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Bad Waldsee - Zum großen Bedauern des Museums- und Heimatvereins Bad Waldsee e.V. haben die aktuellen Verordnungen im Zuge der Corona-Pandemie zur Folge, dass das Museum im Kornhaus bis auf Weiteres nicht geöffnet werden kann.

In dem historischen Gebäude lassen sich die entsprechenden Auflagen leider nicht umsetzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Tätigkeit des Vereins ruht. Intern wird aktuell geprüft, inwieweit die Exponate des Museums in einer geänderten, moderneren Form präsentiert werden können. Und manchmal gibt es auch einen Anstoss von außen. So wurde dem Verein zum Anfang des Jahres von privater Seite ein Ölgemälde des Waldseer Malers Alois „Louis“ Lang (1812-1893) zum Kauf angeboten.

Die zweite Vorsitzende des Vereins, Diplom-Restauratorin Brigitte Hecht-Lang, erkannte die Bedeutung des Bildes für das Museum, so dass zusammen mit dem Vorsitzenden Ernst Langer diese Chance zum Erwerb genutzt wurde. Das Gemälde, die Ankleidung einer jungen, vornehmen Frau vor einem Fenster mit Blick auf den Teil einer Häuserfassade des Canal Grande in Venedig, ist datiert und signiert mit „L. Lang, Rom 1845“. Dieses Bild ist für das Museum im Kornhaus besonders wertvoll, da in seinem Bestand sich mir der „Einkleidung einer Nonne“ seit Jahren ein vergleichbares Gemälde befindet, ebenfalls datiert und signiert mit „L. Lang, Rom 1845“.

Beide Bilder haben identische Größenmaße (Höhe: 74 cm / Breite: 94 cm) und zeigen zwei sich sehr ähnliche junge Frauen, vermutlich dasselbe Modell des Malers. Vergleichbar sind auch die Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlichen neobarocken Zierrahmen. Der Museums- und Heimatverein geht davon aus, dass es sich hierbei um ursprünglich zusammengehörige Werke des Malers Alois Lang handelt, was den Erwerb als besonders glücklich erscheinen lässt.

Langs Genreszenen trafen den Geschmack seiner Zeit, zudem sind sie gekonnt gemalt, auch ein damaliger Berichterstatter meint: „Er ist Meister der Form und Farbe und in der Behandlung des Lichts“. Bemerkenswert ist ebenfalls Louis Langs Raffinesse in der Wiedergabe von Stoffen und Schmuck. Vereinsmitglied Klaus Neher fand in Berichten alter Zeitschriften, dass diese beiden Bilder Ende des Jahres 1845 in Rom in einer (Verkaufs-) Gemäldeausstellung in der Porta del Popolo hingen, in der jeder Maler nur zwei Werke präsentieren durfte.

Die Ausstellung wurde für Zar Nikolaus I. von Russland veranstaltet, der zu dieser Zeit wohl bereits in Italien weilte, da sich seine Tochter Olga am 18. Januar 1846 in Palermo mit Kronprinz Karl von Württemberg verlobte. Der Zar besuchte die Ausstellung am 16.12.1845. Darauf bezieht sich P. Osten (im „Kunstblatt“ vom 22.01.1846): „Dann führe ich jene schöne „venetianische Braut“ von Lang heim, welche sich so festlich nur für einen Kaiser schmücken kann und jene Braut des Himmels, die vor dem Bischof kniet, um sich dem Herrn antrauen zu lassen; diese würde ich vor dem Kloster in meine Prunkgemächer und ihre schönen Haare vor der Schere der Äbtissin retten….“

Einige Monate später werden die beiden Darstellungen als „weltliche Braut“ und „klösterliche Braut“ bezeichnet. Der Maler Alois Lang wurde am 29.02.1812 in Waldsee geboren. Sein Vater, Joseph Anton Lang, war Maler wie auch sein jüngerer Bruder Johann Nepomuk Lang, der zeitlebens in Waldsee blieb und als Zeichenlehrer arbeitete. Alois dagegen wanderte 1838 nach Nordamerika aus, nannte sich dort selbst „Louis“, machte Karriere als gefragter Maler und ließ sich endgültig in New York nieder.

Er kehrte wiederholt nach Europa zurück, wo er mehrere Jahre hauptsächlich in Rom verbrachte. So auch 1841, als er nach einem kurzen Heimatbesuch in Waldsee bis Anfang 1846 in Rom blieb, dort in der deutschen Künstlerkolonie aktiv und ein Gründungsmitglied des Deutschen Kunstvereins war. Erneute Romaufenthalte folgten 1847 - 49 und 1872 - 79. Louis Lang, der seiner Heimatstadt Waldsee stets verbunden blieb und sie auch in seinem Testament großzügig bedachte, starb in New York am 6. Mai 1893.

Der Museums- und Heimatverein Bad Waldsee e.V. ist stolz mit dem Erwerb dieses Gemäldes einen heimischen Künstler aus vergangener Zeit ehren zu können. Nun hängen beide Bilder, quasi nach Waldsee heimgekehrt, wieder vereint nebeneinander im Museum im Kornhaus und warten darauf baldmöglichst von interessierten Besuchern betrachtet werden zu können.

 

Pressemitteilung Museums- und Heimatverein Bad Waldsee e.V.

 

17Einkleidung zur Nonne

Bild: Einkleidung einer jungen Frau zur Nonne (Abbildung von B. Hecht-Lang)

 

 

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