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Kürnbach - Johannes Lang von den Schlepperfreunden Federbach-Schussen und Edmund Gresser von den Oldtimer-Freunden Michelwinnaden sammeln Oldtimer-Schlepper. Sie sind damit Teil einer erstaunlich großen Community: Alleine in den Landkreisen Biberach und Ravensburg sind heute gut 20.000 Oldtimer-Schlepper zugelassen. Im Kürnbach-Heft „Ab aufs Land“, Ausgabe 2022, findet sich auf Seite 40 ff. ein Interview mit den zwei Oldtimer-Freunden. Mit Erlaubnis des Kreisfreilichtmuseums Kürnbach publizieren wir das Interview hier in der Bildschirmzeitung.

Am 8. Mai hat das diesjährige Oldtimer-Schleppertreffen in Kürnbach stattgefunden. Dank der vielen Kontakte der Schlepperfreunde Federbach-Schussen und dank vieler begeisterter Oldtimerbesitzer in ganz Oberschwaben fanden sich an diesem Tag viele Oldtimer-Schlepper im Museumsdorf ein – vom HeLa bis zum Bulldog, vom Kramer bis zum Fendt-Dieselross. An diesem Tag waren die alten Traktoren bei landwirtschaftlichen Arbeiten und auch sonst in Aktion zu sehen. Technik in Aktion boten am 8. Mai auch die Museumsdampfmaschine sowie historische Kettensägen und Stationärmotoren.

Johannes, Edmund, mit wieviel Pferdestärken seid Ihr denn heute hergekommen?
Johannes Lang: Ich bin mit meinem Ursus von 1957 mit 45 PS gekommen. Das war damals eigentlich eine polnische Raubkopie, da wurde nämlich vor über 60 Jahren ein Lanz Mannheim nachgebaut.
Edmund Gresser: Genauso einen habe ich auch. Deshalb habe ich heute meinen HeLa D47 mitgebracht. Der Motor ist aus dem Jahr 1948 und der Traktor ist von 1949. Was mir daran am besten gefällt: Ich bin überhaupt erst der zweite Besitzer dieses Schleppers.

HeLa und Ursus – sind das für Oberschwaben typische Modelle?
Edmund: Natürlich war der HeLa rund um Aulendorf besonders stark verbreitet – immerhin hat der namengebende Hermann Lanz sie ja dort herstellen lassen. Und in Oberschwaben gab es schon regionale Unterschiede, wobei das in den meisten Fällen eher mit großen Händlern und örtlichen Traditionen zu tun hatte: In Saulgau wurden viele Bautz genutzt, rund um Riedlingen war der Fahr populär.
Johannes: Porsche-Traktoren beispielsweise waren rund um Aulendorf eher selten, im südlichen Oberschwaben aber schon verbreitet. Und der Ursus, den ich heute fahre – das war damals schon ein Exot.

In den Landkreisen Ravensburg und Biberach gibt es heute weniger als 4.000 landwirtschaftliche Betriebe, dafür aber gut 20.000 Oldtimer-Schlepper. Warum begeistern alte Traktoren denn so sehr?
Edmund: Also zu den Zahlen: Ich alleine habe ja schon 13 Schlepper …
Johannes: So viele müssten es bei mir auch sein! (lacht) Also, woher kommt die Begeisterung? Ich würde sagen: Das ist vor allem die Freude an der Technik. Eigentlich sind es drei Sachen, die einem Sammler bei Oldtimer-Schleppern richtig Spaß machen: Erstens den Wunsch-Schlepper finden, zweitens ihn zu reparieren und restaurieren – und drittens ihn dann natürlich auch zu zeigen.
Edmund: Das Zeigen hat während Corona arg gefehlt, es gab ja 2020 und 2021 so gut wie keine Schleppertreffen und deshalb auch keinen Kontakt zu anderen Schlepperfans. Wie schön, heute den HeLa anzuwerfen und ins Museumsdorf zu fahren!
Johannes: Ganz ehrlich: Das ging mir auch so. Ich habe mich richtig gefreut!

