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Bad Waldsee - Brrrrr. Das war kalt auf der Grabener Höhe am Sonntagvormittag um 11.00 Uhr. Grade mal so acht, neun Grad. Dazu ein frisches Windchen vom Wurzacher Ried her. Ein paar Radsport-Fans hatten sich eingefunden. Sie sollten es nicht bereuen.

Die Helfer der LRG Möhre waren mit den Startvorbereitungen, mit Mikro und Kabel, mit der Zeitmessung am Zieltor beschäftigt. Pünktlich um 11.30 Uhr gab Lothar Halder am Mikro bekannt, dass das Zeitfahren gestartet ist. Mit der Nummer 1 traditionsgemäß die älteste Teilnehmerin, Lydia Ettenhofer, Jahrang 1942. Ja, mit ihren 80 Jahren ist sie noch immer sportlich fit und nahm das 30. Zeitfahren unter die Räder.

Gegen 11.50 Uhr kam der erste Rennradler in Sicht und visierte den Zieleinlauf an. Grade am Schluss zeigt sich die Grabener Höhe von ihrer fiesen Seite. Ein letztes steiles Stück verlangt alles vom Radler. Der Puls am Anschlag, der Sauerstoff am Ende, die Oberschenkel hart und jetzt nochmals alles geben. Hier scheidet sich die Spreu vom Weizen.

Die Fitten, Durchtrainierten meistern auch die letzte Steigung mit Tempo. Steigen nochmals in die Pedale. Liefern sich heiße Positionskämpfe. Müde und abgekämpft die Amateure, die froh sind, den Zielstrich zu erreichen.

Stephanie Wunderle mit der Startnummer 2 war die Erste, die die Ziellinie passierte, mit einer Zeit von genau 18 Minuten für die 10 Kilometer lange Strecke vom Kreisverkehr in Hopfenweiler; 178 Höhenmeter hatte sie überwunden.Damit gewann sie die Damenwertung, denn keine der noch folgenden Damen konnte ihre Zeit unterbieten.

Dann ging‘s Rad auf Rad. Mal einzeln, mal in kleinen Gruppen mit heftigen Platzierungskämpfen auf den letzten Metern trafen die Athleten und Athletinnen auf der Höhe ein. Frenetisch angefeuert von den Zuschauern mit extra verteilten Ratschen.

Standing Ovations für Lydia Ettenhofer
Mit einer Zeit von 39 Minuten und 10 Sekunden erkämpfte sich auch Lydia Ettenhofer die Ziellinie auf der Grabener Höhe, begleitet von Standing Ovations. In ihrer Altersklasse über 70 war sie die einzige Teilnehmerin. Herzlichen Glückwunsch für diese Leistung.

Bei den Männern gab es zum Schluss noch eine dicke Überraschung. Der Favorit und Radprofi Markus Kaufmann kam mit der Startnummer 56 und einer Zeit von 15:49 min. ins Ziel. Ok, jetzt war’s gelaufen. Denkste. Mit der 109 düpierte ihn der junge Lizenzfahrer Philip Schenk um ganze fünf Sekunden. 15:44 war die Bestzeit 2022.

Die Stadtmeister
Die beiden Bad Waldseer Lokalmatadoren Luis Grünvogel bei den Männern und Birgit Stangassinger bei den Frauen kamen in der Gesamtwertung jeweils auf einen fünften Platz; in ihren Klassen belegte Grünvogel Rang drei (Männer 20) und Stangassinger Rang 1 (Frauen 40). Natürlich sind sie Stadtmeister.

Das „Familientreffen“
Nach dem Rennen trafen sich Fahrer und Fans ganz familiär in der Versteigerungshalle. Bei Saiten mit Brot, Kaffee und Kuchen und vielen Fachsimpeleien konnte man angenehm die Wartezeit bis zur Siegerehrung überbrücken.

