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Bad Waldsee – Wer eine Kundgebung erwartete, mit stimmungsmachenden Reden und dergleichen, der war am Sonntag definitiv nicht richtig; bei dem, eher stillen, Bürgerdialog auf der Hochstatt, herrschte die Argumentation der leisen Töne vor.

 

In seiner Begrüßung distanzierte sich Versammlungsleiter Volker Baur ganz ausdrücklich von allen Extremen, völlig egal ob von rechts oder links. Vielmehr war auch die 6. Versammlung dieser Art, geprägt von Diskussionen und Gesprächen im Zeichen von Frieden und Freiheit. Und so diskutierten die insgesamt 109 Anwesenden vor allem über die anstehende Ergänzung mit dem  Paragraphen 28a im Infektionsschutzgesetz, die in der kommenden Woche verabschiedet werden soll.

 

Für viele Teilnehmer bedeutete diese Zusammenkunft auch ein Zeichen dafür: „Ich bin nicht alleine“, oder wie eine Besucherin es deutlich machte: „Ich bin maskenbefreit und werde dafür diskriminiert“. Aufgrund gesundheitlicher Probleme dürfe sie keine Maske tragen und habe in diversen Geschäften Mühe einkaufen zu gehen. Dabei erwähnte sie, dass es noch nicht mal die Verkäuferinnen seien, die sie ausschließen, vielmehr seien es andere Kunden, mit denen sie sich auseinandersetzen müsse.

Die, in der Spitze, rund 110 Teilnehmer zählende Veranstaltung löste bei der Polizei Bad Waldsee keinerlei Beanstandungen aus. Nach mehreren Kontrollen und Gesprächen mit dem Versammlungsleiter Volker Baur waren die Beamten mit den eingehaltenen Abständen durchweg einverstanden und sahen keinen Hinweis auf Verletzung der vorgegebenen Infektionsschutzmaßnahmen. Menschen, die keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen, hielten Abstand und diejenigen, die enger zusammenstanden, waren aus einem Haushalt.

 

Großen Mut bewies ein Paar, das eine andere Meinung hatte, als die meisten Anwesenden; im Gespräch äußerten sie den Wunsch, an Andere zu denken, sie zu schützen und sich an die Regeln zu halten, sie forderten, enge Kontakte zu beschränken, um das Infektionsrisiko zu senken. Sie stellten sich den Kritikern, von denen keiner das Virus leugnete, sondern lediglich die Maßnahmen dagegen kritisch hinterfragten. Angst ist das verbindende Element der gespaltenen Bevölkerung, einmal ist da die Angst vor dem Virus und bei den anderen ist es die Angst, die demokratische Grundfreiheit zu verlieren. So sagte eine Mitarbeiterin in der Pflege: „Wir haben keine Wahlfreiheit, was die Impfung betrifft, dabei fühlen wir uns für unsere Gesundheit eigenverantwortlich“.

 

In einigen Gesprächen wurde der Grundtenor laut: „Warum hat die Gesellschaft so viel Angst vor den Kritikern?“. An diesem Nachmittag gab es viele Fragen, die Antworten dazu gab es nicht. Auffallend war jedoch, dass die Jugend fehlte, die Generation, die für die Kosten der Maßnahmen letztendlich aufkommen muss.

Dem Organisationsteam von Volker Baur, Frank Baur, Nicole Böttcher und Kathrin Böck ist es gelungen, eine Zusammenkunft zu gestalten, die allen Vorgaben der Kommune und der Polizei gerecht wurde und bei der Sorgen und Ängste angesprochen werden konnten, wobei niemand die Existenz des Virus leugnete oder mit weltfremden Theorien die Anwesenden berieselte. Jeder Gast durfte seine eigene Meinung vertreten; ein Zeichen von demokratischem Miteinander, ein Zeichen von Respekt und Toleranz jedem einzelnen gegenüber. Es waren Leute vor Ort, deren Existenzen sich förmlich in Luft auflösten, Menschen, die durch die Maßnahmen sehr einsam geworden sind und Menschen, die dadurch verzweifelt sind. Eine Frau erzählte von ihrer Not, Weihnachten zu feiern; sie habe drei Kinder, aus drei Haushalten und eine Zusammenkunft sei derzeit nicht erlaubt.

 

Bei dieser Veranstaltung ging es um die alltäglichen Dinge, die sozialen Verbindungen, die ganz vielen Menschen derzeit fehlen und die, auf absehbare Zeit, nicht gestattet sein werden. Obwohl sich der Ablauf durchweg ruhig und friedlich gestaltete, schwappte die Verzweiflung der Einzelnen immer wieder an die Oberfläche.

Bericht und Fotos: Christine Hofer-Runst

 

Anmerkung der Redaktion

Wir haben aufgrund einiger Reaktionen die Formulierung "Ermächtigungsgesetz" ( "Ermächtigungsgesetz" bei Wikipedia) im zweiten Absatz ersetzt durch die Begrifflichkeit "die anstehende Ergänzung mit dem  Paragraphen 28a im Infektionsschutzgesetz".  (Zum Vorschlag der Gesetzesänderung von CDU und SPD | 28a Seite 10)

Wolfgang Weiß

 

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