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Bad Waldsee - Campingidylle pur: Versteckt hinter einem Gartenzwerg und einer Reihe Sonnenblumen räkeln sich vier Damen auf Liegstühlen vor einem Wohnwagen und genießen die Sonne des Wochenendes, denn für Montag ist schon wieder kühles, nasses Wetter angesagt.

Entdeckt habe ich die Idylle vor dem Erwin Hymer Museum. Dieses Wochenende gaben sich zwanzig Oldtimer Gespanne ein Stelldichein in Bad Waldsee. „Wie auf einem Campingplatz aus den 60er Jahren sind die Gespanne aufgestellt. Mit Bastmatten zwischen den einzelnen Parzellen, damit man ein bisschen Abgrenzung hat. Ja und alle Gespanne sind noch unterwegs und werden für Camping nach wie vor genutzt“ so Susanne Hinzen, Chefin des Museums.

Als erstes ins Auge fällt der Liliput unter den Gespannen: Eine Isetta mit Piccolo Anhänger. Familie Gerhard vom Niederrhein zieht mit diesem Gespann von Oldie-Austellung zu Olide-Ausstellung. „Na ja, vom Niederrhein bis nach Bad Waldsee, die Entfernung wäre doch zu weit, für die 13 PS der Isetta und dann noch ca. 200 kg Anhänger hinten dran.“ Aber immerhin kommt das Gespann aus den 50er Jahren noch aus eigener Kraft in die Ausstellung. Und zum Übernachten haben die Gerhards ein eigenes Reisemobil dabei.

Schräg gegenüber dem 50er Jahre Nachkriegsgespann aus Deutschland steht die US-Vorstellung von Caravaning.

Sieht aus wie ein Airstream und ist auch der direkt Vorgänger: ein Curtis Wright Clipper, Jahrgang 1947, gezogen von einem Chevrolet Station Car, Baujahr 1957. „Ja, mit diesem Gespann mache ich noch immer Camping Urlaub.“ Sagt sein schweizer Besitzer. „Der Wagen mit seinen 190 PS aus einem 4,2 ltr. „Small Block“ 8-Zylinder Motor wird mit dem Wohnwagen spielend fertig“ Und der Spritverbrauch? „Um die 15 ltr.“ Eine Antwort, die überrascht, da hätte man mit mehr gerechnet.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es auf dem temporären Camping-Platz vor dem Erwin Hymer Museum Raritäten und Kostbarkeiten zu bestaunen.

Frau Kruse, eine der sich vor dem Wohnwagen genüsslich sonnenbadenden Damen, erzählt von ihrem Klaschka Eigenbau. „ Herr Klaschka war Ingenieur bei Magirus Deutz in Ulm. In den 60er Jahren kaufte er sich eine Achse und hat drum rum den Wohnwagen selbst gebaut. Er ist bis heute im Originalzustand. Und zum festen Camping-Inventar gehört ein weißer Gartenzaun und unser ein Meter hoher Gartenzwerg“.

Zwei Mercedes-Benz der Baureihe W 120, mit der ersten selbsttragenden Karrosserie, und die „Göttin“ von Citroën in Gestalt einer feuerwehrroten DS 23 waren ebenso zu sehen wie ein Schäfer Orion Reisemobil von 1978. Die Orions fielen zu ihrer Zeit mit der futuristischen Kunststoff-Karrosserie völlig aus dem Rahmen ihrer Zeit. Die ersten der Baureihe konnten sich als Amphibienfahrzeug auch direkt ins Wasser wagen.

Ein Fiat Topolino, ein VW T 1, der Vater aller Bullis ein „Windspiel“-Wohnwagen von 1962, ein Fahti-Wohnwagen, hergestellt in Lindau am Bodensee, Dethleffs Camper und einer der ersten „Eriba-Pucks“, es waren wirklich 20 Gespanne, die das Herz eines Motor- und Camper-Enthusiasten hochschlagen ließen.

Susanne Hinzen freute sich, dass nach den sieben langen Monaten der Pandemie-Schließung endlich wieder Leben ins Museum kommt. Und mit 11 Euro Eintritt pro Person kam sicherlich auch was in die Kasse.

 

Bericht  und Bilder Erwin Linder

 

 

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