Beifall für Radpionier Roland Hess
Lothar Halder von der LRG-Möhre gab einen kurzen Abriss über die Entwicklung des Rennradsports in Bad Waldsee. Das erste Radrennen organisierte demnach Roland Hess, der mit viel Beifall in der Halle begrüßt wurde. 1986 fand das erste Radkriterium in Bad Waldsee statt und 1988 wurde zum ersten Mal das Zeitfahren auf die Grabener Höhe gestartet.

Prominente Ehrengäste
Zur 30. Auflage des Rennens konnte Halder zwei Ehrengäste begrüßen. Laura Süßemilch, Bahnrad-Weltmeisterin aus Weingarten, erzählte im Interview von ihrem Weg in die Spitze des Radsports und von ihrem schweren Sturz bei der Tour de Femmes. Am Sonntag zeugte nur noch die Halskrause von den schweren Kopf- und Wirbelverletzungen, die sie sich beim Sturz zugezogen hatte; sie ist zuversichtlich, im nächsten Jahr wieder ganz in der Spitze mitzufahren. Markus Kaufmann, der am Zeitfahren als großer Favorit gestartet war und sich dann zum Schluss noch dem jungen Philip Schenk geschlagen geben musste, wurde in den Jahren 2012 und 2016 Deutscher Meister im Mountainbike-Marathon. In dieser Disziplin startete er mehrfach bei Weltmeisterschaften, seine beste Platzierung war dabei ein sechster Rang im Jahr 2015. Mit seinen 41 Jahren ist er immer noch gut dabei und hat Spaß am Rennen.

Die Auswertung der Ergebnisse zog sich, vielleicht wegen der neuen Zeitnahme, etwas in die Länge. Tim und Julia zogen die Lose für die Tombola, Frank Wiest verteilte die Preise und dann kamen die Sieger aufs Treppchen und nahmen ihre Preise und Urkunden aus der Hand von Laura Süßemilch in Empfang.

Die Ära Spieß ist zu Ende
Über der 31. Auflage des Zeitfahrens auf die Grabener Höhe steht noch ein dickes Fragezeichen. Familie Spieß, langjährige Pächter der Gaststätte „Versteigerungshalle“, setzt sich bekanntlich zur Ruhe. Rudi und Susanne Spieß haben die Radsportler mehr als tatkräftig unterstützt – jetzt geht mit ihnen eine Ära zu Ende. Die Macher der LRG-Möhre prüfen, wie es weitergehen kann.

Text / Fotos: Erwin Linder

Die Ergebnisse:

Männer
Philip Schenk 15:44
Markus Kaufmann 15.49
Sebastian Schäfer 16:26
Maximilian Rosenthal 16:34
Luis Grünvogel 17:00

Frauen
Stephanie Wunderle 18:00
Karoline Brüstle 18:52
Anna Dangelmayer 19:36
Conny Zell 21:02
Birgit Stangassinger 21:39

 20G1 Wunderle1

Die Schnellste der Damen: Stephanie Wunderle.

 20G2 Tombola2

Jeder Teilnehmer konnte sich über einen Preis bei der Tombola freuen.

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Moderator Lothar Halder waltet seines Amtes.

20G3 Markus Moderator3

Markus Kaufmann im Gespräch mit Lothar Halder.

 20G4 Markus Kaufmann4

Knapp geschlagen: Favorit Markus Kaufmann.

 20G5 Lydia Ettenhofer5

Lydia Ettenhofer auf den letzten Metern vor dem Ziel. Klasse-Leistung!

 20G6 Laura

Hofft auf eine schnelle Genesung und wieder Spitzensport im nächsten Jahr: Laura Süßemilch.

20G7 Halle Familiäre Stimmung in der Versteigerungshalle.

 20G8Grünvogel

Luis Grünvogel beim Überholen im Schlussanstieg.

 20G9Glückskinder

Glücksfeen Julia und Tim.

 20G10Sieger

Sieger (mit Lothar Halder und Laura Süßemilch): Markus Kaufmann, Karoline Brüstle, Philip Schenk, Sebastian Schäfer (von links).

 

 

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