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Bad Waldsee (dbsz) - Die Bürgerinitiative Krankenhaus (BIK) hat eine Zwischenbilanz zum Beschluss des Kreistages, das Krankenhaus Bad Waldsee zu schließen, gezogen. In dem Kommuniqué skizzieren die sieben Autoren den Weg zum Beschluss, nennen fehlerhafte Basisannahmen und prognostizieren eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung der Einwohnerschaft im Nordwesten des Landkreises. Das Statement der BIK trägt die Überschrift „Das Bauernopfer wurde zur Schlachtbank geführt – Chronologie eines politischen Versagens“. Die Bildschirmzeitung (DBSZ) veröffentlicht das Papier in voller Länge (die Zwischentitel stammen von der Redaktion der DBSZ). Hier der Wortlaut des BIK-Statements:

Nun ist es also amtlich. Das Krankenhaus in Bad Waldsee wird im September 2023 endgültig und unwiederbringlich geschlossen. So hat der Kreistag am 31. Mai 2022 in seiner Sitzung in Schlier-Wetzisreute mehrheitlich entschieden.

  1. Was ist im Vorfeld passiert und wie konnte es so weit kommen?
  2. Welchen Nutzen soll die Schließung Bad Waldsees für den verbleibenden, nur noch aus zwei Häusern bestehenden Verbund der OSK mit sich bringen?
  3. Wie soll künftig eine vernünftige medizinische Versorgung der Bevölkerung in Bad Waldsee, Bad Wurzach, Aulendorf und Umgebung erreicht werden?

Rückblick auf einen unheilvollen Prozess
Die Liste der offenen Fragen könnte beliebig fortgeführt werden, worauf aus Platzgründen verzichtet wird.
Zu den oben gestellten Fragen:

  1. 2012 wurden in einer emotional geführten Debatte und unter Einbeziehung eines durch den Kreistag beauftragten Gutachtens der Firma BAB die Krankenhäuser in Isny und Leutkirch geschlossen. Als Gründe mussten bereits damals der Fachkräftemangel und die fehlende Wirtschaftlichkeit herhalten. Im vergangenen Jahr wurde der Standort „Heilig-Geist-Spital“ in Ravensburg durch die OSK aufgegeben. Die dort ansässige „geriatrische Rehabilitation“ wurde bis auf Weiteres an den Standort Elisabethenkrankenhaus verlegt. Die angeführten Gründe: Fachkräftemangel und fehlende Wirtschaftlichkeit. Ebenfalls im vergangenen Jahr entstand die Debatte um die Fortführung der Kliniken in Bad Waldsee und Wangen. Der Vorschlag, das Haus in Bad Waldsee zu schließen, wurde durch den Kreistag nicht auf Anhieb akzeptiert. Es sollte ein Gutachten erstellt werden, welches Szenarien entwickeln sollte, ob die OSK künftig mit drei Häusern, also Ravensburg, Wangen und Bad Waldsee, mit zwei Häusern, somit Ravensburg und Wangen, oder gar als Einhaus-Zentrum nur mit Ravensburg als medizinischem Leuchtturm des Landkreises in die Zukunft gehen soll. Wobei letzter Vorschlag durch die Gutachter selbst erstellt und nicht durch den Kreis beauftragt wurde. Das Ergebnis dieses Prozesses ist bekannt, Ravensburg und Wangen bleiben erhalten und Bad Waldsee wird geschlossen.
  2. Die in Bad Waldsee arbeitenden Fachkräfte sollen sich mehrheitlich auf die beiden verbliebenen Häuser in Ravensburg und Wangen verteilen, um dort den personellen Notstand zu verringern. Durch die Zentralisierung auf zwei Häuser und die Verringerung von mehrfach vorgehaltenen, medizinischen Leistungen verspricht sich der Kreistag eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in Ravensburg und Wangen.
  3. In Bad Waldsee soll ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum entstehen, was bedeutet, dass sich mehrere Fachärzte an einem gemeinsamen Standort bündeln, um ein breites Spektrum an medizinischen Leistungen anzubieten.

Soweit die aufgeführten, prognostizierten Vorteile durch das Gutachten der Fa. BAB und die vorgetragenen Ausführungen der Befürworter dieses Vorschlags in der Kreistagssitzung vom 31. Mai. Nachfolgend erläutern wir unsere Sicht der Dinge auf diesen Findungsprozess.

