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Bad Waldsee - Bad Waldsee will sich selbst auf dem Energiemarkt umschauen und Gas sowie Strom ab dem 1. Januar 2023 auf eigene Rechnung beziehen. Damit wird sich die Stadt, anders als bisher, nicht mehr an der so genannten Bündelausschreibung des Landkreises, einer Art Einkaufsgemeinschaft für die Kommunen im Kreis, beteiligen. So beschloss es der Gemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung in seiner Sitzung am Montag.

Im Moment bezieht Bad Waldsee seinen Strom von den Gemeindewerken Oberhaching, das Gas kommt von der Thüga. Beide Verträge laufen zum Ende des Jahres aus. Nun hat der Landkreis Ravensburg seinen Gemeinden erneut eine Sammelbestellung für (Öko-)Strom und Gas angeboten. Die Zentrale Vergabestelle des Landratsamtes übernimmt dabei die Ausschreibung stellvertretend für die teilnehmenden Kommunen. Die Laufzeit hätte wieder zwei Jahre betragen (1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024).

Schon in der Sitzungsvorlage hatte die Rathausspitze einen anderen Weg empfohlen. Dort heißt es: „Aufgrund der turbulenten und äußerst schwierigen Situation auf den Energiemärkten wird die Bündelausschreibung von der Verwaltung kritisch gesehen.“ Zum einen, weil diese „eine starre Laufzeit von zwei Jahren“ vorsehe und zum anderen, weil sie „inhaltlich nicht an die aktuellen Umstände angepasst“ worden sei. Die Ausschreibungskriterien, fasste Monika Ludy die Bedenken in der Sitzung zusammen, seien einfach „zu starr“. Die Bürgermeisterin plädierte auch für unterschiedliche vertragliche Laufzeiten bei Öl und Gas.

Nach „Gesprächen mit einem regionalen Dienstleister“, der bereits für zwei größere Städte im Kreis die Energie beschafft, sei man deshalb zu der Überzeugung gelangt, aus der Bündelausschreibung auszusteigen. Stattdessen will man jetzt selbst auf dem Energiemarkt tätig werden, wird für die Ausschreibung bzw. Beschaffung von Strom und Gas aber einen „Dienstleister“ hinzuziehen. Auf Nachfrage von Stadtrat Schultes bekam der „regionale Dienstleister“ auch einen Namen: es sind die TWS, die Technischen Werke Schussental.

Eine große Diskussion gab es im Rat nicht. Grünen-Stadtrat Jörg Kirn („Wir haben kein Energieproblem, sondern ein fossiles Abhängigkeitsproblem“) hat trotzdem Bauchschmerzen. Er hätte die ganze Energie- und Klimathematik gerne mal grundsätzlicher besprochen. Schon kürzlich, bei der Verabschiedung der Klimapolitischen Leitlinien der Stadt und der Fortschreibung des Lärmaktionsplanes hatte er ähnlich argumentiert.

Kirn erinnerte an den überfälligen Transformationsplan der Stadt, also den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien – und unterstrich dessen Notwendigkeit mit einem kleinen, aber feinen Beispiel: „Wenn im Gymnasium der Wasserhahn aufgedreht wird, springt in der Heizzentrale der Gasbrenner an.“

OB Matthias Henne widersprach dem Eindruck der Untätigkeit. Im Gegenteil, man verfolge den Klimaschutz „mit großem Nachdruck“, sagte der Rathauschef und kündigte „mehr Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden“ an. Dafür sollen im nächsten Haushalt entsprechende Mittel bereit gestellt werden.

 

(mik)/Michael Kaiser

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