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Bad Wurzach - Voll in ihrem Element waren Ute Landenberger und Michael Willkommen alias Käthe und Karl-Eugen Kächele mit ihrem aktuellen Programm „Dorftratsch Deluxe“ im Kursaal von Bad Wurzach und sorgten für einige unbeschwerte Stunden.

Seit 2005 machen sie die Kabarettbühnen – derzeit (sofern möglich) mit ihrem 13. Bühnenprogramm „Dorftratsch Deluxe“ – mit ihrem teils subtilen, teils krachenden schwäbischen Humor in Süddeutschland unsicher. So wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, nehmen sie so gut wie jedes Thema und Ereignis aufs kabarettistische Korn.

Ausgehend natürlich von dem immerwährenden verbalen Kampf der Geschlechter, der Paradedisziplin der Kächeles, schaffen es die beiden Erzkomödianten, jedem Schwaben (und auch so manchem Nichtschwaben) Einblicke in den Irrgarten eines schwäbischen Ehelebens zu geben und ihm dabei ein wenig den Spiegel für das eigene Verhalten vorzuhalten.

Da wäre zum einen die Hingabe, mit der Herr Kächele im Land der Erfinder des Automobils eben jenes pflegt. Sehr zum Missfallen seiner Käthe, die, würde er bei ihr die gleiche Hingabe zeigen, „das schönste Leben hätte.“

Als sich nun Martha, die beste Freundin Käthes zum Besuch anmeldet, befürchtet Karl-Eugen das Schlimmste: „Die ist so fett, dass wenn du mit dem Mofa um sie herum fahren willst, zweimal Tanken musst.“ Auch die komplette Entleerung des Kühlschrankes („Beim letzten Mal hat sie drei Schnitzel mit Beilagen vertilgt und sechs Weizenbier dazu getrunken“) befürchtet er. Am meisten Sorgen macht er sich um sein Sofa mit Springfedern, ein Erbstück seines Großvaters.

Käthe definiert den Unterschied von Männlein und Weiblein: Während die Damen der Schöpfung rhetorische Höhenflüge mit ihrem IQ von jenseits der 130 zelebrieren, erschöpfen sich die männlichen Höhenflüge in nachbarschaftlichen Wettstreiten wie „Wer hat den größten... Rasenmäher.“ Karl-Eugen lamentiert über die geänderten Zeiten: Er muss jetzt selbst zum Einkaufen gehen. Am Ende freut er sich: Gemeinsam mit einem Nachbarn und der Schinkenprobenanbieterin leert er einen Kasten Bier, hat sich den Bauch vollgeschlagen und bekommt noch 10 € Pfand zurück, weil es an der Kasse für Zu spät gekommene heißt: „Leergut gibt man draußen ab.“

Seine Frau wechsle derzeit: „Von gutartig zu bösartig!“ Beim Yoga habe er sie sogar einmal begleitet, war aber nicht überzeugt, dass es etwas bringt, „weil rechtes Bein hinter linkes Ohr hat bei mir nicht funktioniert.“ Seine größte Niederlage aber habe bei der Kerze einstecken müssen: „Do isch a 70jährige neben mir umgfalla, noch dem I den Kampf gega die fünf Woizebier vom Vorobend verlora hon, die in mir gschaffet hond.“ Seine Rechtfertigung für den leisen Pups: „Was wellet ihr denn, i hon doch blos a Duftkerze g´macht.“

Auch Käthe stand den Sprüchen ihres Angetrauten in nichts nach: „I hon gar it g´wisst dass Du in Neu-Ulm warst: Do hont se en Blindgänger g´funda.“ Oder weil die Männer nach ihrer Arbeit immer „naliega“ müssen, vermutet sie ein neues Arbeitszeitmodell dahinter: „Anscheinend müssen die Männer mehr Minuten in der Stunde arbeiten wie die Frauen.“ Als sie einmal nach Kochen, Waschen und sonstiger Hausarbeit „um zehne obends“ erschöpft aufs Sofa fiel und sich mit der Tagesdecke zudecken wollte, habe er ihr die Decke weggezogen: „Des kannscht doch etzt nemme macha!“

Zum Thema Altern der Geschlechter zog Karl-Eugen einen Vergleich: „Wenn ich ein Stück von einem Hackbraten vier Tage in den Kühlschrank Stelle, sieht er danach immer noch taufrisch aus. Wenn ich das mit einem Salat mache, dann...“

Zum Thema Höflichkeit des schwäbischen Mannes hat die nicht auf den Mund gefallene Käthe einen schönen Vergleich parat: Ein schöner Italienischer Mann hilft einer schwerbeladenen Frau, öffne ihr die Tür und überschütte sie mit italienischen Komplimenten. Kommentar des Schwaben, der sich ihre Bemühungen angesehen hat, nachdem sie es danach geschafft hatte: „S´goht.“
Zum Thema Von der Landesregierung angeleierte Hochdeutsch-Kurse: „Für was brauch ich an Genitiv, wenn i an Dativ hon?“

Dass sie ihren Gatten Karl-Eugen alias Michael Willkommen an einer empfindlichen Stelle trifft, wenn es darum geht die Wohnung auf Shappy Chic umzurüsten: „Lieber an weißa Schrank als d´Schwiegermutter drhoim.“ Karl-Eugen hat auch eine sehr eigene Meinung zum Thema Arbeitsteilung: „Du kochsch, I iss. Du wäscht, I machs se dreggig.“

Und wenn es der liebe Gatte wieder einmal übertreibt, dann kann Käthe alias Ute Landenberger, die sehr gerne sehr viel redet, zum wortgewaltigen Torpedo werden. Und das ohne Punkt und Komma, womit sie dann auch den bekanntesten Schnellsprecher der Nation, den unvergessenen Dieter Thomas Heck, locker zur Schnecke werden lässt.

Der hochverdiente Applaus am Ende der höchst amüsanten zwei Stunden im Kursaal zeigten aber auch, wie wichtig Lachen allen Corona-Einschränkungen zum Trotz für den Menschen bzw. das Menschle geworden ist.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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