Bei Schleppertreffen geht es also nicht nur um Sehen und Gesehen-Werden?
Johannes: Natürlich möchte man seinen eigenen Schlepper herzeigen und es ist auch immer interessant, andere Oldtimer-Schlepper zu sehen. Aber es geht bei den Schleppertreffen auch um die Gemeinschaft, dass man Leute mit dem gleichen Interesse treffen kann ...
Edmund: … und sich mit ihnen austauschen kann, wenn man zum Beispiel Fragen oder Probleme bei Reparaturen hat. Oder wenn man auf der Suche nach jemanden ist, der einem bei der Reparatur seines Schleppers helfen kann.

Stören dann etwa Besucherinnen und Besucher beim Kürnbacher Schleppertreffen, die gar keinen eigenen Oldtimer besitzen?
Edmund: Nein, ganz im Gegenteil. Es macht immer Spaß, Besuchern ohne Oldtimer-Erfahrung die alte Technik zu zeigen und zu erklären.
Johannes: Absolut. Bei den alten Maschinen kann man noch sehr vieles von außen sehr anschaulich erläutern. Für viele Besucher sind das echte Aha-Erlebnisse. Diesen Effekt erzielt man bei Oldtimer-Sammlern, die selber schrauben, natürlich nicht mehr.

Die Schlepperfreunde Federbach-Schussen sind ja Mitorganisator des Kürnbacher Schleppertreffens. Was macht Ihr denn genau?
Johannes: Wir hatten ja früher unser eigenes Schleppertreffen und fahren regelmäßig auf solche Treffen. Daher haben wir Kontakte in ganz Deutschland. Außerdem kennen wir die Erwartungen von den Fahrern an so ein Schleppertreffen – was beispielsweise beliebte Programmpunkte sind.
Edmund: … wie zum Beispiel das Campieren und ein Bierchen am Abend … (lacht)
Johannes: Genau, bis hin zum Übernachten. All das haben wir mit in die Veranstaltungsorganisation beim Schleppertreffen im Museumsdorf eingebracht. Und so organisieren wir für anreisende Clubs ein Rahmenprogramm vor dem Treffen, bieten rund um das Windrad einen beliebten Treffpunkt samt Verpflegung für Schlepperfahrer. Außerdem helfen wir bei der Veranstaltung selbst natürlich tatkräftig mit, beim Einweisen der immer gut über 300 Schlepperfahrer, die aus Nah und Fern kommen, genauso wie bei landwirtschaftlichen Vorführungen.
Edmund: Und, das muss man ja auch ganz ehrlich sagen: Ein Schleppertreffen vor so einer Kulisse, zwischen Schauäckern und alten Bauernhäusern mit Strohdach – das gibt es halt so schnell nicht nochmal. Das ist etwas wirklich Besonderes!

Text / Fotos: Museum Kürnbach

Das Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach bei Bad Schussenried hat bis 31. Oktober 2022 täglich geöffnet von 10.00 bis 18.00 Uhr. Dann geht es in die Winterpause.

 05K Gresser kurbelt Schlepper an

Edmund Gresser kurbelt seinen Hela an. 

 05K Gresser fährt

Edmund Gresser und Johannes Lang düsen durchs Museumsdorf Kürnbach.

 05K Gresser und Lang INT

Johannes Lang hat einen Jung-Oldtimerfan zum Interview mitgebracht.

 05K Schaufeld

Oldtimer am Schaufeld. Man beachte den historischen Pflug rechts am Bildrand. 

05K Schleppernasen Wiese

Schlepperparade im Maien-Schmuck. 

05K Schlepperparade 2022In Reih und Glied: am 8. Mai 2022 in Kürnbach.

 05K Unimogs

Auch Unimogs waren beim Oldtimertreffen in Kürnbach zu sehen.

 

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