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Bad Waldsee - Im Seenema an der Biberacher Straße eröffnete Marianne Jocham vor einem guten Dutzend Kunstinteressierter eine Ausstellung der Ulmer Künstlerin Myrah Adams. Zu sehen sind 34 Collagen, zu deren Verständnis Thomas Warndorf, Historiker, Künstler und Publizist, mit seiner Eröffnungsansprache hinführte.

Marianne Jocham begrüßte die Gäste im Namen der Seenema Genossenschaft und gab einen kurzen biografischen Abriss der Künstlerin. Ganz am Rande erwähnte sie noch die neue Lüftungsanlage des Seenemas, die in wenigen Tagen fertig gestellt würde.

Geboren in Jünkerath in der Eifel studierte Myrah Adams von 1968 bis 1976 Kunstpädagogik, Archäologie und Kunstgeschichte in Mainz, Paris und Hamburg. 1979 ließ sie sich in Ulm als freischaffende Künstlerin nieder und nahm ihren Künstlernamen Myrah Adams an. Sie hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen und war aktives Mitglied im Verband Bildender Künstler Baden-Württemberg.

In dieser Zeit befasste sie sich auch mit der Kunstgeschichte der Jahre 1933 bis 1945 und organisierte eine Wanderausstellung von Kunstwerken, die in den KZ entstanden waren. 1988 bis 2004 war sie als Kuratorin, Archivarin und wissenschaftliche Autorin für verschiedenen Museen und Gedenkstätten tätig, bevor sie 2004 einen Teilzeit-Lehrauftrag für das Fach Kunsterziehung an der Urspringschule bei Schelklingen übernahm. Seit 2011 lebt sie in Blaubeuren, wo sie bis zur Verrentung Bildende Kunst am Joachim-Hahn-Gymnasium unterrichtete. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Blaubeuren und Sardinien.

Thomas Warndorf spannte in seiner Einführung einen weiten Bogen von Henry Matisse über den Dadaismus bis zu Myrah Adams und führt so zur Collage als eigenständige, originäre Kunstform, die dadurch, dass sie vorhandenes in neue Zusammenhänge bringt, neue Werke schafft.

„Myrah Adams“ führte Warndorf weiter aus „ist eine Erzählerin von Geschichten. Die können sehr poetisch wirken, aber auch sehr hart, fast grausam.“ „Das Betrachten ihrer Arbeit gibt dem Auge vermeintlich Halt, das Kopfkino beginnt zu arbeiten, aber dann zögert der Blick doch. Ist das möglich, was ich sehe?“

„Myrah Adams Collagen spielen mit Täuschungsmanövern, sie manipulieren Erfahrungswerte, sie besitzen Verunsicherungspotential“ so Warndorf. In ihren Werken findet man auch Personen des Zeitgeschehens, wie z.B. die eben verstorbene US-Budesrichterin Bader-Ginsburg oder den türkischen Präsidenten Erdogan – ein Panoptikum des politischen und kulturellen Lebens.

Einmal findet man Myrah Adams selbst auf einem Bild. In der „Paradiesapfelernte“, das Motiv des Ausstellungskataloges und der Anzeige auf der Seeenema-Website, späht sie im Zentrum es Bildes durch einen gespaltenen Baumstamm. Versteckt sie sich? Nein, sie beobachtet den Betrachter, die Betrachterin.

Die Werke von Myrah Adams können käuflich erworben werden. Die Preise liegen zwischen 400 und 1.200 Euro. Einen Katalog gibt es für 24 Euro, Kunstkarten für weniger als 10 Euro.

 

Zu sehen ist die Ausstellung in der Kinogalerie noch bis zum 6.12.2020.

 

Text und Bilder: Erwin Linder

 

 

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