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Bad Waldsee (rei) - 21. Mai, 10.15 Uhr im VIP-Zelt am Waldseer Rathaus. Auf Einladung der Lauffieber-Organisatoren waren zwei Dutzend Vertreter des öffentlichen Lebens der Kurstadt zur 20. Auflage des Sportfestes gekommen, darunter Altbürgermeister Rudolf Forcher. Mitten unter ihnen Dr. Thomas Sapper, der für den Kampf um den Erhalt des Waldseer Krankenhauses viel Zuspruch erhielt.

Entschuldigt war OB Henne (traf später ein). Der bestens aufgelegte Benno Schultes nannte auch den absolut nachvollziehbaren Grund für die Absenz des Stadtoberhauptes beim Top-Stadtevent. Es sei ein Bub, wusste er aus sicherer Quelle und verbreitete die freudige Nachricht, sicherlich autorisiert von den stolzen Eltern, über Mikro. In sechs Jahren könne der Bub bei den Bambini mitlaufen, fügte Benno verschmitzt hinzu. Wenn, ja, wenn es das "Lauffieber" dann noch gibt.

Gesehen wurden in der munteren Runde unterm weißen Sonnenschutz unter anderem: die Stadträte Sonja Wild, Rita König, Rosa Eisele, Roland Schmidinger. Von der örtlichen Wirtschaft Markus Mohr (Thüga), Thomas Gut (Kreissparkasse), Anton Sproll (Volksbank), Markus Fürst („Schwäbische Zeitung“). Auch Wolfgang Weiß, der Herausgeber der Bildschirm-Zeitung, war mit Frau Gerti gekommen. Aus dem Krankenhaus entlassen, geht Wolfgang Weiß noch an Krücken. „Du Simulant“, witzelte Markus Leser. „Du witt bloß it mitlaufa.“ Der VIP-Treff, bei dem Espresso in Lauffieber-Jubiläumstassen ausgeschenkt wurde, war musikalisch gestaltet von Andreas Ess am Keyboard.

In seiner Begrüßungsrede dankte Benno Schultes neben den vielen Helfern – 400 an der Zahl – und seinen Kollegen aus dem Kernteam – Markus Brauchle, Franz Lorinser und Eckart Knof - namentlich auch „Lauf-Papst“ Achim Linder, der als  Moderator und Animator das "Lauffieber" in unnachahmlicher Weise am Mikro begleitet – all die Jahre in treuer Freundschaft. Wichtig war es dem Organisator Benno Schultes, mitzuteilen, dass Geflüchtete gratis am „Lauffieber“ teilnehmen können. „Schau, das ist eine ukrainische Familie, die mitläuft“, sagte er zu DBSZ-Berichterstatter Gerhard Reischmann. Die Bildschirmzeitung (DBSZ) war vor Ort vertreten durch Erwin Linder (Fotos) und Uli Gresser (Text und Fotos Jugendläufe) sowie Gerhard Reischmann (Texte), um das Waldseer Großereignis redaktionell zu begleiten. Bei Kaiserwetter gingen 1917 Sportlerinnen und Sportler an den Start, darunter 435 Bambini und Kids.

 

Kurz vor dem Start des Lauffiebers um 11.00 Uhr hatte die Bildschirmzeitung  Gelegenheit, mit Benno Schultes (Foto: Erwin Linder) zu sprechen:

 21Lauffieber Benno

DBSZ: Benno, kurz vor dem Start des Lauffiebers – des 20. Lauffiebers – wie sind die Gefühle?

Bernhard („Benno“) Schultes: "Ja, erstmal ist es klasse, dass alles geklappt hat in der Vorbereitung. Wir sind total auf den Punkt fertig geworden, keine Pannen. Wir hoffen jetzt natürlich, dass bei diesem Traumwetter die Stimmung überschwappt auf alle. Die Stadt ist wirklich im Fieber. Man merkt, dass Klein und Groß, Alt und Jung dabei sind. Bei uns kocht natürlich im Moment das Gefühl der Spannung hoch und zum zweiten das Gefühl, dass es sein kann, dass dieses Lauffieber das letzte Mal stattfindet."

 

DBSZ: Ja, da sind sicher auch wehmütige Gefühle dabei.

