DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Zur vom Kreistag beschlossenen Schließung des Krankenhauses Bad Waldsee

Wenn ich an das Krankenhaus Bad Waldsee denke, kommt mir folgende Szene vor die Augen:

Vor 20 Jahren, in der Fasnetszeit, verstarb mein Vater, in der Stadt weithin bekannt als „Seebär“, im Krankenhaus in Bad Waldsee. Kinder und Enkelkinder konnten ihren „Seebär“ in der Sterbephase täglich besuchen und ihn auf seinem letzten Weg begleiten. In dieser Zeit lag auch unser ehemaliger Sammlerkönig „Springe“ im Krankenhaus in Waldsee. In der Anfangsphase ihrer letzten Lebenswege konnten die Beiden auf Bitten der Angehörigen noch ein paar Tage im gleichen Zimmer sein.

Folgender Dialog entspann sich:

Springe zu Seebär: „So, bisch au do.“
Seebär zu Springe: „‘s goht drgega.“ (doppeldeutig)
Springe zu Seebär: „Hanget d’ Fähnala scho?“
Seebär zu Springe: „Jo.“
Springe zu Seebär: „Denn isch jo Alles gut.“

Dieses Bild und den Anfangstext des „Waldseer Liebesliedes“ von Wigge Groß (sen.) und Ernst Fuchs „Alles wird gut, liebe kleine Stadt, wenn man bei Dir ein Kämmerlein hat …“ vor Augen, packt mich der kalte Zorn, wenn ich an die Schließung des Waldseer Krankenhauses denke. Es wird den Waldseern nicht nur verantwortungslos die regionale Krankenhausversorgung weggenommen, sondern auch dieses von den Ur-Waldseern Wigge Groß und Ernst Fuchs besungene letzte Kämmerlein.

Wie kann jetzt in schwierigen Krankheitslagen oder in Sterbephasen die mentale Unterstützung der Angehörigen und Freunde funktionieren? Da ist nichts mit Kurz-nach-Feierabend-hinterm-See-einen-Krankenbesuch-oder-eine-Sterbebegleitung-Machen“. Da heißt es, im Berufsverkehr und in emotionaler Stress-Situation nach Wangen oder Ravensburg in einen anonymisierten Krankenhausmoloch zu fahren.

Die ärztliche und pflegerische Betreuung im Krankenhaus in Waldsee war fachlich und empathisch eine Klasse für sich! Dafür herzlichen Dank.

Und da kommt ein grüner Gesundheitsminister, der die Sozialkompetenz vermutlich mit Löffeln gefressen hat, diskreditiert ein demokratisches Gremium sinngemäß mit diesen Worten, „werte Kreisräte, Ihr könnt abstimmen, wie Ihr wollt, aber von mir wird es für das Krankenhaus Bad Waldsee keinen Cent geben“, und zerschlägt eine identitätsstiftende Einrichtung. Waldsee hat nicht nur ein „Kämmerlein“ verloren, sondern einen wesentlichen Standortvorteil im Ranking der Kurstädte. Inwieweit Herr Lucha entsprechend seinem Amtseid nach „Bestem Wissen und Gewissen“ gehandelt hat, sei dahingestellt.

Und in diesem Gesamtkontext werden landauf, landab positive dezentrale Strukturen, die mit Steuergeldern und hohem persönlichem Einsatz von Einzelnen und Organisationen aufgebaut wurden, ohne Not von unfähigen Entscheidungsträgern vernichtet.

Albert Ehrhart, Göppingen (gebürtiger Waldseer)

 

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­