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Reute - In Reute hat es lange Tradition, dass die Musikkapelle Reute-Gaisbeuren am zweiten Weihnachtstag den Festgottesdienst musikalisch gestaltet. So auch in diesem Jahr, doch wegen der Corona -Vorgaben musste sich der Musikverein auf ein Holzbläser-Ensemble beschränken.


So nahmen im großen Chorraum der Pfarr- und Wallfahrtskirche statt den üblichen 60 Musikanten gerade mal sechs Musikerinnen und Musiker ihre Plätze ein. Doch dieses Ensemble war nicht weniger festlich. Im Gegenteil, die weihnachtlichen Weisen erklangen erhebend und feierlich.

Pfarrer Stefan Werner zelebrierte den sehr gut besuchten Gottesdienst. Mit etwas Wehmut stellte er zu Beginn der Eucharistiefeier fest, dass die Kirche gehalten sei, an diesem zweiten Weihnachtstag nicht das Fest des Märtyrers Stephanus zu feiern, sondern den Sonntag der Heiligen Familie. Er verriet dabei sogar, dass ihm sein Pfarrer-Kollege diese Vorgabe (mit Anspielung auf seinen Namenstag) ausdrücklich mit auf den Weg gab.

Doch es wäre nicht Stefan Werner, wenn ihm hier nicht etwas Salomonisches eingefallen wäre: „Ich müsste ja meine ganze Verwandtschaft glatt ausladen, wenn wir hier in Reute nicht meinen Namenspatron feiern dürften“. Und so hatte der Gottesdienst die heilige Familie und den heiligen Stephanus im Fokus: Während in der Lesung vom Märtyrer Stephanus als ersten Blutzeugen des Kindes die Rede war, kam im Evangelium die Heilige Familie zur Bedeutung.

Statt einer Predigt gab es spontan ein „Streitgespräch“ zwischen Stephanus und der Heiligen Familie. Während der Schwager des Pfarrers den Stephanus verteidigte (mich gibt es schon über 2000 Jahre), stellte Kapellenmesner Josef Schmid zusammen mit Stefan Werners Schwester klar, dass seit der Liturgiereform im Jahre 1969 das Fest der Heiligen Familie immer am Sonntag in der Weihnachtsoktav seinen Platz einzufordern hat.

Es war unschwer zu erraten, wer überhaupt dem streitbaren himmlischen Trio die plausiblen Argumente in den Mund gelegt hatte. Anhaltender Beifall der Gläubigen (auch die Bürgermeisterfamilie Henne war darunter) beschloss diesen besonderen Gottesdienst.

 

Bericht und Bilder Rudi Heilig

 

 

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