorfschmied, der mit seiner verstorbenen Frau Luise ebenfalls über Jahrzehnte diesen Fronleichnamsaltar gestaltet hatte, gab die Aufgabe in jüngere Hände. Der 3. Altar war heuer am alten Hofgebäude von Simon und Rita Gut (einst Engelbert und Maria Graf, davor Familie Simon Fimpel). Gestaltet haben ihn im Auftrag der Pfarrgemeinde Klaus und Wally Gut und Gerhard und Margit Fimpel.

Am 3. Altar ging es um das Thema „Schöpfung“.

Mehr als 80 Jahre Familie Gregg
Der 3. Altar wurde einst von Matthias und Genovefa Gregg, den Eltern von Richard, gestaltet. Karl-Josef Göppel, der seinerzeit Ministrant war, erinnert sich, das müsse 1962 gewesen sein, dass an seinem Weihrauchfass etwas geklemmt habe. Man habe das Rauchfass gleich an Ort und Stelle beim Schmied gelassen. Der wird das Häkle geradegerückt haben. Als der 14-jährige Karl-Josef das Weihrauchfass später holte, habe Schmied Matthias Gregg, der an seiner Esse so manchen Rauchzug zu schmecken bekam, gesagt: „Däa Weihrauch riach i gern.“

Matthias Gregg (1902 – 1975), gebürtig von Riedlings, hatte die Arnacher Schmiede Mitte der 1930er-Jahre von der Familie Fimpel gekauft. Er war dort als Schmiedegeselle tätig gewesen. Unter Simon Fimpel, Vater und Sohn, waren Schmiede-Werkstatt und Landwirtschaft in einer Hand gewesen. Der Fronleichnamsaltar wurde damals von der Familie Fimpel betreut, weiß Richard Gregg; ihr Altar war vermutlich an der „Schmidde“ aufgebaut. Als Schmiedemeister „Mattheis“ Gregg die Schmiede kaufte, habe man von ihm auch erwartet, dass er die Gestaltung des Altares übernimmt. Die Familie Gregg hat also mehr als 80 Jahre lang den 3. Altar des Arnacher Prozessionsweges gestaltet.

Der 4. Altar
Die Blumenfelder am 4. Altar werden seit langem von den Kommunionkindern gestaltet. Heuer kümmerten sich die Kommunionmütter Vicky Riedl und Christine Fähndrich um Organisation und Begleitung. Der 4. Altar befindet sich seit etwa 45 Jahren am Eingang der Raiffeisenbank Arnach (davor war er als 3. Altar am „Adler“ gewesen). Helmut Riedl hatte damals als blutjunger Kirchengemeinderat diesen Altar zusammengezimmert und die Landjugend zur Gestaltung gewonnen. Ab den frühen 1990er-Jahren übernahmen die jeweiligen Kommunionkinder die Gestaltung.

Am 4. Altar stand heuer das Thema „Gemeinschaft“ im Mittelpunkt.

„Großer Gott, wir loben dich"
Beim Abschluss in der Kirche, der natürlich im „Großer Gott“ kulminierte, dankte Vikar Hammer allen Mitwirkenden und allen, die hinter den Kulissen für das Gelingen des Festes Sorge getragen haben. Auf dem Aufstellplatz, bevor die Formationen sich auflösten, sprach SSK-Vorstand Alfred Rudhart namens der Vereine ein Dankeswort.

Frühschoppen
Anschließend traf man sich zum Frühschoppen im SSK-Zelt. Es spielte eine kleine Besetzung des Musikvereins. Lange, nachdem es zu Mittag geläutet hatte, stand Klarinettist Gebhard Baumann auf und rief: „Leit, mir hond koin A‘satz meh.“ – „Aber mir hond a Sitzfloisch“, kam es schlagfertig aus dem Publikum zurück. Die muntere Zwischenruferin und das satt-zufriedene Publikum kamen so noch in den Genuss von zwei Zugaben.

Nachsatz: Der Chronist hält es wie der Zelebrant bei der Danksagung: Wer im Artikel nicht genannt ist, möge Nachsicht üben. So viele haben an der Arnacher Fronleichnamsprozession mitgewirkt, die Fahnenträger, der Träger des Megaphons, die Planer und Macher im Pfarrgemeinderat, die Träger des Baldachins, der von der Feuerwehr gestellte Absperrdienst … Sie alle waren in den Dank des Zelebranten eingeschlossen.

                                 Text: Gerhard Reischmann / Fotos: Martin Räth

18 2.FahneMV578An der Spitze des Musikvereins beim Einzug in die Kirche: Fähnrich Alexander Mayer mit Fahnenbegleiterinnen, gefolgt von Dirigent Berthold Hiemer mit seinen Musikanten.

18 3.XareDer älteste Musikant: Franz Xaver („Xare“) Miller, 86 Jahre alt.

18 4.EK

Der Fahnen-Rotte der Feuerwehr folgten die zehn Kommunionkinder.

 18 5.Blutreiterpsd

Die Standarten der Blutreitergruppe Arnach trugen Hansjörg Schick und Klaus Schneider.

18 6.HochaltarVor dem Hochaltar von 1749: Die 16 Ministranten geben ein schönes Bild ab.

 18 7.Hammer

Vikar Manuel Hammer lenkte den Blick auf das Wesentliche, „die Anbetung der bleibenden Gegenwart Christi im Eucharistischen Brot“, wie er formulierte.

 18 8.Blumenteppich Minispsd

Den Blumenteppich am Altar der Familie Schneider haben die Ministranten gelegt.

 18 9.Velum

Mesner Anton Baumann trägt das Velum, ein liturgisches Tuch. Hinter ihm zwei der Fahnenträger: Wolfgang Abele und Christoph Riedl.

 18 10.Velum 2

Vikar Manuel Hammer, kurz bevor er am 1. Altar den Eucharistischen Segen spendet. Mesner Baumann ist bereit, dem Priester das Velum umzulegen, ein Schultertuch, das dem Verhüllen der Hände dient, wenn sie die Monstranz berühren.

 18 11.Baldachin

Vikar Hammer trägt die Monstranz, das Schaugefäß, das das Allerheiligste in sich birgt. Er umfängt den Schaft mit dem Velum; damit wird deutlich, wie kostbar das hier sichtbar durch die Straßen Getragene ist. Der von vier Männern getragene Baldachin – hierzulande sagt man „Himmel“ dazu – unterstreicht die Bedeutung der Szenerie. Die Arnacher Monstranz – eine Strahlenmonstranz Augsburger Provenienz – wurde gestiftet von Pfarrer Berchtold (gestorben 1774).

 18 12.Altar Probelokal

Der neue Altar am Probelokal des Musikvereins. Im neuen Prozessionsablauf steht er an zweiter Stelle. Das Kreuz stammt aus dem Fundus der Pfarrgemeinde.

 18 13.auf dem Weg zum 3. Altar

Auf dem Weg zum 3. Altar.

 18 14.Altar Gut

Der neue Altar an der Hofstelle Gut.

 18 15.Tücher578

Fenstertücher, „garniert“ mit bändelgeschmückten Tannenzweigen, wie hier am Haus Gut, sah man nur noch an einigen wenigen Häusern am Prozessionsweg.

 18 16.Raiba

Die Blumenfelder am 4. Altar (vor der Raiba) haben die Kommunionkinder gelegt.

18 17.Musik 

Eine Fronleichnamsprozession ohne Blasmusik ist in einer oberschwäbischen Landpfarrei nicht vorstellbar.

 

 

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