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Bad Waldsee - Daniel Steinhauser setzt dem Mount Everest noch den Montblanc obendrauf
Mit dem Rennrad in 24 Stunden auf den Mount Everest und den Montblanc dazu? Das schaffte Daniel Steinhauser, rein äußerlich relativ locker, an diesem Wochenende an der Grabener Höhe: 13.500 Höhenmeter bewältigte der Hobby-Rennradfahrer, Vater von zwei Kindern, Finanz- und Versicherungsmakler in Bad Waldsee.

 

Emanuel Buchmann macht es. Alberto Contador macht es. Jens Voigt, Mark Cavendish und Richie Porte machen es: Everesting. So heißt die Trendsportart im Rennradfahren. Egal welchen Berg man nimmt, Hauptsache zum Schluss hat man die Höhenmeter vom höchsten Berg der Erde mit seinen eigenen Beinen bewältigt.

 

Ich treffe Daniel Steinhauser am Samstag gegen Viertel vor Drei an seinem Standort-Wohnwagen . In 15 Minuten beginnt die Rekordfahrt. Völlig locker steht er für ein Foto mit seinem Rad auf der Straße. Klick, klick: bis Gerhard Bochtler, Unterstützer und immerhin Iron-Man Weltmeister, meinte, fürs Bild wären Radschuhe besser als Schlappen. Also, Schuhe gewechselt und neuen Foto. Siehe unten.

 

Mit seinem matt-schwarzen Rennrad rollt er Richtung Start. Ich darf es auch mal anheben. Geht locker mit zwei Fingern. Für‘s Everesting gibt’s 16 klare Regeln. Die wichtigsten: Fahre save, also mit Helm, fahre Berg rauf und runter immer die gleiche Strecke, fahre ohne Zeitlimit, aber an einem Stück, kein Schieben erlaubt und zeichne die Strecke auf.

 

Das Erreichen des Everesting ist für Daniel Steinhauser nicht vorrangiges Ziel. Er will etwas Gutes erreichen für die Region. Persönlicher kümmerte er sich um Sponsoren, die sich an der Grabener-Höhe Challenge auf unterschiedliche Weise beteiligen konnten: Mit einem festen Betrag, mit Beteiligung an den gefahrenen Höhenmetern oder einfach mit einem Obolus in die Spendenkassen bei Start und Ziel. Die Spenden kommen dem Eugen-Bolz-Kindergarten, der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Baindt und der Familienunterstützende Integrative Behindertenarbeit Biberach zu Gute.

 

 

Samstag, 15.00 Uhr: Es geht los. Damit er genau pünktlich seine Rekordfahrt startet, dreht er eine, zwei Runden zwischen Mahlgasse und Grabener Straße. Antritt, los zum ersten Anstieg. 126 Höhenmeter, 2200 Meter. Für Daniel ein Klacks. Oben eine scharfe Wende. Und runter geht’s in atemberaubendem Tempo. Und hoch. Und runter. Und hoch....

 

Die Batterie an meinem E-Bike ist noch recht voll. Ich nehme den Aufstieg auch unter die Pedale. Vor mir zwei Damen auf Rennrädern mit LRG Möhre Trikots. Ich fahre eine Weile hinter ihnen her. Noch an den steilsten Stellen unterhalten die sich völlig locker! Ich trete in die Pedale und dank der Hilfe des Bosch-Energie Packages fahr ich an den Damen vorbei.

 

Ein kleines Häuflein Eingeschworener hat sich oben im Zielbereich versammelt. Wasser, Riegel, Bananen. Energie tanken ist hier gleich mit Spenden für einen guten Zweck. Daniel Steinhauser ist auch schon wieder oben. Das dritte oder das vierte Mal? Egal, zusammengezählt wird zum Schluss.

 

Sonntagmorgen. Verdammt, ich hab verschlafen. Das erste Mal um halb vier auf die Uhr geschaut. Das zweite Mal um halb sechs. Ich wollte doch noch ein paar Nachtfotos machen. Egal. Mein E-Bike ist frisch geladen und ich mache mich wieder auf den Weg zur Grabener Höhe. Die Talstation völlig verlassen. An der Anzeigetafel werden schon über 8.000 Höhenmeter angezeigt. Mit meinem Bosch-Power-Pack mach ich mich wieder auf den Weg zum Ziel. Auf halber Höhe kommen mir drei verwegene Rennradler mit Topspeed entgegen: Daniel und zwei Helfer.

 

Oben auf der Grabener Höhe schält sich Martina von der LRG Möhre aus dem Auto. Sie war die ganze Nacht hier. „Es geht doch nicht, dass wir Daniel in der Nacht alleine lassen.“ Und schon kommt er wieder heraufgeradelt. Seite an Seite mit zwei Unterstützern. Es ist kurz nach sechs. Der Mount Everest liegt schon hinter ihm. Und er ist noch immer so locker. Vom Rad aus lädt er uns ein: „Kommt doch an den Wohnwagen runter. Da gibt’s Kaffee.“ Wende, und runter geht’s schon wieder.

 

Noch ein, zwei Fotos von Radlern im Morgenlicht. Dann muss ich wieder. Andere Termine warten.

 

Um halb vier am Nachmittag ruf ich aus dem Auto bei Martina an. „Alles gut gegangen?“ „Ja“ bestätigt Sie, „Daniel hat in 24 Stunden insgesamt 13.500 Höhenmeter geschafft und ist 96 Mal die Grabener Höhe rauf und runter gefahren.“

Respekt.

 

Text: Erwin Linder. Fotos Erwin Linder und Martina Dittrich-Neß

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