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Bad Waldsee/Mahnwache am Sonntag, den 13.09.20 - Bei sommersonnigem Wetter und unter strahlendblauem Himmel versammelten sich am vergangenen Sonntag Kinder, Frauen und Männer aller Couleur auf dem Kirchplatz in Bad Waldsee.

 

Der aufmerksame Beobachter erkannte aber, dass es sich nicht um die sonntägliche Kirchplatzhockete nach dem Gottesdienst handelte, sondern die Grabkerzen, die Kinderschuhe an der Schiffskulptur ließen einen ernsten Grund erahnen. Die Plakate „Moria brennt – Evakuierung jetzt!“ verschafften traurige Gewissheit. Der Menschenrechtsverein Global e.V. und das „Aktionsbündnis Sicherer Hafen Bad Waldsee“ hatte zu einer Mahnwache aufgerufen, der rund 50 Menschen gefolgt sind.

 

Ulrich Bamann berichtete über die unhaltbaren, menschenunwürdigen Zustände in dem hoffnungslos überfüllten Camp Moria auf Lesbos, in dem letzte Woche mehrere Großfeuer gewütet haben und bei dem die Ärmsten der Armen die allerletzten Habseligkeiten verloren haben. Er verwies auf die vom Gemeinderat bekundete Solidarität zum Projekt „Seebrücke“ und hofft, dass die Verantwortlichen der Stadt Bad Waldsee das Thema „Sicherer Hafen“ wie angekündigt erneut beraten und sich diesmal zu einer Entscheidung durchringen, damit die Stadt Bad Waldsee zusätzlich zum bereits gesetzten Kontingent weitere Flüchtlinge aufnimmt. Christine Schramm erzählte, dass sie zu Beginn der Corona-Pandemie mit Entsetzen an die aussichtslose Lage der infolge der Pandemie in Vergessenheit geratenen Geflüchteten auf Lesbos gedacht hat und wie sie die Sorge um die Menschen umtrieb. Sie hat an Spitzenpolitiker Briefe geschrieben, in denen sie gebeten hat, die unter unhaltbaren hygienischen Zuständen Lebenden nicht zu vergessen und eine politische Lösung zu finden.

Mit einer Bibelstelle aus dem Alten Testament, wonach Isaak auf Moria durch göttliche Fügung vor dem Tod gerettet wird, stellte sie einen Bezug zur aktuellen Lage her. „Ich hatte einen Freund“ dichtete Susanne Halder und sorgte mit ihrem Beitrag für Gänsehaut. Für Betroffenheit sorgte auch Ulrich Köpfler, der im Namen von Bündnis 90/Die Grünen die unfassbare Lage in den griechischen Lagern thematisierte und unbedingt zum sofortigen Handeln aufrief.

Der Song „Ich habe einen Traum“ von Konstantin Wecker unterstütze die Mahnrufe. Lisa Geiger bezog sich auf einen Text von Alfons Pieper und stellte die Frage „Anschlag auf die Menschlichkeit - Was hätte Norbert Blüm dazu gesagt“. Mit einem Gedicht „Abschied von neun Kindern - Ein Gruß aus Moria“ kamen Betroffene indirekt zu Wort. Zu Herzen gehend wurden die von Houzayfa Al Rahmoun verfassten Zeilen „Verloren“ von Sundus Alsalem vorgetragen. Man musste kein Arabisch können, um die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit zu verstehen. Lilli Bamann hat den deutschen Text dazu gelesen, das zuvor beim Zuhören empfundene Gefühl wurde bestätigt. Mit „Eine Welt, eine Heimat“ folgte ein weiterer musikalischer Part, bevor Charly Pauli aus Ravensburg einen kritischen Beitrag zur europäischen Flüchtlingspolitik hielt. Nach dem Hinweis auf das 3-Punkte-Notprogramm verschiedener Hilfsorganisationen ging dann ein Spendenhut durch die Menge, der reich gefüllt wurde. Die Spenden werden von Global nochmals aufgestockt und gehen über medico international direkt an auf Lesbos tätige Selbsthilfeorganisationen von Geflüchteten.

Mit dem „Gebet für die Flüchtlinge“ wurde die Mahnwache geschlossen und John Lennons „Imagine“ stimmte gemeinsam mit dem Sonntagswetter optimistisch für eine humane Lösung zur Rettung der Menschen aus Moria.

 

Wer weiter finanziell unterstützen will, kann das über das über medico mit dem Stichwort „Flucht & Migration“ auf folgendes Konto tun:
Spendenkonto:
medico international
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00
BIC: HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

 

Bericht und Bild global

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