„Die Gutachter haben 2012 falsch gelegen“
zu 1.: Die in dem Gutachten der Fa. BAB 2012 prognostizierte, sich dadurch wesentlich verbessernde Finanzsituation der Klinik in Wangen trat niemals ein. Statt den von den Gutachtern in Aussicht gestellten „schwarzen Zahlen“ beträgt das Betriebsergebnis des Wangener Krankenhauses bis heute mehrere Millionen € Verlust pro Jahr. Wenn also das damalige Gutachten bereits so weit von der Realität entfernt war, wie kann man dann auf die Idee kommen, dieselben Gutachter ein weiteres Mal und für viel Geld in dieser so elementaren Angelegenheit zu beauftragen? Auf Anfrage im Kreistag, warum die damaligen Vorhersagen falsch waren, lieferte BAB mit der Begründung, „weil es nicht wortgerecht umgesetzt wurde“, auch gleich den Grund für ein Nichtzutreffen der jetzigen gutachterlichen Expertise.

„Die Personalprognose wird nicht eintreffen“
zu 2.: Die Fachkräfte aus Bad Waldsee werden sich nicht beliebig zwischen den einzelnen Standorten der OSK hin- und herschieben lassen. Vielmehr wird es so sein, dass sich die überwiegende Mehrheit anderweitig um eine Beschäftigung bemüht und sich von der OSK abwendet. Zumindest ist dies der eindeutige Tenor aus all den Gesprächen, die wir mit den Menschen vor Ort geführt haben.

„Die Patienten springen ab“
Auch die Patientenströme werden sich zu Ungunsten der OSK verschiebenden und die Menschen dieser Region werden andere medizinische Angebote wahrnehmen.

„Betriebswirtschaftlich unsinnig“
Bei der Frage nach der wirtschaftlichen Verbesserung des Gesamtverbundes durch die Schließung seines bis dato und seit vielen Jahren „besten Hauses“, stellt sich die nächste Frage, nämlich wie man zu dieser Einschätzung kommen kann. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist dies Humbug. Welcher Unternehmer würde bei einer Restrukturierung seines Unternehmens den am besten funktionierenden Teil schließen?

„MVZ? Wir sehen schwarz“
zu 3.: Die Funktionalität eines Medizinischen Versorgungszentrums obliegt den Institutionen, die dies mit Leben füllen sollen. Dazu benötigt es Kassenärztliche Sitze in mehreren Fachrichtungen und dazu die entsprechenden, niedergelassenen Ärzte mit der Bereitschaft, sich dort anzusiedeln. Den unzählige Male vorgetragenen Lippenbekenntnissen sämtlicher Befürworter, sofort mit dem Aufbau eines solchen MVZ zu beginnen, darf getrost Zweifel entgegengebracht werden. Weder sind die benötigten Kassensitze derzeit umfänglich vorhanden noch sind die benötigten Ärzte „am Markt“. Die hohe Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte in und um Bad Waldsee ist ein weiterer Aspekt, warum dieser Weg nicht in absehbarer Zeit umgesetzt werden kann. Außerdem sind die von Krankenhäusern betriebenen MVZs in diesem Land mehrheitlich defizitär und benötigen wiederum das vielfach nicht vorhandene Fachpersonal.

Arrogant und undemokratisch
Gesundheitsminister Lucha hat in der Kreistagssitzung vom Dezember 2021 in einer nicht zu überbietenden Arroganz und mit offensichtlich nicht vorhandenem demokratischen Grundverständnis seine Sicht der Dinge formuliert. „Werte Kreisräte, ihr könnt abstimmen wie ihr wollt, aber von mir wird es für das Krankenhaus Bad Waldsee keinen Cent geben.“

Ignorant und willfährig
Sämtliche, von der Stadt Bad Waldsee und der Bürgerinitiative Krankenhaus Bad Waldsee vorgebrachten Gründe für den Erhalt des Standorts Bad Waldsee wurden ignoriert. Die meisten der von uns gestellten Fragen zur Begründung der Schließung und dem künftigen Status Quo unserer Region wurden gar nicht oder unzureichend beantwortet. Es bleibt der Eindruck einer so gewollten und nur durch ein Gutachten untermauerten Entscheidung mit einem mehr als faden Beigeschmack zurück, wobei sich der Kreis das Geld für das Gutachten hätte ersparen können, da es lediglich die Vorgaben des Ministers Lucha umsetzt.

