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Bad Waldsee - Endlich wieder ein Stück gelebter Tradition in Bad Waldsee! Nach corona-bedingter Pause konnten die Jungelfer am Samstagabend einen wunderbar geschmückten Maibaum auf der neu gestalteten Hochstatt aufrichten. Petrus hatte ein Einsehen mit seinen Waldseern. Kurz vor 18.00 Uhr lockerten die Regenwolken auf, die Sonne blinzelte hindurch und so konnte einem fröhlichen Abend nichts mehr im Wege stehen.

Da lag er nun. So um die dreißig Meter lang. Umwunden mit seiner grünen Tannengirlande. Gekrönt von einem bunt geschmückten Wipfel. Umringt von gut gelaunten Jungelfern. Bad Waldsees Maibaum harrte vor dem Wurzacher Tor auf den traditionsgemäßen Weitertransport mit dem Pferdegespann.

Behäbig trotteten die beiden schweren Pferde durch das Wurzacher Tor. Stellten sich vor den Baum. „Der muss weiter z’ruck“. Der Platz vor der Deichsel reichte nicht, um anzuspannen. „Wer hot denn den Knota gmacht“, stöhnte einer der „Zimmermänner“. Der musste auf, damit alle zusammen mit einem mächtigen Ruck den langen Stamm um einen halben Meter zurückwuchteten. Jetzt konnten die Pferde angeschirrt werden.

Mittlerweile war auch der Fanfarenzug vollständig angetreten und kurz nach sechs setzte sich der Zug unter den geschmetterten Klängen der Fanfaren in Bewegung. Zwei schwierige Kurven musste das Pferdegespann noch meistern, dann war man auf der Hochstatt angelangt.

Barny Bitterwolf in seiner Kluft als oberschwäbischer Barde und mit seinem unnachahmlichen Entertainertalent begrüßte den Baum und heizte den rund um den Platz verteilten Zuschauern kräftig ein. Den Maibaumstellern galt sein scherzhaftes Kommando: „Händ us’m Sack und naglanget.“ Nicht jeder der „Zimmerleute“ aus dem Jungelferrat hat einen handwerklichen Background, aber die Masse der starken Männer brachte den Baum sicher vom Fuhrwerk in die Aufrichteposition auf ebener Erde.

 

Neue Maibaum-Halterung
Im Zuge der Hochstattumgestaltung wurde auch die Baumaufnahme im Pflaster neu eingerichtet und konnte erstmals die Probe aufs Exempel bestehen. Bald umschlossen kräftige Manschetten mit doppelt gesichertem Schrauben den Fuß des Baumes und das Aufrichten konnte beginnen.

Die charmante Bürgermeisterin Ludy, wie meist in leuchtendem Rot gekleidet, überbrachte die Grußworte des OB, der schon einen anderen Termin wahrnehmen musste. In ihrer kurzen Ansprache ging sie auf die zwei corona-bedingten Ausfalljahre ein, in denen wir alle auf Veranstaltungen jeder Art verzichten mussten. Umso wichtiger und schöner sei es jetzt, dass wir wieder alle zusammen feiern könnten. Sie wünschte allen viel Glück und lud auf das Bürgerfest zur Erhebung zur Großen Kreisstadt im Juli ein.

Mit viel „lond it luck“ von Barny Bitterwolf hob sich der Baum Stück für Stück von der Horizontale in die Vertikale. Es ist immer wieder spannend zuzuschauen, wie die Stangen am Baum angesetzt werden, wie die starken Kerle ihre Muskeln anspannen. Wie auf ein Kommando alle zusammen heben, drücken, schieben und wie sich die Krone dann wieder ein, zwei Meter hebt. Bis der Baum schließlich stolz seinen Wipfel in den Himmel reckt.

Das letzte Wort hatten die Waldseer Handwerker: Malermeister Hepp, Bäckermeister Herrmann mit Nachwuchs, für die Schreiner Frau Bucher, Herr Kranz für die Landwirte, Herr Arzenbacher für die Zimmmerleute und Armin Sauter als Brauer.

Zum Schluss spielte Barny Bitterwolf noch auf der Quetsche zum Tanz – aber dazu wollte sich das zahlreiche Publikum nicht recht bewegen lassen.

Text und Bilder: Erwin Linder

 

 

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