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Bad Waldsee – Als ich samstags kurz vor 13 Uhr an der Kirche mit dem Rad eintreffe und es dort anschließe, ist schon einiges los.

 

Zur Mittagszeit bilden sich Schlangen an den Essensständen und Christoph Liebmann, Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, den ich an der Bühne im Klosterhof treffe, zieht ein vorläufiges Fazit, Er freue sich, dass das Angebot so gut angenommen werde, hier und beim Rathaus. Es sei schön, dass so viele Leute kommen: „es scheint, dass wir das richtige Programm zusammengebaut haben.“.

Auch trage das gute Wetter dazu bei, nicht zu heiß, bemerkt er noch. Dann treten schon die Mädels, Abteilung Geräteturnen vom TSV Reute in Aktion. Ihre Show mit Saltos, Handstand, Überschlag und mehr freut die kleinen Zuschauer vorne an der Bühne und auch die Erwachsenen in der zweite Reihe auf den Bänken sitzend. 15 Minuten Akrobatik pur der Vize-Landesmeisterinnen

Der Vorstand des TG Bad Waldsee Christoph Rauhut erklärt den nächsten Programmpunkt. World Jumping auf dem Trampolin ist ein effektives Training für Bauch, Beine, Po und Rücken, sorgt für Beweglichkeit und verbessert die Koordination. Flotte Rhythmen und spezielle World Jumping-Highspeed-Trampoline sorgen dafür, dass bei den Übungen Herz und Kreislauf ordentlich in Schwung kommen und mehr Fett verbrennen als beim Joggen. Mitmachen kann jede/r ab 14 Jahre, egal mit welcher Fitness zu Beginn.

Die Frauen dieser Vorführung werden mit rhythmischem Klatschen angefeuert und mit tosendem Applaus verabschiedet. Karla Kolumna, der rasende Reporter in gelber Hose, blauer Pulli und schwarzer Perücke gekleidet, ist noch auf der Suche nach Eindrücken und Lebensweisheiten zum Bürgerfest für sein Freundebuch. Der Oberbürgermeister Matthias Henne hat schon den prominenten Anfang gemacht, aber es sind noch einige Seiten zu füllen. Walter Störk steht mit seiner Frau auch ganz vorne an der Bühne, als die Bläserklasse der Realschule auftritt. Sein Enkel Paul ist mit der Zugposaune dabei und dirigiert wird das jugendliche Ensemble von Claudia Bösch. Auch das Museum im Kornhaus ist geöffnet, das derzeit noch bis 7. August die Arbeiten des Malers Jörg Eberhard ausstellt. Jetzt wird jedoch Theater „Bier für Frauen“ aufgeführt. Frauen schreibt Ingo G. in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung sollten keinen Alkohol trinken.

Trinken sie Bier, werden sie albern, dann träge, und sind dann zu nichts mehr zu gebrauchen. Bei uns Jungs ist es anders. Wir verstehen es, haben wir erst einige Biere getrunken, den Abend mit interessanten, tiefgründigen Gesprächen ausklingen zu lassen.“ Das Rollenspiel der drei Darsteller:innen stellt seine Weisheit auf den Kopf. Hör auf zu trinken, wenn ich spreche, sagt sie und er antwortet wer? Auf ihre Einlassung „Gesellschaft ist immer auch Chaos und nicht nur Ordnung“, dreht sich der Dialog im Kreis mit Fragen oder was oder wen und du hast doch angefangen. Ein Hörgerät würde dir gut stehen, rät der Mann und setzt nach: wer nicht sieht, hört besser. Auch das Publikum wird provoziert: „Es ist gar nichts lustig, ob sie lachen oder nicht, einfach traurig.“

Es folgen auf der Bühne Handgreiflichkeiten mit klatschenden Ohrfeigen. Zum Schluss ist die Depression das Thema, ich wollte aus dem Fenster springen, kann nix mehr schön finden, ohne was getrunken zu haben. Ich sollte unbedingt mal woanders hingehen, Biberach und Bad Saulgau ist auch nicht schlecht. Und wo liegt eigentlich Aulendorf.

Der Weisheit letzter Schluss, gestern habe ich mit meinem Leben abgeschlossen: „Ich kann nicht klagen.“ Vielleicht weil es Freibier für Frauen gibt, ist die Vorführung bis zum letzten Platz besetzt. Draußen auf der Rathausbühne spielt der Musikverein aus Sigmaringendorf, dem Ort, den der Bürgermeister Henne verließ, bevor er nach Bad Waldsee kam.

Bis 1 Uhr nachts gibt es Angebote vom Streetfood-Markt. Pakora-Teller und Chickenspieße sind schon aus, aber Cicken- und Lammcurry ist noch im Angebot. An anderen Ständen wird Eistorte, Zuckerwatte, Longdrinks und Crèpes, Spiralkartoffeln und Chips am Spieß verkauft. Italienisches Porchetta (Spanferkel) und Wagyu Burger stehen in Konkurrenz der Gaumenfreude zu echt schwäbischen Kässpätzle. Morgen noch ein Tag Bürgerfest und Ende dieses Monats folgt schon das traditionelle Altstadt – und Seenachtsfest.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 

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