DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Bad Waldsee - „Heiligsblechle, des Wasser wird immer meh.“ „I glaub, do kenne mir koine Maischterschafte abhalte, bei dem Hochwasser. Do goht alles dr Rhei nab. Was machemr bloß. Jetzt sind se scho letzt Johr ausgfalle. Und des Johr scho wieder. Des goht it“ „Ha, do gibt’s bloß oin, wo uns jetzt no helfa ka. Des isch der Seebold in Waldsee!“

„Dieter, uns schwimmet alle Fell drvo. Kasch du eischpringa und mit daim Ruderverein in Waldsee dia Landesmeischterschafte vo Bade-Wirttemberg ibernemma?“

„Isch doch klar, do helfet mir eich gern“

„Männer, jetzt sind mir gfordert. Ohne uns gibt’s koine Meischterschafte.“ „Alloi goht des it. Do misset mir mol mit dem Schultes schwätze“ Moinscht, der Neie hot au a Ohr fir d’Ruderer?“ „Jo klar, der hot sogar dr Lehleweag teeret. Mit dem kriaget mir des scho na“

„Hallo Herr Henne. Mir hettat do a klais Problem. Mir sottet dia Bade-Wirttembergische Landesmaischterschafte im Rudre ausrichte, weil denne in Breisach alles abgsoffa isch. Dät uns Schtadt do ab bizzele helfa“

„Isch doch klar, do lass i eich it im Reag stau“

Das sind natürlich sehr fiktive Dialoge, aber man kann sich schon vorstellen, dass die Landesmeisterschaften so oder ähnlich nach Bad Waldsee gekommen sind.

Es gibt nicht viele Rudervereine, die von jetzt auf nachher eine Landesmeisterschaft stemmen können. Zunächst mal die Regattabahn: Es müssen 6 Bahnen nebeneinander möglich sein, um die Rennen auszutragen. Und zum Zweiten muss der Ausrichter über ein Al Bano System verfügen. Was das ist? Das lassen wir uns hier mal von Wikipedia erklären:

„Ein Albano-System ist ein Bojenkettensystem, das im Rudersport bei Regatten benutzt wird. Die Regattabahn ist auf der gesamten Länge durch ein Albano-System markiert und ermöglicht die Trennung der einzelnen Bahnen. Die Bojen haben in der Kette einen Abstand von etwa zehn Metern. Benannt ist das Albano-System nach dem Albaner See (italienisch Lago Albano), auf dem die olympischen Wettbewerbe im Rudersport bei den Olympischen Spielen 1960 ausgetragen wurden.“

Aufmerksame Bad Waldseer haben es mit erlebt. Kaum hatte der Bootse seine Bootle draußen, legte der Ruderverein seine Bojenketten aus. Fleißige Helfer arbeiteten an zwei Wochenenden praktisch ohne Pause, bis die Regattabahn mit Start und Ziel fertig gestellt war.

Und dann, pünktlich am Samstag um 9.00 Uhr startete das erste von insgesamt 173 (in Worten einhundertdreiundsiebzig) Rennen auf dem Stadtsee. Von der Jungen- bis zur Altersklasse peitschten die Athlet*innen das Wasser. Mal alleine im Einer, mal im Zweier, Vierer und natürlich in der Königsklasse, dem Acheter, der am Sonntag kurz vor 17.00 den Abschluss machte.

Wer im Bootshaus war, konnte nach dem Achterrennen ganz deutlich die Steinlawine hören, die Vorstand Dieter Seebold vom Herzen fiel. Alles hat geklappt. Alle Rennen tipp topp. Und wenn zwischendurch vielleicht doch mal was nicht so lief, wie geplant, so sagen wir es keinem.

Die Regatta am Wochenende war keine Veranstaltung unseres Rudervereins, sondern des Landesruderverbandes Baden Württemberg, vertreten durch die Vorsitzende Heike Breitenbücher, die am Sonntag um die Mittagszeit etliche Ehrungen vornehmen konnte. Drei Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Dieter Besch, Uwe Gerstenmaier und Prof. Dr. Jürgen Steinacker.

Ein ganz besonderer Event war die Taufe des neuen Achters des Landesruderverbandes auf den Namen Maximilian Reinelt. Reinelt gewann mit dem Deutschland Achter olympisches Gold und verstarb mit nur 30 Jahren völlig überraschend beim Skilanglauf. Seine Schwester verlas am neuen Achter ein berührendes Gedicht und wünschte dem Schiff viel Erfolg.

Moritz Petri, Vizevorsitzender des Deutschen Ruderverbandes, ehrte die Rudervereine Ruderclub Undine Radolfzell, den Marbacher Ruderverein, den Ruderverein Ghibellinia Waiblingen sowie den Ruderverein Rheinfelden mit der Verbandsflagge und einer Urkunde für 100 Jahre erfolgreiche sportliche Arbeit.

Reden, Ehrungen und Taufen wurden recht zügig abgewickelt, da das Wetter für den späteren Nachmittag nicht mehr so gut angesagt war und die Achter doch unbedingt noch den krönenden Abschluss bilden sollten.

Petrus hatte mit den 600 Athlet*innen aus 30 Vereinen und den 150 Helfern rund um Vereinsvorstand Dieter Seebold ein Einsehen und hielt die himmlischen Fluten gnädig zurück.

 

Bericht und Bilder Erwin Linder

 

 

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