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BAD WALDSEE - Die Bürgerinitiative und die Rathausspitze hatten für Mittwochabend zu einer Demonstration für den Erhalt des Waldseer Krankenhauses aufgerufen. Mehr als 1000 Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Die Redner appellierten an den Kreistag: Das Krankenhaus darf nicht sterben!

Bad Waldsee am Mittwochabend. Zwischen sechs und halb sieben. Langsam füllt sich der Platz vor dem altehrwürdigen Rathaus. Einzeln und in Grüppchen treffen die Demonstranten ein. Waldseer Bürger, aber auch viele aus umliegenden Orten, eine Abordnung der Franziskanerinnen von Reute unter Führung ihrer Oberin, alle mit dem Handzettel „Unser Herz schlägt für unser Krankenhaus“. OB Henne und Bürgermeisterin Ludy mischen sich unter die Demonstranten. Schütteln Hände. Auch von den Vertretern der umliegenden Gemeinden. Einzelne Plakate werden in die Luft gereckt. Die Macher der Bürgerinitiative sind zu sehen. Die Führungsriege der Waldseer Reha-Kliniken zeigt ebenfalls Flagge. Liefert das Waldseer Krankenhaus doch einen guten Teil der Reha-Patienten an die Kliniken.

Die Stimmung ist aufgeräumt. Freundlich. Fast könnte man meinen, es geht zu einem Frühlingsfest an einem lauen Mittwochabend. Und dazu spielt die Stadtkapelle.

 

"Wir akzeptieren keine Hinterzimmerpolitik"

Mit der Gemütlichkeit ist es schnell vorbei. Mit markigen Worten reißt der Moderator Bernhard Bitterwolf die Menge aus ihrer Wohlfühlblase „Wir akzeptieren keine Hinterzimmerpolitik, kein Hinterzimmergemauschel. Deshalb heißt es für uns heute: Zusammen gehen wir hinaus und kämpfen für das Krankenhaus.“

Der eingängige Schlachtruf wurde von den Demonstranten lautstark und mit viel Beifall aufgenommen und schnell formierte sich ein langer Zug, angeführt von der Stadtkapelle, entlang des Uferwegs hinaus auf die Wiese vor dem Krankenhaus, wo sich die Menge zur eigentlichen Kundgebung versammelte.

 

Ob Henne: Hände weg von Krankenhaus!

„Das Waldseer Krankenhaus ist ein Erfolgsmodell“, sagte Matthias Henne. Ohne das Krankenhaus sei eine Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet. In seiner sehr kämpferischen Ansprache machte der OB an vielen Beispielen deutlich, wie notwendig das Krankenhaus in Bad Waldsee gebraucht wird. „Wenn ein Kind auf dem Skaterplatz stürzt und mit einer blutenden Winde daliegt, soll die Mutter es denn selbst versorgen?“, fragte er und betonte: „Wir kämpfen seit Jahren für die Zukunft unseres Krankenhauses, für die Mitarbeitenden und für eine funktionierende und nachhaltige Patientenversorgung.“

Massive Kritik übte der OB an der Kommunikation mit den Entscheidungsträgern, dem Landrat, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der OSK. „Wenn man dann erfährt, dass im Aufsichtsrat hinter geschlossenen Türen Posten vergeben und Tatsachen geschaffen werden“, dann sei dies kein respektvoller Umgang miteinander. Von der Politik forderte er jetzt ein Umdenken und eine Unterstützung des Waldseer Krankenhauses. „In diesem Haus wurde gutes Geld verdient“, aber damit seien anderswo Löcher gestopft worden. „Unser Haus hat Zukunft, und das jetzt erst recht.“

 

Raimund Haser: Die OSK ist ein Verbund in drei Standorten

„Ich bin kein Gesundheitspolitiker, aber ich kann rechnen“, sagte der Landtagsabgeordnete Raimund Haser, der auch Mitglied des Ravensburger Kreistages ist. Und führte aus, dass ein Standort, der mal 500.000 Plus oder Minus mache, bei einer Schließung keinen Einfluss auf das 20 Millionen Defizit des gesamten Konglomerates OSK habe. Und das vorliegende Gutachten, das er bislang gelesen habe, würde dafür ebenfalls keine Antwort liefern. Weiter betonte er: Der Verbund aller drei Standorte mache die OSK aus. Und jeder Standort trage  einen wichtigen Teil bei. Jetzt sei der Kreistag mehr denn je gefordert.

 

Grüne: Fehlanzeige

Beobachter monierten das Fehlen von Petra Krebs, der direkt gewählten Landtagsabgeordneten des Wahlkreises. Wenn es darum gehe, Wohltaten zu verkünden, bekomme man Haser und Krebs nur im Doppelpack zu sehen. Am Mittwoch aber habe die Abgeordnete der Grünen durch Abwesenheit geglänzt.

 

Thomas Bertele: "Das Waldseer Krankenhaus ist ein Fels in der medizinischen Brandung“

Für die Bürgerinitiative um den Erhalt des Waldseer Krankenhauses richtete Thomas Bertele einen flammenden Appell an die Verantwortlichen. „Zwei Weltkriege hat dieses Haus überdauert. Tausenden von Kindern auf die Welt geholfen. Unzähligen Menschen einen würdigen Abschied ermöglicht. Dieses Haus birgt unendliche Chancen, wenn nur der politische Wille vorhanden ist“.

 

Rudolf Bindig: Der Kreistag hat es in der Hand

Völlig ohne Manuskript kam der Doyen der oberschwäbischen Sozialdemokratie ans Mikrophon und brachte mit wenigen, aber markanten Sätzen die Gesundheitspolitik auf den Punkt: Der Landkreis Ravensburg habe schon genug für den Strukturwandel im Gesundheitswesen geleistet, sagte Rudolf Bindig. „Von sieben Kliniken sind noch drei übrig.“ Und damit solle es auch gut sein! „Das letzte Wort hat der Kreistag. Deshalb: Sprechen Sie mit Ihren Kreistagsabgeordneten.“

Bericht und Fotos: Erwin Linder

 

 

 

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