Benno: "Ja natürlich. Das Lauffieber steht und fällt mit den Menschen. Da haben sich irgendwann einmal vier Laufsportverrückte getroffen und ein verrücktes Unternehmen gestartet. Wir waren damals beim Berlin-Marathon und haben uns dann vorgestellt, dass wir so etwas auch in Bad Waldsee auf die Beine stellen könnten. Und das haben wir dann auch getan."

 

DBSZ: Berlin und Waldsee. Zwei sehr unterschiedliche Preisklassen!

Benno: "Ja, das sind zwei sehr unterschiedliche Preisklassen. Trotzdem konnten wir ein Format zaubern, das damals für so eine kleine Laufsportveranstaltung wirklich toll war. Wir vier verstehen uns sehr gut – wir können uns blind aufeinander verlassen und wir haben sofort unsere Tätigkeiten im Vorfeld genau aufeinander abgestimmt und besprochen – ansonsten ginge so etwas nicht. Es ist 100 Prozent Ehrenamt und genau so etwas brauchen wir, um das Ganze zu stemmen. Wir brauchen an diesem Tag 400 Helfer, die auf den Punkt da sind, die sich motivieren lassen, die mit uns zusammen im Lauffieber sind. In den letzten Jahren ist es immer mehr auch zum Fest der Vereine geworden. Sie kommen mit ihren eigenen Shirts, sie machen drumherum Feste – eine riesige Euphorie in der Stadt!"

 

DBSZ: Respekt! Eine große Leistung! Viel Ehrenamt. Und für die Stadt Bad Waldsee eine wichtige Sache.

Benno: "Ja, ich glaube schon, dass etwas fehlen würde, wenn sich niemand finden lässt, der diese Veranstaltung weiterführt. Das Lauffieber ist weitrum bekannt, es ist eine Marke geworden. Es ist etwas ganz anderes als eines der üblichen Stadtfeste. Wenn man sieht, wie die bunt gekleideten Sportler in die Stadt hereindrängen: Das hat schon ein besonderes Flair."

 

DBSZ: Aus Deinen Worten spricht ein bisschen Hoffnung, dass es vielleicht doch weitergeht?

Benno: "Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jemand findet, der diese Veranstaltung vielleicht nicht im Ganzen macht, aber durchaus den einen oder anderen Part übernimmt. Wir brauchen jemanden, der es federführend macht. Ich glaube, dass auch die Stadt unter OB Henne tatsächlich sehr bereit wäre, da mitzumachen."

 

DBSZ: Interessanter Aspekt. Benno Schultes muss jetzt weiterspringen – der Startschuss fällt demnächst! Danke, Benno, für das Interview.

 

Am Montag, als nach dem großen Sportfest wieder der Alltag in die Stadt einkehrte, baten wir Benno Schultes um ein Fazit. 

DBSZ: Das 20. Lauffieber war ein großartiger Schlusspunkt einer Erfolgsgeschichte, die vielleicht – wir alle hoffen es – sogar fortgesetzt werden wird. Ein kurzer Rückblick auf den Samstag: Ihr seid happy, restlos zufrieden und wohl so richtig ausgelaugt.

Benno: "Stimmt alles! Ausgelaugt ja, aber die vielen begeisterten Rückmeldungen, die hunderte Fotos und Videos, die wir nun aus verschiedenen Quellen zusammentragen und die wertschätzenden Berichte in den Medien lassen alle Anstrengungen vergessen. Was uns auch sehr gefreut hat, war die sehr gelungene Party auf der Hochstatt, bei der man so richtig gemerkt hat, dass die Menschen ein großes Bedürfnis hatten, endlich wieder zusammen zu feiern. Alles verlief friedlich, wir hatten auch in diesem für uns letzten Jahr keine ernsthaften Verletzungen bei den Teilnehmern zu beklagen, abgesehen von dem ein oder anderen Kreislauf, den die hohen Temperaturen durcheinandergebracht hatten. 

Am Sonntag gab es nur noch wenige Aufräumarbeiten. Die vielen helfenden Hände haben das meiste schon am Samstag verräumt und die Stadt fast so verlassen, wie wir sie am Samstag früh vorgefunden haben. Das ist auch nach 20 Jahren für mich immer wieder eine gigantische Leistung unserer Crew. 

Jetzt sind noch Rechnungen zu bezahlen, Internetseiten zu pflegen, Medaillen nachzusenden etc., aber das ist erstmal nicht mehr zeitkritisch.

Die Stimmung in der Stadt war großartig, alle hatten Spaß – das 20. Bad Waldseer Lauffieber war noch einmal eine absolut runde Veranstaltung! Danke an Alle!"

