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Bad Waldsee/Reute-Gaisbeuren – Die Bewohner von Reute und den umliegenden Teilgemeinden von Bad Waldsee sehen schwerwiegende Probleme auf sich zukommen. Denn nicht nur die Lösungen für das „Problemkind“, die L 285 sind ins Stocken geraten, nein es sind zwei Windparkanlagen in unmittelbarer Nähe geplant.

Während der Geschäftsführer der WKBO (Windkraft Bodensee-Oberschwaben) Helmut Hertle in der vorangegangen Gemeinderatssitzung die geplante Anlage im „Röschenwald“ vorstellte, äußerte er sich in mehreren Punkten vor dem Ortschaftsrat differenter. Als Beispiel: Gemeinderat Wilhelm Heine (CDU) stellte die Frage, ob bei der Schallemission der Tag- und Nachtlärm berücksichtigt wurde. Hertle antwortete ihm mit einem „Ja“, konkretisierte jedoch nicht, zu welcher Tageszeit die 40db ausgewiesen wurden. In Reute dann sprach er vom „Nachtbeurteilungspegel“.

Angelika Brauchle hakte bei den Artenschutzgutachten nach und die Antwort von Hertle, dass es sich hierbei keineswegs um Gefälligkeitsgutachten handle, sondern die Lebensumstände des Rotmilan sehr sorgfältig geprüft wurden, schien sie nicht zufrieden zu stellen.

Karl Schmidberger forderte eine Fotoaufnahme der Windräder aus dem Blickwinkel Durlesbach. Es sei entscheidend, wie die 240 m hohen Windkrafträder den täglichen Ausblick der Bewohner beeinträchtigen. Hertle machte dabei keine Zusage, sondern verwies darauf, dass solche Fotoaufnahmen hohe Kosten verursachen und man unmöglich jeden Anwohnerwunsch erfüllen könne. Auf eine weitere Frage Schmidbergers räumte der Geschäftsführer ein, dass Schattenwurf und Infraschall berechnet wurden, woraus Schmidberger schloss, dass Durlesbach davon betroffen sei, Reute vermutlich nicht mehr.

Weiter räumte Hertle ein, dass bei einer zu großen Schallbelastung die Anlagen im sogenannten „Schallschutzmodus“ betrieben werden und die Windmessungen nicht im „Röschenwald“ vor Ort, sondern im „Wannenbühl“ in Bergatreute durchgeführt wurden.

Ein besonderes Bonbon erfuhren die Bürger dann von Michael Schmid. Während Andreas Klär von der BioEnergie Allgäu im Gemeinderat noch davon sprach, dass der Windpark im Regionalplan noch nicht ausgewiesen sei, konterte Schmid, dass eben genau dies am 9. Oktober 2020 in einer entsprechenden Sitzung in Leutkirch erfolgt sei. Dieser, dort mündlich getroffene, Beschluss, werde nach seinen Informationen im Januar 2021 schriftlich bestätigt werden. Diese Tatsache beantwortete die Frage von Angelika Brauchle, ob der Gemeinderat Bad Waldsee noch Einfluss auf das Projekt nehmen könne, was von Schmidberger mit einem Kopfschütteln quittiert wurde. Um Einfluss darauf nehmen zu können, wäre die Anwesenheit, seitens der Kommune, in Leutkirch erforderlich gewesen. Schmid erklärte auf Nachfrage, dass von Bad Waldsee kein kommunaler Vertreter bei dieser Sitzung anwesend war.

Ein weiterer Schwerpunkt der Bürgerfragestunde war die L 285. Im AUT vom 7. Dezember 2020 wurde der Verwaltung und den Ausschussmitgliedern falsche, bzw. veraltete Zahlen vorgelegt. Michael Schmid verwies auf die Messzahlen vom April 2020, die ein tägliches Verkehrsaufkommen von 9.300 Fahrzeugen aufzeigt. Auf den Einwurf von Ortsvorsteher Achim Strobel, dass eine Zählung derzeit wenig Sinn mache, weil viele Firmen Kurzarbeit haben und zahlreiche Mitarbeiter nicht pendeln oder im Homeoffice arbeiten, erwiderte Schmid, dass im April, während des härteren Lockdowns, dennoch eine starke Zunahme der Verkehrsbelastung festgestellt werden konnte. Es ist für die Interessengemeinschaft L 285 nicht nachvollziehbar, warum die verantwortlichen Mitarbeiter im Rathaus diese Fakten dem Gremium vorenthalten haben.

 

Im Haushaltsplan 2021 werden die Gelder für Geschwindigkeitsmessungen bereitgestellt, wie Achim Strobel berichtete. Warum dies in den vergangenen Jahren nicht erfolgte, wusste er an diesem Abend nicht zu berichten. In der Stadtverwaltung Bad Waldsee habe man das Problem erkannt und versuche nun, es kurzfristig und adäquat zu lösen.

 

 

Bericht: Christine Hofer-Runst

 

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