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Bad Waldsee - Am Montagabend richteten alle Veranstaltungstechniker, bundesweit, einen flammenden Appell an die Bundesregierung. Um die Forderungen bildlich darzustellen, leuchteten insgesamt rund 7.500 Bauwerke in ganz Deutschland rot. Johannes Knoll und sein Team von der gleichnamigen Haisterkircher Firma, setzte diesen Akzent in Bad Waldsee.

 

 

Der Platz vor dem Rathaus war gegen 21 Uhr gut gefüllt und das Interesse der zahlreichen Gäste an dem Szenario war groß. Viele Besucher trugen ihre Fragen an die Techniker heran und in den Gesprächen zeigte sich mehr und mehr das Verlangen, wieder Kultur genießen zu dürfen. Ein Passant brachte es auf den Punkt: „Immer nur RTL und Radio geht einfach nicht, wir vermissen die Konzerte schon sehr“. Die besondere Atmosphäre, den unmittelbaren Kontakt zu den Künstlern, all das ist seit März nicht mehr vorhanden.

 

Die Veranstaltungswirtschaft insgesamt ist einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft und zählt über 1 Million Beschäftigte. Es wird ein jährlicher Kernumsatz von mehr als 10,0 Mrd. Euro erwirtschaftet. Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als dreihunderttausend Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als 3 Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von über 200 Mrd. Euro.

 

Normalerweise stattet Johannes Knoll Festivals mit technischen Raffinessen aus. Nicht so in diesem Jahr. Mit einem kleinen Team wurden in Bad Waldsee nun rote „Mahnmale“ gesetzt. Dabei war eine gehörige Portion Flexibilität gefordert, denn die Rathausfront wurde pünktlich am Montag noch eingerüstet. Mit einem rot beleuchteten Kornhaus und roten Spots am Wurzacher Tor schufen die Techniker dennoch eine eindrucksvolle Stimmung in der Kurstadt.

 

 

Es bleibt nun zu hoffen, dass der Appell der übergreifenden Interessen- und Arbeitsgemeinschaft, in Berlin von den verantwortlichen Politikern gehört wird. Kredite sind nicht die Lösung, wie Knoll berichtete, sie würden zu einer Überschuldung führen, die der Branche mehr Schaden bringe, als dass sie eine tatsächliche Hilfe darstelle. Und Hilfe brauchen die zahllosen, zumeist Soloselbstständen, ganz dringend, denn sonst könnte ein ganzer Berufszweig langsam und stetig verschwinden und die breite Kulturszene gleich mit.

 

Bericht Christine Hofer-Runst
Bilder Markus Leser

 

 

 
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