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Bad Saulgau/Bad Waldsee - Tief beeindruckt zeigte sich die 15-köpfige Gruppe aus Bad Waldsee bei der Informationsfahrt kürzlich nach Bad Saulgau, darunter Schwester Birgitta und Bienenschwester Hiltrud vom Kloster Reute, Ortsvorsteher Frieder Skowronski, die Gemeinderäte Lucia Vogel, Tina Weng, Markus Leser und Jörg Kirn, Ortschaftsräte, Vertreter des Grünflächenamtes, der NABU-Ortsgruppe und der AG Biodiversität.

 

Zu der Fahrt hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fraktionsübergreifend eingeladen mit dem Ziel, „Honig zu saugen“ vom reichhaltigen Bad Saulgauer Erfahrungsschatz in Sachen Artenvielfalt und Biodiversität.

In einem beeindruckenden Vortrag stellten der Umweltbeauftragte Thomas Lehenherr und Gärtnermeister Jens Wehner, die beiden „Väter“ der Biodiversitätsstrategie Bad Saulgau, die umfangreichen Maßnahmen im Innen- und Außenbereich vor. Seit nahezu 30 Jahren setzen beide als eingespieltes Team systematisch Maßnahmen um, die die Artenvielfalt fördern und naturnahe Lebensräume erhalten und neu schaffen.

Das breit angelegte Konzept beinhaltet acht Naturlehrpfade, u.a. mit heimischen Strauch- und Gehölzarten, einen Nistkastenpfad mit Vogelstimmen, einen Obstbaumlehrpfad mit rund 100 alten Kern- und Steinobstsorten, einen interaktiven Themen- und Erlebnisweg Wasser oder einen Heckenschaugarten, wo Häuslebauer zehn Formhecken als Musterpflanzung anschauen können.

Im Außenbereich wurden rund 120 Hektar großflächige, strukturreiche Biotopanlagen und - vernetzungen mit über 100 Still- und Laichgewässern geschaffen; an 15 km Bachläufen teils verdohlte Abschnitte wieder in naturnahe Bachlandschaften mit Feucht- und Trockenzonen verwandelt; mit Landwirten gibt es Vereinbarungen über 120 Hektar naturverträgliche Gewässerrandstreifenpflege.

Im Siedlungsbereich erfolgt seit 1995 die stetige Umwandlung vom Einheitsgrün (Rasen) in artenreiches Grün. Wo nur möglich, wurden Pflanzbeete, Verkehrsinseln, Schulflächen, Seniorenheimanlagen in mehrjährige Blumenwiesen oder insektenfreundliche Stauden- bzw. Gehölzflächen umgebaut. Beim anschließenden zweistündigen Rundgang konnten sich die Teilnehmer davon überzeugen.

Bei der Auswahl der Pflanzen achten Lehenherr und Wehner auf eine möglichst durchgängige, insektenfreundliche Blütentracht; rund 60 bis 70% der verwendeten Arten stammen aus heimischen Beständen. Ebenso sehen beide Urheber der Saulgauer Biodiversität die begleitende Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung auch über Schulprojekte als zentralen Erfolgsfaktor. Mittlerweile haben sie die dritte Auflage der Gartenfibel „natürlich gut gestaltet“ mit vielen Tipps und Sortenlisten für mehr Blüh- und Artenreichtum im eigenen Hausgarten herausgegeben.

Die Broschüre wird allen Bauherren und Planern in der Region kostenfrei zugesandt.

Vielfach von höchster Stelle ausgezeichnet, zeigt Bad Saulgau den Weg auf, wie Ökologie und Ökonomie zu verbinden sind: heute vorhandene, artenreiche, mehrjährige Blühbest.nde werden nur noch zweimal gemäht, das Einheitsgrün früher 15-20 Mal. Mit gleichem Personalbestand wird heute das Doppelte an kommunalen Grünflächen betreut, auch weil der jährliche Umbau der Beete wegfällt. Die Kosten für Pflanz- und Saatgut haben sich mehr als halbiert, Pestizide und Düngung fallen überwiegend weg. Ein nachahmenswertes Beispiel, so das Fazit der Besuchergruppe.

 

Text von Peter Heffner
Fotos von Markus Leser

 

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Gärtnermeister Jens Wehner und Umweltbeauftragte Thomas Lehenherr (re.) von der Stadt Bad Saulgau

 

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