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M – V – Z, das sind zunächst drei volltönende Buchstaben. Ausgeschrieben bedeutet das „Medizinisches Versorgungszentrum“. „Zentrum“ – das ist ein vollmundiger, ein Vieles versprechender Begriff.

Wofür steht die Buchstaben-Kombination? Ist das ein Ärztehaus, das um 17.00 Uhr Feierabend macht? Oder ist das eine Einrichtung, die rund um die Uhr Versorgungsleistungen anbietet?

Die Einwohnerschaft von Bad Waldsee, Bad Wurzach, Aulendorf und auch Bad Schussenried lebt seit Jahrzehnten in dem sicheren Gefühl: Im Notfall kann man in Bad Waldsee Hilfe erlangen.

Wenn dieses Sicherheitsnetz zerrissen wird, dann wächst der Druck auf die ohnehin schon heillos überlastete Notaufnahme in Ravensburg noch weiter. Gewiss, die gesundheitsökonomischen Weichensteller haben in Aussicht gestellt, dass dort nachgebessert werden soll. Doch es wird ein Flaschenhals bleiben, ein Engpass.

Das medizinische Personal in der Ravensburger Notaufnahme leistet Enormes. An der Kompetenz und am Einsatz der an dieser Front Kämpfenden gibt es nichts herumzudeuteln. Das ist aller Ehren wert. Der Fehler ist ein systemischer. Und der wird durch die Flucht aus der Fläche noch verschärft. Wenn es abwiegelnd heißt, bei allen vier Sanierungszenarien bliebe für Bad Waldsee „eine Notfallversorgung durch den Rettungsdienst“ erhalten, wie die „Schwäbische Zeitung“ in ihrer Mittwochsausgabe mit Bezug auf das BAB-Gutachten formulierte, dann ist das schlicht zynisch. Dann meint das im Klartext: Es wird keine Nachtbereitschaft in Bad Waldsee geben. Dann meint das: mit Blaulicht ab nach Ravensburg.

Die Bad Waldseer und die Bürgerschaft aus den genannten Nachbarorten haben mit der großen Demo am 13. April deutlich gemacht, wie wichtig ihnen das örtliche Krankenhaus ist. Es war ein starkes Zeichen, das mehr als 1000 Menschen an jenem Tag gesetzt haben.

So beeindruckend der Protest auch war – er hat inzwischen schon Züge ohnmächtiger Empörung angenommen. Die Entscheider sitzen woanders und sie sitzen am längeren Hebel.

Was tun?

Wir wagen einen verwegenen Vorschlag: das Krankenhaus kommunalisieren. In städtische Trägerschaft überführen.

Gott bewahre, wird mancher Haushälter im Bad Waldseer Rathaus und unter den Bad Waldseer Ratsherren und -damen seufzen. Man schaue nur nach Weingarten und wie dort das Städtische Krankenhaus geendet hat!

Ist es wirklich nicht möglich, ein Haus der Grundversorgung für 40.000 bis 50.000 Menschen kostendeckend zu betreiben? Eine Low-Tech-Klinik, die nur das Notwendige anbietet, das müsste doch wirtschaftlich darstellbar sein.

Das „Vierzehn Nothelfer“ in Weingarten ist vielleicht Opfer von Missmanagement geworden. Wie wichtig die Leute an der Spitze sind, wie entscheidend für Wohl und Wehe eines Betriebes, sieht man am Vergleich der Städtischen Rehakliniken von Aulendorf und Bad Waldsee. In Aulendorf hatte man mit der Onkologie und der Psychosomatik „Zukunftsindikationen“ im Portfolio und trotzdem erlitt man Schiffbruch. Bad Waldsee dagegen hatte sein Klinikschiff durch alle Fährnisse und Stürme sicher hindurchgelotst. An Bord: Käpt’n Blank, der mit ruhiger Hand, vorsichtig und umsichtig, steuerte.

Man sieht, ein unter kommunaler Flagge fahrendes Schiff muss nicht den Pleitegeier im Schlepptau haben.

Man sieht auch: Gutes Klinikmanagement kann aus roten Zahlen schwarze machen; die neuen Betreiber in Aulendorf (Waldburg-Zeil und ZfP) haben es vorgemacht.

Zurück zum Problem der Notaufnahme. Soll es künftig nur noch zwei im Kreis geben? Oder gar nur noch eine? Eine einzige für 280.000 Einwohner? Jeder Ablauforganisator, jeder Prozessoptimierer schlägt da die Hände über dem Kopf zusammen.

Bad Waldseer, kämpft für eine 24-Stunden-Notaufnahme! Der Norden des Landkreises braucht eine eigene Anlaufstation.

Und denkt über die Kommunalisierung nach. Wenn das Bad Waldseer Krankenhaus so marode ist, wie behauptet, dann kriegt man es vielleicht für nen Appel und ein Ei.
Kommentar: Gerhard Reischmann

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