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Bad Waldsee - +++ Ausschuss für Umwelt und Technik: Nationale Projekte des Städtebaus „Altstadt für Alle“ - Barrierefreie Altstadt - Musterflächen Mobilitätsband +++

Jörg Sigmund vom Planungsbüro Freiraum Planung erörterte im Gremium nochmals die ausgebrachten Musterflächen, die derzeit in der Ravensburger Straße zu begehen sind. Es handelt sich dabei um einen konventionellen Asphaltaufbau, dessen Besonderheit in der farbigen Deckschicht liegt. Ziel sei es gewesen, einen fließenden Belag zu schaffen, der sich durch die Altstadt zieht, der barrierefrei und fugenlos sein sollte. Sigmund informierte den Ausschuss darüber, dass keine Stellen gefunden wurden, die zu steil für die benötigten Walzen sind, somit sei ein automatischer Einbau überall problemlos möglich. Lediglich an diversen Anschlussstellen müsse der Asphalt von Hand eingebaut werden. Seinen Ausführungen zufolge sei der Belag nicht grenzenlos UV-beständig, was zu Aufhellungen führen könnte, zudem könnten bei heißen Außentemperaturen sogenannte Verdrückungen entstehen.

Die Kontrastwerte des, von der Verwaltung empfohlenen Farbtons, wurden durch ein Nürnberger Institut geprüft. Grundsätzlich müssen seheingeschränkte Passanten den Unterschied der verschiedenen Bodenbeläge wahrnehmen können. Obwohl bei dieser Farbgestaltung die DIN-Vorschriften nicht zu 100 % eingehalten werden konnten, galt es, das Gesamtkonzept der Altstadtharmonie zu bewahren. Bei der Oberflächenbehandlung empfahl die Verwaltung das sogenannte Grinding, ein Finish, das für eine raue Griffigkeit sorge und das dem Thema der Altstadt nahekommt.

In der anschließenden Diskussion stellten sich bei den Ausschussmitgliedern mehrere Kernfragen. Die Frage nach der Haltbarkeit des Belages, die Zuverlässigkeit des Einbaus und das Vorhalten eventuell benötigter Reparaturmischungen sowie die Argumente gegen großformatige Betonplatten.

Laut Baubetriebshofleiter Wolfgang Wespel habe Asphalt eine durchschnittliche Haltbarkeit von 10 Jahren. Dieser Zeitraum hängt entscheidend von der Einbauqualität und der Belastung ab. Die eingebauten Modellstreifen stammen von einer Firma in Dettingen, die im Bedarfsfall den gleichen Farbton, auch in Kleinstmengen, reproduzieren könne. Laut Stadtbaumeisterin Andrea Denzel müsse man in der Altstadt immer mit Ausbesserungen rechnen. Weitere Hausanschlüsse werden auch künftig durchgeführt werden müssen, was eine Öffnung des Straßenbelages erforderlich mache. Großformatige Betonplatten seien, laut Jörg Sigmund, für das Mobilitätsband nicht geeignet. In den geplanten Rundungen käme es zu einem relativ hohen Fugenanteil, der die Barrierefreiheit deutlich einschränke und damit die eigentlichen Vorteile außer Kraft setzen würden.

Für Sonja Wild, Fraktionsvorsitzende der CDU, waren die Kontraste nicht ausgeprägt genug. Sie äußerte Bedenken, ob seheingeschränkte Passanten das Mobilitätsband wahrnehmen können. Ein Thema, dass Marc Hinder (FW) ebenfalls aufgriff und bemängelte, dass es keine Begehung mit der Sehbehindertenbeauftragten des Landkreises gegeben habe. Andrea Denzel bedauerte diesen Umstand ausdrücklich, versicherte aber, dass es, seitens der Verwaltung, mindestens zehn Versuche gegeben habe, einen Termin zu vereinbaren. Alternativ dazu habe man die Materialien labortechnisch prüfen lassen und die ausgewiesenen Kontrastwerte als Richtlinien bewertet.

Die Begehungen mit Vertretern des Stadtseniorenrates, mit dem Kreisbehindertenbeauftragten Herrn Malcher und mehrere Bürgern mit Mobilitätseinschränkungen ergaben durchweg positive Resonanzen. Was ursprünglich als Kenntnisnahme in der Tagesordnung publiziert wurde, konnte Bürgermeister Matthias Henne, in einen verbindlichen Beschluss umsetzen. Die Abstimmung für einen hellen Farbasphalt mit dunkler Einfassung und Grindingoberfläche stimmte der Ausschuss, bei vier Enthaltungen, zu.

 

Bericht Christine Hofer-Runst

 

15aut 02

Bild: Der hellere Belag (im Bild hinten) wird für den Mobilitätsstreifen in der Altstadt verwendet. (Foto: Brigitte Göppel)

 

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