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wow2019 578Bad Waldsee (Kommentar) – Mit 14 zu 13 Stimmen stimmte der Gemeinderat den „Visionen eines Planers“ – wie von selbigem so offeriert – zu und beschließt den Bereich Ravensburger Tor und Wurzacher Straße Parkplatzfrei zu machen. Eine Durchfahrt durch die Wurzacher Straße und das Be- und Entladen ist nach wie vor möglich. Wie lange die Straße als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen ist wird sich zeigen, die Aussagen von Bürgermeister Matthias Henne und die Beschlussunterlagen sind nicht deckungsgleich.

 

 

Selbstständige ticken anders

Selbstständige und Unternehmer sind ein eigener Schlag von Menschen. Ein Selbstständiger lebt für sein Unternehmen, nicht nur zum Broterwerb, es ist Identifikation und Freude an und mit seinem Geschäft, an seinem Lebenswerk. Die zwangsweise Betriebsunterbrechung von über acht Wochen hat vielen der Selbstständigen schlaflose Nächte und Existenzängste bereitet.

Wie lange kann ich ohne Einnahmen überleben, wen muss ich zuerst entlassen, was kann ich einsparen, wie kann ich die Kundenfrequenz optimieren? Und genau dann sollen da noch 10 Kunden-Parkplätze in nächster Nähe entfernt werden. Die Betonung liegt auf Kunden-Parkplätze.

 

Da ist man als Geschäftsfrau und –mann zu Coronazeiten wenig amüsiert (not amused) wenn Staatsdiener und Gehaltsempfänger mit gesichertem Einkommen relativ entspannt über die Änderung der Rahmenbedingungen zur Ertragslage der Geschäftsleute entscheiden.

 

 

Böses Erwachen

Das Erwachen für die Geschäftswelt und Gastronomen kommt erst noch. Nach Monaten von Null Einnahmen folgen nun, wie zwischenzeitlich offensichtlich, die Monate von weniger Einnahmen. Dabei darf man an zusätzlichen Einschränkungen bedingt durch Baustellen für Breitband und Nahwärme gar nicht denken. Der eine oder andere Kunde wird sich über die Entwicklung in der Waldseer Geschäftswelt noch wundern. Man denke nur an die Entwicklung der einst zentral gelegenen Poststationen und Poststellen, die sind heute nur noch bei den bequem per Auto erreichbaren Grundversorgern zu finden.

 

 

Die Jugend nicht befragt

So manchem Gemeinderat war es aus dem Verständnis für die Geschäftsleute heraus ein Bedürfnis sich persönlich zu erklären. Das Bedauern von Bernadette Behr, dass die Jugend zu diesem Thema nicht befragt worden sei, bringt eher Hilflosigkeit und Naivität zum Ausdruck. Es ist jedem Gemeinderat möglich einen Antrag zu solch einem Ansinnen zu stellen.

Das Interesse der Jugend ist leichter mit McDonalds, H & M und Primark zu wecken, und das dann möglichst mit Parkplätzen vor der Tür.

 

 

Souverän ist anders

Paragraf 9 der Hauptsatzung des Gemeinderates ermöglicht es dem Bürgermeister sachkundige Bürger und Sachverständige zu den Beratungen hinzu zu ziehen. Die Möglichkeit, dass sich der ehrenamtliche Kreisbehindertenbeauftragte Jürgen Malcher vor dem Gremium äußern konnte, dies aber einem Vertreter der örtlichen Geschäftswelt nicht möglich gemacht wurde, wird von den Gewerbetreibenden mehrheitlich als Affront gewertet.

 

Franz Daiber weist auf die Differenz zu den Aussagen von Bürgermeister Matthias Henne – die Wurzacher Straße wird verkehrsberuhigte Zone bleiben – und den Darstellungen in den Planunterlagen hin, in denen in einer zweiten Stufe von einer Fußgängerzone geschrieben wird.

 

 

Nach bestem Wissen und Gewissen

Bei aller unterschiedlicher Auffassung zu einem Kompromiss - das Mobilitätsband war von den Geschäftsleuten nie in Frage gestellt oder unerwünscht - wie auch bei kurzfristigen Meinungsänderungen – Franz Spehn hatte noch bis kurz vor der Sitzung für Parkplätze votiert und in der Abstimmung gegen die Parkplätze gestimmt - ist mit einem sehr knappen Ergebnis eine demokratische Entscheidung gefällt worden, die es gilt anzuerkennen und zu respektieren.

Nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden, dafür sind die Gemeinderäte von der Bevölkerung gewählt worden - und sie tun das nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Wolfgang Weiß
dieBildschirmzeitung

 

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