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Bad Waldsee (Kommentar) - Der alte Arzt hatte Kuba bereist, lange bevor es hip war. Dr. R. aus Leutkirch wusste Aufschlussreiches aus dem abgeschotteten Reiche Fidel Castros zu berichten: Die Apotheken seien mager ausgestattet gewesen, ganz anders als in der boomenden BRD der 1990er. Aber die Basismedikamente seien vorhanden gewesen. Wie überhaupt im sozialistischen Inselstaat die medizinische Grundversorgung in ausreichendem Maße gegeben gewesen sei. Flächendeckend habe es kleine Krankenhäuser gegeben und auch auf dem flachen Land habe man ohne Mühe einen Arzt aufsuchen können.

Das hatte sich auch in den statistischen Daten zur Volksgesundheit niedergeschlagen. Kuba hatte in den 1990er-Jahren (wie heute auch) eine deutlich höhere Lebenserwartung als die anderen Staaten in Mittelamerika.

 

Im Königreich Württemberg hatte jedes der drei im Verbreitungsgebiet der Bildschirmzeitung damals vorhandenen Oberämter – Wangen, Leutkirch, Waldsee – ein eigenes Krankenhaus. Das heutige Bad Waldseer Krankenhaus wurde 1907 gebaut (zuvor hatte es ein Krankenhaus auf dem Frauenberg gegeben). Daneben gab es auch noch Krankenhäuser in Aulendorf, Wurzach und Isny. „Schwierige Fälle“ wurden in der Universitätsklinik Tübingen behandelt.

Und heute?
Im wohlhabenden Deutschland des Jahres 2022 ist eine flächendeckende Grundversorgung anscheinend nicht mehr organisierbar. Leutkirch wurde 2013, Isny bald darauf geschlossen. Jetzt steht Bad Waldsee zur Disposition.

 

Das Wimbledon-Finale 1979 ist dem Schreiber dieser Zeilen unvergessen. Es war am 7. Juli, einem Samstagnachmittag. Roscoe Tanner, der Außenseiter, hatte Björn Borg, den Titelverteidiger, am Rande einer Niederlage. Doch gesehen hat der Schreiber dieses Kommentars nahezu nichts vom Tenniskrimi. Der Nachbar kam mit blutender Hand herübergestürzt: „Kasch me ins Krankahaus fahre? I hon me neigsäget.“ Die elf Kilometer nach Leutkirch waren rasch zurückgelegt und der Fahrer verbrachte seinen Wimbledon-Nachmittag im Wartezimmer.

Ein Tag im März 1988. Es geht auf Mitternacht zu. Die Nacht hat sich in des Schreibers Gedächtnis eingebrannt. Bei der schwangeren Gattin platzte die Fruchtblase und man fuhr ins nahe Bad Waldsee. Mitten in der Nacht klingelten die werdenden Eltern am Krankenhaus.

Und heute?
Heute gibt es im EK in Ravensburg eine völlig überlastete Notaufnahme. Und ständig Blaulicht auf der Straße. Und Sturzgeburten im Auto.

Jeder Landkreis doktert an seiner Zentralklinik herum. Oft werden sie zu Hightech-Häusern allerhöchsten Niveaus aufgerüstet.

Solche Häuser braucht es zweifelsohne.

Aber nicht in jedem der 35 Landkreise in Baden-Württemberg. Ein Top-Haus pro Region – das wären zwölf – das reicht. Und daneben flächendeckend Häuser der Grundversorgung.

Wie in Kuba.

Rettet das Bad Waldseer Krankenhaus!

 

Kommentar: Gerhard Reischmann

 

 

 

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