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Bad Waldsee - Trotz der Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix, Amazon Video und Co., bei denen jederzeit auf Abruf tausende Filme zur Verfügung stehen, erfahren Auto-Kinos in der Corona-Krise ein ungeahntes Comeback. Das Relikt aus den 1950er und 60er-Jahren dürfte zwar vielen Besuchern bisher nur aus US-amerikanischen Filmen bekannt sein und trotzdem stößt es auch in Bad Waldsee auf große Begeisterung. Am Mittwochabend fand die erste von sieben Vorstellungen im Auto-Kino Bad Waldsee statt – der Film „Die Känguru-Chroniken“ machte den Auftakt und das Gelände war bis auf den letzten (Park)-Platz ausverkauft.

Die Kulisse für das Auto-Kino am Erwin-Hymer-Museum scheint perfekt zu sein. Die zwölf Meter breite und sechs Meter hohe, aufblasbare Leinwand steht erhöht über dem Parkplatz – optimale Bedingungen für ein Auto-Kino wie Markus Leser, Aufsichtsrat des seenemas und einer der Hauptorganisatoren berichtet. 80 Autos haben auf dem Gelände Platz und die Sicht sei von allen Plätze aus gut, dafür sorgen auch die ehrenamtlich Einweiser, die darauf achten, dass hohe SUVs und Vans im hinteren Teil des Geländes platziert werden. Der Ton wird über eine Radiofrequenz in die Autos der Besucher gesendet. Sollte es nach der Vorstellung Probleme mit der Autobatterie geben, stehen die Helfer zum Fremdstart bereit.

Um den Corona-Beschränkungen gerecht zu werden, dürfen die Besucher ihre Autos, wenn sie sich dann auf dem Gelände befinden, nur für den Toilettengang verlassen. Die Helfer am Einlass und auf dem Gelände tragen Mundschutz und der Einlass findet komplett kontaktlos statt. Die im Vorverkauf erworbenen Tickets werden durch die Seitenscheibe des Pkw gescannt und die Snackpakete, die für einen Aufpreis von acht Euro bestellt werden konnten, stehen auf einem Tisch bereit und werden von den Besuchern wie an einem Drive-In-Schalter durch das Autofenster abgeholt.

Pünktlich um 21:30 Uhr startete dann der Film „Die Känguru-Chroniken“. Zufall sei es nicht, berichtet Markus Leser, dass dieser Film auch in den meisten anderen Auto-Kinos der Republik gezeigt werde. Der Film kam nämlich knapp eine Woche vor der Corona-bedingten Zwangsschließung in die Kinos und war in den ersten Tagen äußerst erfolgreich und wurde daher schnell zu einem der Auto-Kino-Klassiker während der Corona-Krise. Und auch die anderen Filme, die in den kommenden Tagen gezeigt werden sind aktuell und mit Bedacht ausgewählt: „Für uns war klar, dass wir in dieser schwierigen Zeit Filme zeigen wollen, die Spaß bringen und eine positive Stimmung verbreiten. Zombie- und Horrorfilme wären in der aktuellen Situation nicht optimal.“, erklärt Leser.

Der Publikumsliebling ist die Filmkomödie „Das perfekte Geheimnis“ mit bekannten deutschen Schauspielern wie Elyas M’Barek, Florian David Fitz oder auch Jessica Schwarz. Beide Vorstellungen des Films sind bereits ausverkauft. Ebenfalls ausverkauft ist die Vorstellung des biografischen Filmdramas „Bohemian Rhapsody“ über den legendären Queen-Sänger Freddie Mercury. Ein besonderes Highlight wird die Vorstellung des Films „Master Cheng“ am Sonntagabend. Dieser Film wird nämlich vor dem Bundesstart in einer exklusiven Preview im Auto-Kino Bad Waldsee zum aller ersten Mal in Deutschland gezeigt. Für diese Vorstellung gibt es noch einige Restkarten. Dass im Internet bislang nur englische Trailer mit deutschem Untertitel zu finden seien, ergänzt Leser, solle die Besucher nicht abschrecken. Der Film werde nämlich in der deutschen Synchronfassung gezeigt – nur die Trailer gebe es noch nicht in der deutschen Version. Und auch für die Filme „Fisherman’s Friend“ und „25 km/h“ gibt es noch Karten – allerdings nur im Vorverkauf. Für alle Filme gilt: kein Abendkassenverkauf. Zum Kartenvorverkauf.

 

Auto-Kino als Ergebnis aus erfolgreicher Kooperation

Dass das Auto-Kino-Event in Bad Waldsee überhaupt realisiert werden konnte, sei nur dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen seenema, Erwin Hymer Museum und der Stadt Bad Waldsee möglich gewesen, sind sich Markus Leser (seenema), Marc Fischer (Veranstaltungsorganisation Stadt Bad Waldsee) und Walter Gschwind (Fachbereichsleiter Wirtschafts- und Kulturraum Stadt Bad Waldsee) im Interview einig. Eine Zusammenarbeit, die äußerst angenehm gewesen sei und allen Beteiligten Spaß bereitete, erklärt Marc Fischer.

So stamme die ursprüngliche Idee zwar vom seenema, dieses hatte den Plan Auto-Kino aber aufgrund des hohen finanziellen Risikos verworfen. Als dann der Anruf der Stadt kam, die ihre Unterstützung mit finanziellen Mitteln aus dem Kulturfördertopf und logistische Unterstützung beim Kartenvorverkauf anbot und auch das Erwin Hymer Museum einer Kooperation zustimmte wurden Ende April die Planungen für das Auto-Kino wiederaufgenommen. Dabei bringen alle Beteiligten ihre Kernkompetenzen ein und ermöglichen so dieses tolle Erlebnis berichtet Walter Gschwind: „Wir bringen seitens der Stadt unsere Kompetenz mit der Organisation des Kartenvorverkaufs ein. Marc Fischer bringt hier viel Erfahrung mit und hat den ganzen Vorverkauf organisiert und betreut. Das seenema bring seine Erfahrung in Sachen Filmauswahl und Kinotechnik mit und das Erwin Hymer Museum stellt das Gelände zur Verfügung und die Museumsgastronomie ist für die Snackpakete zuständig, die auf jeden Film spezifisch angepasst werden. Ende April, als beide kulturellen Einrichtungen noch geschlossen hatten, eine tolle Idee zusammen mit der Stadt den kulturarmen Raum der Corona-Krise zu befüllen.“ Speziell Ende April, als noch nicht absehbar war, wann das Leben wieder normalisiert werden könne, sollte das Auto-Kino auch ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit sein, ergänzt Leser.

Ein Dank gelte auch den rund 55 ehrenamtlichen Helfern, die an den sieben Kino-Abenden im Einsatz sein werden, betont Markus Leser, denn auch hier habe Bad Waldsee bewiesen, dass die Zusammenarbeit unter den Vereinen und Institutionen funktioniere. Es haben sich nämlich zusätzlich Helfer des Waldstock e.V. und des Jugendkulturhauses Prisma angemeldet.

 

Bericht und Bilder: Leo Seebold
Drohnenbilder: Christof Rauhut

 

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