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Bad Waldsee - Nach 18 Jahren ist Schluss: Waldsees Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung am Montag dem Antrag von CDU-Stadträtin Rosa Eisele auf Ausscheiden aus dem Gremium zu. Das Bedauern über ihren Entschluss und die große Wertschätzung für die Person Eisele war in allen Dankes- und Abschiedsreden herauszuhören. OB Matthias Henne fiel es hörbar schwer, die ebenso engagierte wie beliebte 67-Jährige aus ihrem Amt zu entlassen.

Das Stadtoberhaupt würdigte Eiseles „langjähriges Eintreten für die Bürgerschaft und die Belange dieser Stadt, allen voran die Ortschaft Haisterkirch“ und sagte wörtlich: „Sie haben einen Teil von unserem liebenswerten Städtle und der Ortschaft Haisterkirch mit geprägt und hier Ihren ganz persönlichen Fingerabdruck hinterlassen.“ Für Rosa Eisele rückt Matthias Covic in den Gemeinderat auf. Er soll, wie Eisele der „Bildschirmzeitung“ sagte, in absehbarer Zeit auch im Ortschaftsrat ihr Nachfolger werden. Ihr Stellvertreter ist der 36-Jährige dort schon. Natürlich haben die Wahlbürger und die Ortschaftsräte hier das entscheidende Wort.

Das muntere Wechselspiel im Waldseer Gemeinderat geht also weiter. Nach Dominik Souard (FWV, Nachrücker Dirk Eberhard) und Edmund Gresser (CDU, Nachrücker Markus Sigg) ist Rosa Eisele bereits das dritte Stadtratsmitglied – und das zweite von der CDU –, das während der laufenden Amtszeit seinen Abschied nimmt. OB Henne wird das langsam zu viel. Halb ernst, halb lustig merkte er an, dass „ich in meiner doch noch jungen Amtszeit nun bereits das dritte Mal hier vorne stehe, um eine Person aus dem Gemeinderat zu verabschieden“. Das, so das Stadtoberhaupt, sei nun aber „auch ausreichend bis zur nächsten Kommunalwahl 2024“.

Besonders überraschend kommt Rosa Eiseles Rückzug jedoch nicht. Schon vor Jahresfrist hatte es alle Überredungskünste, auch von Henne höchstpersönlich gebraucht, um Eisele noch einmal umzustimmen. Jetzt war die Zeit für die umtriebige Kommunalpolitikerin endgültig gekommen. Als Gründe für ihren Rückzug nannte die 67-Jährige „das Alter“, „das Verheiratetsein“ und das „vierfache Oma-Sein“.

Mit Matthias Covic steht ihr Nachfolger schon in den Startlöchern. Bereits nach der letzten Kommunalwahl hatte Rosa Eisele angekündigt, „nach zweieinhalb Jahren für einen jungen Menschen Platz zu machen“.

Die Verdienste von Eisele sind vielfältig. Knapp 18 Jahre gehörte sie dem Gemeinderat an (OB Henne: „Hätten Sie doch nur noch zwei Jahre gewartet, dann hätte ich Ihnen heute die Bürgermedaille überreichen können. Die hätten Sie zweifellos verdient“), seit mehr als 28 Jahren außerdem dem Ortschaftsrat Haisterkirch. Dort wurde sie am 12. Januar 2005 zur Ortsvorsteherin gewählt. Das wird Rosa Eisele bis auf Weiteres auch bleiben.

Seit der letzten Kommunalwahl saß Eisele im Ausschuss für Umwelt und Technik, außerdem im Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft mit Bergatreute, sie gehörte dem Ausschuss des Museums- und Heimatvereins an, der Baumkommission, dem B 30-Ausschuss, dem Arbeitskreis Soziale Hilfen, war Mitglied im Arbeitskreis Kleine Galerie und der Verbandsversammlung Obere Schussentalgruppe.

Besonders hervor hob Matthias Henne Rosa Eiseles Wirken in der Fairtrade-Gruppe, der sie seit 2014 angehörte. „Ohne den Einsatz und das Engagement von Ihnen und weiteren Gründungsmitgliedern hätte die mittlerweile sehr bedeutsame und wichtige Fairtrade-Gruppe nicht entstehen können“, sagte das Stadtoberhaupt. Vor allem aber galt Eiseles Einsatz und Liebe „ihrem“ Haisterkirch. Als herausragendes Beispiel erwähnte der OB dabei ihr Engagement für den Erhalt der Kapelle Osterhofen, darunter die Gründung des Fördervereins, die Akquirierung von Spendengeldern und die legendäre „Sebastiane-Gulaschsuppe“, die ihr Ehegatte zu diversen Anlässen kochte.

Auch wenn zur Bürgermedaille noch zwei Jahre Gemeinderat fehlten (und es deshalb keine Bürgermedaille gab), wurde Rosa Eisele reich beschenkt. Neben der obligaten Armbanduhr mit Gravur und städtischem Logo von René Auer gab es eine Flasche „Waldsee-Sekt“, einen rosafarbenen Blumen-Strauß und einen Gutschein für das nächste Narrenrecht-Abholen.

Das originellste Geschenk aber war zweifellos die „Rosa-Bank“, ein Gemeinschaftswerk von Armin Brutschin und Frieder Skowronski aus 200 Jahre altem, „noch patschnassem Eichenholz aus dem heimischen Schorren“ (Henne). Waldsees Stadtoberhaupt empfahl das „Rosa-Holzbänkle“ zum Verweilen und zum Genießen "der neu gewonnenen Zweisamkeit“ – und dafür, „dass Sie Ihre Zeit im Gemeinderat nicht ganz vergessen“.

Michael Kaiser

 26Rosa OB BankHOCH

OB Henne übergab namens der Stadt eine eichene Sitzbank (Henne: "Zeichnet sich natürlich durch oberschwäbische Beständigkeit aus"), in die zwei Rosen eingefräst sind, und einen rosafarbenen Blumenstrauß. Foto: Brigitte Göppel (Stadt)

 

 

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