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Der Bad Waldseer Feuerwehrkommandant Alois Burkhardt erhielt am vergangenen Samstag (7. Mai) die Bürgermedaille aus der Hand von OB Henne. Im Interview mit der Bildschirmzeitung gab er bereitwillig Auskunft, wie ihn die Feuerwehr-Berufung – es ist mehr als ein Beruf – geprägt hat und wie er dazu gekommen ist, diesen Weg einzuschlagen.

DBSZ: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Ehrung erfuhren?
Alois Burkhardt: Was, ich soll die Bürgermedaille bekommen? Ich höre doch noch gar nicht auf! Das war das Eine. Auf der anderen Seite macht es auch stolz, dass man für seine Tätigkeit so geehrt wird. Dann war die Freude da.

DBSZ: Was hatte Sie einst dazu bewegt, zur Feuerwehr zu gehen?
Burkhardt: Mein Vater war schon bei der Feuerwehr und meine Brüder auch. Die Feuerwehr hat mich schon immer begeistert. Einmal die Technik. So als junger Kerl stand nicht das Helfen im Vordergrund, sondern die verschiedensten technischen Geräte bei der Feuerwehr, die LKW und die anderen Fahrzeuge. Und dann die Kameradschaft und der Freundeskreis, der dabei war. So ist man hineingewachsen in die Aufgaben der Feuerwehr. Angefangen habe ich bei der Feuerwehr in Ravensburg. Ich bin ja in Weißenau aufgewachsen und seit 1983 dabei. Januar 1999 kam ich nach Bad Waldsee zur Feuerwehr.

DBSZ: 1999 – da haben Sie nach Bad Waldsee geheiratet.
Burkhardt: Ja, ich kam der Liebe wegen her. Ich möchte hier noch einen großen Dank sagen an meine Frau Ursula. Sie hält mir den Rücken frei, sie unterstützt mich nach Kräften. Es ist sicherlich nicht immer ganz einfach, die Frau eines Feuerwehrmannes zu sein. Da muss man immer wieder mal zurückstehen.

DBSZ: Wie war Ihr Weg zum Feuerwehrkommandanten und zum hauptamtlichen Stadthauptfeuerwehrinspektor?
Burkhardt: In Ravensburg durchlief ich die Grundausbildungen wie jeder Feuerwehrangehörige. Ich übernahm dann auch Verantwortung und absolvierte den Gruppenführerlehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. In Ravensburg-Eschach war ich zuständig für die Atemschutzgeräteträgerausbildung. Ich absolvierte dann den Ausbilderlehrgang für Atemschutzgeräteträger. Daraufhin habe ich an der Atemschutzübungsanlage in Weingarten eine hohe Anzahl von Feuerwehrangehörige kreisweit als Atemschutzgeräteträger ausgebildet.

DBSZ: Was war der schlimmste Einsatz, den Sie je hatten?
Burkhardt: Den schlimmsten gibt es nicht. Schlimm sind immer die Einsätze, bei denen Kinder betroffen sind und bei denen Menschen zu Schaden oder ums Leben kommen.

DBSZ: Wie gehen Sie mit den Belastungen um, die Ihre Aufgabe mit sich bringt?
Burkhardt: Man verarbeitet die Vorkommnisse nicht immer gleich. Man kann auch nicht sagen, es macht mir nichts. Es gibt Tage und Ereignisse, wo man dann auch mal zurückstehen muss und einen anderen bittet, die Einsatzleitung zu übernehmen. Das ist auch gut so, dass das funktioniert. Denn wir sind keine Maschinen.

Ich verarbeite die Einsätze mit den Kameraden im Gespräch. Das ist für mich ganz wichtig. Dann ist für mich auch die christliche Nächstenliebe wichtig. Für das Ereignis können wir nichts. Aber helfen, den Schaden und den Schmerzen lindern, das ist wichtig für mich.

Wir haben auch Notfallseelsorger bei der Feuerwehr im Landkreis Ravensburg, sowohl Männer als auch Frauen, die eine spezielle Ausbildung haben. Die Notfallseelsorger werden bei speziellen Ereignissen von uns auch alarmiert und können schon während des Einsatzes und auch nach dem Einsatz Gespräche mit den Feuerwehrleuten führen.

Nach einem Einsatz, manchmal schon bevor wir alles aufräumen, sprechen wir über das Ereignis. Gerade bei tödlichen Unfällen nehmen wir die Einsatzkräfte von der Bergung relativ schnell heraus und sprechen mit Ihnen über das Vorgefallene.

Solche Einsätze werden dann schon ein oder zwei Stunden im Saal oder während der Corona-Auflagen in der Fahrzeughalle bei offenen Türen besprochen. Sollte dann noch Bedarf sein, gibt es auch Einzelgespräche oder auch professionelle Hilfe.

DBSZ: Welche Ziele haben Sie noch als Kommandant der Waldseer Wehr?
Burkhardt: Ich möchte die Einsatzbereitschaft der Waldseer Feuerwehr auf hohen Niveau aufrecht erhalten, indem wir weitere engagierte Personen gewinnen können, jung oder alt, auch Quereinsteiger, damit die 365/24-Einsatzbereitschaft der Feuerwehr funktioniert.

Das ist nicht immer ganz einfach. Denn die Feuerwehrmänner und- frauen, die müssen auch ihren Arbeitsplatz in Bad Waldsee haben. Es bringt der Feuerwehr in Bad Waldsee wenig, wenn die Einsatzkräfte ihren Arbeitsplatz zum Beispiel in Ravensburg oder Biberach haben.

DBSZ: 365/24-Einsatzbereitschaft – das meint: Einsatzbereitschaft für die Wehr an 365 Tagen rund um die Uhr, Tag und Nacht, Tag für Tag, ununterbrochen.
Burkhardt: Ja genau. Wir Feuerwehrleute haben halt unseren Jargon.

DBSZ: Was macht Ihnen persönlich besonders viel Freude?
Burkhardt: Das Miteinander von Jung und Alt. Dass man nach einem Einsatz oder einer Übung zusammen an einem Tisch sitzt und alle Probleme hört, von der Ausbildung bis zum Rentenalter querbeet alle Themen. Praktisch ein Querschnitt durch die ganze Stadt. Das bereichert.

DBSZ: Womit kann man Sie am besten auf die Palme bringen?
Burkhardt: Wenn man etwas verspricht und nicht einhält.

DBSZ: Haben Sie außer der Feuerwehr noch andere Hobbys?
Burkhardt: Skilaufen, früher auch segeln, Zeit mit der Familie. Mein Nebenerwerbs-Bauernhof könnte man auch als Hobby bezeichnen.

DBSZ: Zum Abschluss was zum Schmunzeln: Was war der lustigste oder komischste Einsatz den Sie hatten?
Burkhardt: Nach einigem Zögern: der Lustigste? Es kommen schon manchmal komische Dinge vor. Dass einer in der Eile verkehrt in die Hose einsteigt vielleicht.

Das Interview führte Erwin Linder

 

Das Bild oben zeigt Alois Burkhardt bei seiner Ehrung durch Oberbürgermeister Matthias Henne am 7. Mai.                                                                Foto: Linder

 12Burkhardt TeamKommandant Burkhardt ist ein Mannschaftsspieler. Hier sieht man ihn bei der Ehrung von Nachwuchskräften (7. Mai 2022).                                       Foto: Linder

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