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Bad Waldsee - Von Bad Waldsee über Wolfegg nach Bergatreute hatte ich schon hinter mir. Ebenfalls von Tannweiler über Aulendorf nach Bad Waldsee. Nach Rückfrage am Start beim Seenema entschloss ich mich, in Gwigg wieder in den Parcours einzusteigen.

Wenn man erst mal von der L 316 nach rechts Richtung Gwigg abgebogen ist, präsentiert sich Oberschwaben als reinste Idylle. Auf der Höhe thront die Volkertshauser Kapelle mit ihrem grün belaubten Baum vor einem blauen Himmel, auf dem ein paar weiße Wolkenschiffe dahinsegeln. Zu ihren Füßen grast friedlich eine Herde gefleckter Kühe. Vom nahen Hof bellt ein Hund. Ein Traktor rumpelt aus der Einfahrt. Im Pferch schnattern Gänse. „Nicht mehr lange“ denk ich, „dann seid ihr als Martinsgans auf dem Tisch.“ Kurze Wege, großer Genuss. Und statt Hafermast in Polen haben sie in Oberschwaben doch ein beschauliches Leben auf der Wiese, am Bach. Ja, in dieser Welt lebt eben der Eine, indem er den Anderen frisst. Mit solchen tief philosophischen Gedanken radle ich dahin, bis mich ein spät pubertierender Cabriofahrer mit lautem Auspuffgedröhne überholt. Radlerverschrecken heißt das Spiel. Und dann bin ich auch schon an der Kunstausstellung von Regine Hirsch in Gwigg.

Am Eingang erwartet mich ein Krokodil auf Stöckelschuhen. Weitere bunte Bilder, Portraits, Skulpturen hängen an der Wand, stehen im Hofraum. Eine Gruppe Radler beschauen sich die Kunstwerke. Ich plaudere ein bisschen mit Regine Hirsch. „Seit dreißig Jahren wohnen wir schon nebeneinander, und ich weiß nicht, dass du Bilder malst!“ erzählt sie vom staunenden Nachbarn, als sie ihre Werke beim Umanand präsentiert.

„Wir finden den Parcours toll. Hoffentlich ist es nicht das letzte Mal, dass so was durchgeführt wird. Ein super Strecke und was man alles zu sehen bekommt.“, ganz begeistert und mit viel Lob an die Künstler und Organisatoren erzählt ein Radler-Paar von seinen Eindrücken.

Am Ortsausgang Gwigg bekomme ich grade noch den Schluss mit beim Faro-Theater von Veronika Degler. In einem kleinen Koffer liebevoll dekoriert steckt ein mit Himmel und Wolken bemalter Hintergrund. Rechts und links flankiert und begrenzt von zwei kleinen Bäumchen. An dünnen Führungsstäben dirigiert Veronika Degler zwei kleine Schäfchen mit ihrem Schäfer über die winzige Bühne im Koffer. Völlig in ihren Bann hat sie einen kleinen Jungen gezogen, der sich, Fahrradhelm noch auf dem Kopf, an seinen Vater schmiegt. Dass sie es auch mit größeren Figuren kann, zeigen mannshohe skurrile Puppen.

Von Gwigg nach Ankenreute rollt das Rad über einen bequemen geteerten Weg. Rechts in der Wiese sperrt ein Golf seinen Kofferraum weit auf. Nein, kein Act. Ein Bauer und sein Sohn reparieren den Weidezaun. Vielleicht sollte man in Ankenreute noch einen Blick in die Kapelle werfen. Ich lasse sie rechts liegen und weiter geht’s Richtung Gaisbeuren. Mit Schwung hinein in den Wald. Und schon kommen die Umanand Wegweiser: Links ab. Mitten auf der Straße: Ein Hochrad mit seinem Fahrer. Sieht schön kühn aus. Das Rad und der Fahrer. Fünfzig Jahre ist das Rad alt. 1970 habe er angefangen, Hochrad zu fahren. Die Balance kein Problem, weil er auch das Einrad beherrscht. Mit Schwung drauf und dann ab. Steigungen schon eine Herausforderung so ohne Übersetzung und Gangschaltung. Leider würden heutzutage Herz und Knie nicht mehrt so richtig wollen und so blieb er eine Kostprobe seines Könnens schuldig. Und das vor der Kulisse beeindruckender Fotokunst von Anja Köhler am Wegesrand.

Die B 30 überquerte ich mit einer Gruppe Radler an der Fußgängerampel vor dem Hotel Adler. Traurig hingen die blauen Stoffbahnen vom Bagger: Vorstellung erst in einer halben Stunde. Solange warten? Dann fahr ich doch einfach weiter nach Tannweiler, zu Paspartout. Viel Publikum ergötzte sich am tierischen Spiel mit Landratten ahoi.

An drei Tagen fuhr ich den Parcours ab. Ob ich alles gesehen habe? Wenn ich mir den Programm-Flyer anschaue, dann nicht. Trotzdem bleibt als Fazit: Die Seenema-Macher um Markus Leser haben ein vortreffliches Event auf die Beine gestellt. Sie haben die Künstler und Zuschauer zueinander gebracht. Und obwohl die Aktion der Pandemie geschuldet war, fühlte es sich für mich nicht coronamäßig an. Das schöne Wetter und die oberschwäbische Idylle spielten den Machern in die Karten. Und mit dem Radler-Paar spreche ich bestimmt vielen aus dem Herzen: Macht doch nächstes Jahr wieder so was.

 

Text und Bild: Erwin Linder

 

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