 

21Lauffieber Forcher

Die Bildschirmzeitung sprach am Rande des Lauffiebers auch mit Altbürgermeister Rudolf Forcher (Foto: Erwin Linder). Prof. Forcher hat die Stadt 32 Jahre lang regiert (bis 2004). In seine Amtszeit fällt die Gründung des „Lauffiebers“.

Gerhard Reischmann (DBSZ): Herr Forcher, das Lauffieber besteht seit mehr als 20 Jahren. Was empfinden Sie an dem Tag, an dem es vielleicht zum letzten Mal stattfindet?

Prof. Rudolf Forcher: Da bin ich etwas traurig. Ich erinnere mich noch gut, als Herr Schultes in der Vorbereitung des ersten Lauffiebers bei mir im Bürgermeisterzimmer saß und wir uns unterhalten haben: Wie soll es aussehen? Kann es etwas werden? Und wir haben beide gesagt: Es wird etwas!

 

DBSZ: Das war im Jahre 2002. Was für Erinnerungen haben Sie an 20 Jahre Lauffieber?

Forcher: Das Lauffieber hat sich rasch etabliert und es war eigentlich immer toll, dass von den Bambini bis zu jenen, die ganz lange Strecken gelaufen sind, eigentlich alle mitgemacht haben und begeistert waren. Wie ich heute hierher ging, traf ich eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Da habe ich gesagt: ,So, wollt Ihr heute auch laufen?‘ – ,Mir wellet gwinna!‘“

 

DBSZ: Es ist ein Ereignis für Alt und Jung und hat Strahlkraft weit über Bad Waldsee hinaus. Das hat Sie als Bürgermeister natürlich sehr gefreut.

Forcher: „Ja sicher, es ist so, dass Bad Waldsee dadurch als Sportstadt weit ins Land hinaus strahlt – mein Neffe, zum Beispiel, ist damals von Freudenstadt her gekommen und mitgelaufen.

 

DBSZ: Sie selber, Herr Forcher, mittlerweile 80 Jahre alt, sind wohl nie mitgelaufen?

Forcher: Ich habe die ersten Male den Startschuss gegeben und habe mich dann gefreut, wie alles hier gelaufen ist und wie alles ganz toll organisiert war und dass glücklicherweise nur ganz, ganz wenig Problemfälle aufgetreten sind, dass irgendjemand kollabiert ist oder dergleichen. Das Schöne am „Lauffieber“ war und ist, dass eigentlich jeder in diese Landschaft um Bad Waldsee, in unser wunderschönes Oberschwaben, eingebunden wurde, in eine sportliche Aktivität, die nicht auf Vereinsbasis allein basiert, sondern die jeden und jede lockt.

 

DBSZ: Es ist eine Freude, den vielen ehrenamtlichen Helfern zuzuschauen. Man sieht das Rote Kreuz, man sieht viele andere Einsatzkräfte. Vieles greift hier Hand in Hand.

Forcher: Ja, ich glaube, ohne all jene, die hier ehrenamtlich mitwirken, ist so eine Großveranstaltung in der Kleinstadt nicht durchführbar. Ein herzliches Dankeschön nicht nur damals für den Anfang, sondern vor allem für das Durchhalten.

 

DBSZ: Und da muss man namentlich neben Benno Schultes auch all die anderen im Team erwähnen, an der Spitze Markus Brauchle, Franz Lorinser und Eckart Knof.

Forcher: Ja, ein Lob den Organisatoren an der Spitze und den vielen, vielen am Streckenrand, hinter den Kulissen, in der Vorbereitung, beim Aufräumen und, und, und. Ein Lob den Läufern und Läuferinnen und auch den vielen Zuschauern, die hier mitfiebern und damit natürlich tatsächlich ein positives Fieber entstehen lassen, das überspringt und das dann natürlich auch Gemeinschaft und Freude bringt.

 

DBSZ: Vielen Dank, lieber Herr Forcher, für Ihre Bereitschaft zu einem spontanen Interview unmittelbar vor dem Startschuss.

 

Ergebnisse unter www.badwaldseer-lauffieber.de (auf der Startseite unter "Ergebnisdienst 2022")

 

Die Bildschirmzeitung hat Bildergalerien und weitere Texte veröffentlicht. Das Bild oben ist ein Archivbild von einem früheren Lauffieber (Quelle: LF)

 

 

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