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Bad Waldsee – Bei seinem Besuch in der Kurstadt informierte sich Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolff über die momentane Situation in den klinischen Einrichtungen und der ortsansässigen Gastronomie. Neben den beiden Landtagsabgeordneten Petra Krebs (Die Grünen) und Raimund Haser (CDU) waren Gastwirte aus Bad Waldsee eingeladen.

 

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Matthias Henne, stellte der Direktor der städtischen Kurbetriebe, Peter Blank, die einzelnen Einrichtungen vor. Alle drei Schwerpunkteinrichtungen war bis zur Corona-Krise im März mit über 90 % Auslastung sehr gut frequentiert. Mit dem allgemeinen Lockdown sank diese Quote auf rund 25 % ab und steigt seit etwa vier Wochen wieder kontinuierlich an. „Wir sind jedoch noch weit entfernt von einem Regelbetrieb. In die städtische Therme dürfen sich nur 60 Personen zeitgleich aufhalten“, zeichnet er das eher traurige Szenario auf.

 

Für Minister Guido Wolff ist Bad Waldsee keine unbekannte Größe. Bereits sein Vater wurde orthopädisch sehr gut versorgt und als Anhänger der oberschwäbischen Fasnet, weilt Wolff des öfteren in der närrischen Hochburg.

 

In seiner Ansprache beschönigte er nichts. Zwar sei den Kommunen die Unterstützung von Bund und Land gewiss, um Ausfälle zu kompensieren, aber er verwies auch auf die Verschuldung, wie es sie in dieser Höhe noch niemals gab. Während seiner Ansicht der Lockdown noch die einfachste Übung im Umgang mit der Pandemie war, gestaltete sich das schrittweise Hochfahren deutlich schwieriger.

 

Um nun Gastronomie- und Hotelleriebetrieben wieder auf die Beine zu helfen, startete das Land die Kampagne „Urlaub zu Hause“ oder #Heimvorteil. Die Kultur Oberschwabens mit all ihren Sehenswürdigkeiten stehe dabei im Zentrum, um Reisende im eigenen Land zu halten. Ganz wichtig sei für Wolff, dass Kurzarbeit nicht zur Arbeitslosigkeit führe. Mit einem weiteren Fördertopf, der rund 10 Millionen Euro umfasst, wolle man die Branche weiterhin unterstützen.

 

 

In der anschließenden Diskussion mit den anwesenden Gastwirten kristallisierte sich schnell die Problematik heraus: Keine Veranstaltungen, keine Familienfeiern und keine Bustouristen erschweren den Gastronomen das Leben. „Eigentlich müssten wir uns jetzt den Speck zulegen, den wir für die Schwachlastzeit im Oktober und November benötigen“, beschrieb Berthold Schmidinger, Wirt vom „Grünen Baum“ die Schwierigkeiten der kommenden Monate. Alles was draußen im Freien ist, läuft gut; wer nun keine Außenbestuhlung hat, für den wird die Umsatzgenerierung deutlich schwieriger.

 

Raimund Haser plädierte dafür, zur Normalität zurück zu kehren, denn seiner Meinung nach werde der Crash zu einer unkalkulierbaren Größe. Es sei wichtig, nicht mit dem Finger auf Infektionszahlen zu zeigen, sondern dort, wo sie auftreten, verantwortungsvoll damit umzugehen. Als Beispiel hierfür nannte er das Geschehen im Center-Parc Leutkirch. „Es gab Infizierte, sie begaben sich in Quarantäne, der Betrieb lief nahtlos weiter und mittlerweile sind alle Infizierten wieder genesen“. So stelle er sich ein weiteres Vorgehen vor, denn „Wir haben es im Griff, wenn es kommt“.

 

Seiner Meinung nach könne es keine 100 %ige Sicherheit geben und eine Wiederbelebung der Wirtschaft sei nun unabdingbar, denn so Haser weiter: „Der Umsatzausfall kann nicht aus Staatsmitteln finanziert werden, alleine bei dem derzeitigen Schuldenstand wird meine Tochter noch dafür aufkommen müssen“.

 

Die These „auf Sicht fahren“ bringe aus seiner Sicht ebenfalls keinen wirtschaftlichen Erfolg; vielmehr gelte es mutige Entscheidungen zu treffen, denn auf Sicht fahren bedeute Perspektivlosigkeit.

 

Guido Wolff brachte es noch konkreter auf einen Nenner: „Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten“. Auf einen schnellen Impfstoff zu hoffen, erscheint ihm wenig sinnvoll. Bis die Testungen, Zulassungen und die ganzen Haftungsfragen rechtlich abgeklärt seien, vergehe einige Zeit. Er war ebenso wie Haser der Ansicht, dass Center -Parcs das Infektionsgeschehen situativ und gut gelöst habe. Im Hinblick auf die Situation der Krankenhäuser bemängelte er das monothematische Vorgehen. „Kliniken haben nur noch Corona gesehen, dabei gibt es noch zahlreiche weitere, tödliche Erkrankungen, wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Wir haben zwar die Zahl der Coronatoten klein gehalten, befürchten aber Kollateralschäden, bei den nicht durchgeführten Untersuchungen, Behandlungen und Operationen“.

 

Für die Gastronomie werde es weitere Werbekampagnen geben, die, in Verbindung mit Deutschen Bahn, auf die Schönheiten Baden-Württembergs hinweisen sollen. Ob im Herbst wieder mit einem regulären Sauna- und Wellnessbetrieb gerechnet werden kann, blieb offen.

 

Bericht und Fotos: Christine Hofer-Runst

 

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