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Bad Waldsee (Leserbrief) - Die Maskenpflicht hält uns Deutsche seit über einem dreiviertel Jahr außer Atem. Es ist hier nicht mein Anliegen, mich über die Frechheit des Bundes und des Landes auszulassen, dass es diese Maskenpflicht überhaupt gibt.

 

Ich möchte darauf hinweisen, dass es Menschen gibt, die – aus welchen medizinischen Gründen auch immer – keine Maske tragen können, und dass diese Menschen sich auf das Recht berufen dürfen, das Paragraph 3 Absatz 2 Nr. 2 der Corona-Verordnung des Landes ihnen gibt.

Dort heißt es, dass die Unfähigkeit, eine Maske zu tragen, in der Regel durch ein ärztliches Attest belegt werden solle. Damit sollte doch gewährleistet sein, dass solche Menschen, erst recht wenn sie ein ärztliches Attest besitzen, am öffentlichen Leben teilnehmen können.

 

Soweit die Theorie! Die Praxis ist leider anders. Ich kenne einige, die mir erzählen, dass sie ohne Maske und mit Attest nicht mehr im Hamma ein Brötchen kaufen dürfen; dass sie auf dem Wochenmarkt von Menschen tätlich angegriffen worden sind; dass sie aus Läden rausgeschmissen werden, die seit Jahren zu ihrem Stamm gehören; dass sie von Ärzten nicht mehr behandelt werden; dass sie regelmäßig während des Zugfahrens angefeindet werden – und so weiter. Dies passiert mitten in Bad Waldsee, mitten in unserem Landkreis.

Was sind das für Menschen, die rechtmäßig Maskenbefreite so ablehnen? Ist Angst, ist Hass, ist beides im Spiel? Haben manche, die nun Infamie und Aggressivität an den Tag legen, eine Gelegenheit gefunden, ihre schlummernden destruktiven Motive auszuleben und ihre destruktiven Emotionen scheinbar legitim auf eine störende Minderheit zu projizieren? Wie sehr müssen Ladenbesitzer von Angst und Druck gebeutelt sein, damit sie sich auf ihr sog. Hausrecht berufen und Maskenbefreite diskriminieren? Selbst wenn es rechtlich gesehen den Tatbestand der Diskriminierung nicht erfüllen würde (durch ebendieses Hausrecht), ethisch erfüllt es ihn. Und damit ist es für mich nicht nur unverständlich, sondern unglaublich, dass Ladenbesitzer dies tun – und dass es breit hingenommen wird.

Menschen, die solcherart aggressiv sind oder diskriminieren, mögen bitte dringend prüfen, ob ihre Moral tatsächlich die richtige sei. Sie mögen doch bitte in jedem Augenblick den wissenschaftlichen Nachweis (gibt es ihn?) zitieren können, dass asymptomatische Träger des Virus eine ausreichende Viruslast besitzen, um andere anstecken zu können, und dass eine allgemeine Maskenpflicht auf lange Sicht der Allgemeinheit mehr nützt als schadet; sie mögen doch bitte deutlich machen, dass sie die Wuhan-Studie vom Oktober 2020 (www.nature.com/articles/s41467-020-19802-w) sehr wohl gelesen und in ihre Überlegungen einbezogen haben. Und auch die Möglichkeit, vor fünf oder vor zehn Jahren (da gab es auch schon Übertragungen von Krankheitserregern und Infektionskrankheiten) selbst einmal unbemerkt und unwissend ein Überträger eines Krankheitserregers gewesen zu sein, an dem letztlich, nach einer Übertragung um viele Ecken, ein alter Mensch gestorben ist.

Ich weiß, wie sich maskenbefreite Menschen nach einem Angriff durch die obig beschriebene Menschengruppe oftmals fühlen. Sie verstehen die Welt nicht, sind unter Stress, Angst, Panik. Sie können nach einem Angriff stundenlang neben der Spur sein. Manche werden immer mehr verängstigt, ziehen sich zurück. Wann können sich solche Menschen endlich besser geschützt fühlen, endlich im Recht? Wo ist das beherzte Eingreifen von Mitmenschen, die in entsprechenden Situationen Zeuge werden? Wo ist das Eingreifen Verantwortlicher in Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, die hier entsprechend aufklären und deeskalieren? Wo ist das allgemeine Stoppsignal, damit solche Entgleisungen der Moral nicht schleichend zur neuen Normalität werden?

Dr. Volker Baur
Bad Waldsee

 

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