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Bad Wurzach - Gabi Wendlik ist die Inhaberin von Marco & Men, einer Boutique in Bad Wurzach. Seit Montag darf sie ihr Geschäft unter den üblichen Corona-Auflagen (Sicherheitsabstand, Maximal fünf Personen im Geschäft) wieder öffnen. 

Trotz aller – gerade kleine Geschäfte an den Rand einer Existenzkrise bringenden – Umstände, freut sich Gabi Wendlik, ihr Modegeschäft wieder öffnen zu können. Und sie hat die Zeit sehr gut genutzt: Die Wände wurden neu gestrichen und sie hat ihr Sortiment erweitert: Neben Mode für Sie & Ihn hat sie nun allerlei Deko-Artikel im Programm, darunter auch exklusive Duftkerzen, „hergestellt in Deutschland, die auch nicht rauchen.“ Aber auch Dekoartikel, die auch auf Terrasse und Balkon ein gutes Bild abgeben.

„Dass es nach der langen Zeit keinen Kundenansturm geben würde, war mir schon klar.“ Das lag zum einen daran, dass sie ja noch die Frühjahrsware für die kälteren Monate im Programm hat, aber auch weil viele Kunden verständlicherweise noch sehr vorsichtig waren. Aber zunächst freut sie sich, überhaupt wieder öffnen zu dürfen. Wobei sie natürlich für die Wettbewerbsverzerrung durch den Online-Handel passende Worte findet: „Den Leuten muss klar werden, dass wenn man alles nur noch online kauft, es irgendwann in Bad Wurzach immer so aussehen wird, wie in den letzten vier Wochen.“

„Es tut mir in der Seele weh, dass sich diese nicht mehr verkaufen lassen. Aber die Sommersachen sind bestellt und werden demnächst geliefert.“ Für die kleinen Geschäfte sei besonders bitter, dass die Großhändler die Ware nicht mehr zurücknehmen könnten, weil ja auch ihre Lager voll sind. Das das verschärfe das durch die Pandemie verursachte finanzielle Problem natürlich noch.

Dennoch ist Wendlik optimistisch und auch pragmatisch geblieben: Da sie schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spielte, das Geschäft zu verkaufen oder zu verpachten, war die Zwangspause gar nicht so schlecht: So wurden halt Reparaturen, die bei einem Inhaberwechsel fällig geworden wären, einfach vorgezogen. Aber auch für sie persönlich hatte die Ladenschließung positive Aspekte: Sie und ihr Mann hatten Zeit für gemeinsame Spaziergänge und Gartenarbeit. „Und wir sind kaum noch mit dem Auto gefahren,“ betont sie auch den für die Umwelt positiven Aspekt.

Und ihre Kreativität habe der Lock-Down auch gefördert. Etwa vierzig Atemschutzmasken habe sie genäht. Ursprünglich für ihre Tochter, die am Uniklinikum in Basel arbeitet, wo solche Masken nach wie vor Mangelware sind. Die Tochter fand die Vorstellung – zurecht – ekelhaft, am Ende des Tages ihre Maske auf einen Haufen zu legen und am anderen Tag die zwar gewaschene und desinfizierte Maske eines Kollegen zu erhalten. Also wurden aus Hemden und anderen Stoffen nach Vorgabe der Tochter bunte Gesichtsmasken, um welche die Tochter inzwischen beneidet wird. Auch sie selbst und ihre Angestellten profitieren natürlich jetzt von ihrer Kreativität.

Eigentlich wollte sie in diesem Jahr das 20jährige Jubiläum von Marco & Men feiern. Aber auch das fällt erst einmal dem Corona-Virus wie auch ihr umsatzstärkster Tag, der Blutfreitag, zum Opfer. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, “ sagt sich Gabi Wendlik, „dann feiern wir halt im nächsten Jahr, wenn alle Rädchen wieder richtig in einander greifen.“

 

Bericht: Ulrich Gresser

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