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Reute-Gaisbeuren - Donnernder Schwerlastverkehr, ein überproportionales Aufkommen an PKW-Verkehr und die Frequenz des derzeitigen Schienenersatzverkehrs; all das raubt den Bewohnern von Reute-Gaisbeuren derzeit den Schlaf. Um in einem gemeinsamen Austausch, Lösungen zu avisieren, organisierte die Interessensgemeinschaft L 285 ein Treffen mit Vertretern der Stadtverwaltung Bad Waldsee und den Ortschaftsräten. Als Repräsentanten der Landesregierung nahmen August Schuler (CDU) und Raimund Haser (CDU) an der Diskussionsrunde in Gaisbeuren teil.

 

 

Das Organisationsteam um Steffi Rist und Elisabeth Ziegler hatte sich für diese Runde akribisch vorbereitet, Zahlen aufgearbeitet und mit eingespielten Videosequenzen die Problemstellen anschaulich dargestellt. Ein besonders gefährlicher Straßenabschnitt befindet sich beim Spätenhof, waghalsige Überholmanöver und überhöhte Geschwindigkeit haben in diesem Bereich schon zu Unfällen mit tödlichem Ausgang geführt. Ein weiterer, neuralgischer Punkt, ist die Kreuzung Eisenfurter Straße – Elisabeth-Adler-Straße.

 

 

Die Forderungen der Interessensgemeinschaft waren durchaus moderat. Temporeduzierungen, Geschwindigkeitsmessgeräte und Tempo 30 nachts, zwischen 22 und 6 Uhr und ein Überholverbot zwischen Gaisbeuren bis Wallenreute, hatten sie in ihren Veränderungskatalog aufgenommen. Mit diesen Maßnahmen soll die permanente Lärmbelästigung verringert und die Verkehrssicherheit, vor allem für Schulkinder, deutlich verbessert werden.

 

 

Bürgermeister Matthias Henne bestätigte, in seiner kurzen Begrüßung, die Dringlichkeit zur Lösung des Problems. Um weitere, fundierte, Erkenntnisse zu gewinnen, wurde die Stadtverwaltung Bad Waldsee mit der Erhebung von aufklärenden Fakten beauftragt. Martin Gratz führte dabei die bereits durchgeführten Veränderungen am Streckenverlauf der L 285 auf und Jürgen Bucher erläuterte die Beschaffenheit der Straße. Nach bautechnischen Gesichtspunkten ergebe sich für ihn eine relativ sichere Verkehrsnutzung, die der Breite, der großzügigen Kurvengestaltung und der ebenen Beschaffenheit geschuldet seien. In seinem Schlusswort beschrieb er die vorgetragenen Argumente der Interessengemeinschaft als eine „subjektiv andere Wahrnehmung“. Aufgrund des MELAP Protokolls aus dem Jahr 2006 entstand für die damalige Soloortschaft Reute bereits eine Beschlussvorlage zur Verbesserung der dortigen Verkehrssituation, die seit dieser Zeit der Bad Waldseer Stadtverwaltung zur Umsetzung, vorliegt.

 

 

Die Krux an der Geschichte sind schlichtweg die Zahlen. Nach Recherchen von Elisabeth Ziegler stammen die Zahlen aus dem Jahr 2009, die derzeit vom Verkehrsministerium zugänglich gemacht werden. Die darin ausgewiesene Fahrzeugfrequenz beruhe aber nicht auf realistischen Messungen, sondern vielmehr auf Schätzungen und Fortschreibungen. Dabei habe sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verschärft.

 

Die Umleitung der B32 und die Ansiedlung der Firma Carthago habe Reute-Gaisbeuren, verkehrstechnisch, den Supergau beschert. Eine, von Gratz im Januar 2020, durchgeführte Verkehrszählung umfasste lediglich den Zeitraum von einer Woche und kann somit keine repräsentativen Ergebnisse aufzeigen.

 

Das, von Bucher immer wieder erwähnte Lärmgutachten, müsse nun neu erstellt werden: „Ein Lärmgutachten muss alle fünf Jahre wiederholt werden“. Die Recherchen ergaben in diesem Zusammenhang, dass im Jahr 2013 ein solches Gutachten erstellt wurde und somit 2018 hätte fortgeschrieben werden müssen. Warum die Kommunalverwaltung dies versäumt hatte, blieb ungeklärt.

 

Bucher verwies in seinen Ausführungen zudem auf den Gleichheitsgrundsatz: „Wenn wir das für Reute-Gaisbeuren durchführen, müssen wir ganz Bad Waldsee im Blick haben“ argumentierte er und Raimund Haser stimmte ihm dahingehend zu, dass die große Kreisstadt in der Tat ein Verkehrsprobleme habe. In diesem Zusammenhang versäumte es Bucher jedoch, darauf hinzuweisen, dass die Kernstadt dabei vom Schwerlastverkehr weitestgehend verschont bleibt.

 

 

Raimund Haser fasste die Gespräche zusammen und brachte sie zielgenau auf den Punkt. Seiner Ansicht nach, werde das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren nicht weniger werden. Sei es der zunehmende Schwerlastverkehr oder die privaten Berufspendler, das Fahrzeugvolumen werde sich erhöhen.

Seine Bitte an die Stadtverwaltung lautete deshalb: „Widmen Sie sich den Zahlen, um sie zu aktualisieren“. Kleinere Maßnahmen seien in diesem Zusammenhang eindeutig in der Kompetenz der Stadt anzusiedeln und eine Geschwindigkeitsreduktion auf Tempo 30 zwischen 22 und 6 Uhr könne auf Antrag genehmigt werden, denn „Nachts müssen Menschen auch schlafen dürfen“. Dennoch mahnte er, das Große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und sich um Einigkeit bezüglich eines möglichen Trassenverlaufes zu bemühen. „Es wird immer nur da gebaut, wo die Bevölkerung das auch will“, lautete sein Schlusswort zum Endziel der Interessensgemeinschaft; einer Ortsumgehung für Reute-Gaisbeuren.

 

Bericht und Foto Christine Hofer-Runst

 

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