Vereinbarung zu Lasten eines Dritten
Dass das Allgäu erst kurz vor der entscheidenden Sitzung und nach dem Zugeständnis seitens des Kreistags zum Erhalt der Geburtsstation und der Notfallversorgung in Wangen für den Vorschlag 3 gestimmt hat, also somit für 3++, ist ein weiteres Indiz für ein unausgegorenes, vorschnelles Handeln. Wäre dies nicht vorab vereinbart worden, so hätte das Allgäu wohl dem Vorschlag 3 nicht zugestimmt. Dies hätte bedeutet, dass es keine Mehrheit dafür gegeben hätte und somit alles beim Alten inklusive dem Standort Bad Waldsee geblieben wäre. Somit darf man Bad Waldsee getrost als das Bauernopfer, vereinbart zwischen Schussental und Allgäu, bezeichnen.

Lächerliche Differenz
Die finanzielle Differenz zwischen Szenario 2, also dem teilweisen Erhalt Bad Waldsees und dem nun entschiedenen Szenario 3++ beträgt lediglich dreihunderttausend Euro. Wohlweislich prognostiziert von den Gutachtern, welche sich auch in der Vergangenheit massiv in ihren Einschätzungen getäuscht hatten. Bei einem Haushalt des Kreises Ravensburg, von über vierhundert Millionen also ein unglaublicher Witz. So viel zur Wertschätzung der Menschen in diesem unsäglichen Prozess.

„Wir danken unseren Unterstützern“
Wir bedanken uns ausdrücklich bei denen, die sich für den Erhalt des Krankenhauses in Bad Waldsee eingesetzt und im Kreistag dafür abgestimmt haben. Für den Erhalt gestimmt haben sämtliche Vertreter aller Fraktionen aus Bad Waldsee, sämtliche Mitglieder der SPD und mehrere Vertreter von den Grünen, der ÖDP und der Partei Die Linke. Dagegen gestimmt haben mehrheitlich die Fraktionen der CDU (ca. 90 %), der Freien Wähler (ca. 70 %) und der FDP (100 %). Ebenso bedanken möchten wir uns bei den Mitgliedern der Interessengemeinschaft Krankenhaus Wangen, welche sich stets fair und kollegial verhalten haben.

„Die medizinische Versorgung wird sich massiv verschlechtern“
Den ablehnenden Entscheidern aus dem Kreistag sagen wir Folgendes voraus: Der Verbund der OSK wird durch die Schließung seines Standorts Bad Waldsee weder eine bessere Wirtschaftlichkeit erzielen noch werden sich die Personalprobleme dadurch lösen lassen. Die bereits heute vorhandene Überlastung und ungenügende zeitliche Versorgung der Notfallpatienten an der Notaufnahme im EK wird sich noch einmal verschlechtern und viele Menschen in Notsituationen werden in den immer weniger werdenden Kliniken kurzfristig keinen Platz mehr erhalten und dadurch schwere gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen müssen bzw. dadurch früher versterben. Wobei der letzte Punkt nicht nur für die OSK, sondern für die gesamte Klinikstruktur der BRD gilt. Das für Bad Waldsee angedachte MVZ wird sich nicht wie prognostiziert verwirklichen lassen und die medizinische Versorgung der Menschen in dieser Region wird sich daher dauerhaft und nachhaltig verschlechtern. Außerdem wird auch dieses Konstrukt zu keiner personellen oder finanziellen Verbesserung innerhalb der OSK beitragen. Der Gesundheitsstandort Bad Waldsee wird durch den Wegfall des Krankenhauses dauerhaft geschwächt und möglicherweise wird dadurch auch die Zuteilung von Reha-Patienten seitens der Krankenkassen beeinträchtigt.

„Damit hinterher keiner sagen kann: Wir haben es nicht gewusst“
Wir zeigen dies alles so detailliert nach, damit keiner zu einem späteren Zeitpunkt auf die Idee kommt, sich hinter irgendwelchen Gutachten oder Prognosen zu verstecken. Es ist eben nicht so, dass niemand auf die dadurch aufkommenden Probleme aufmerksam gemacht hätte und diese beim Namen genannt hat.
Es war in unseren Augen kein Findungsprozess auf Augenhöhe, sondern eine von Anfang an genauso gewollte, politische Entscheidung!
Bürgerinitiative Krankenhaus Bad Waldsee
Thomas Bertele, Markus Nold, Franz Daiber, Rudolf Forcher, Christoph Mayer, Dieter Fussenegger, Helmut Riga

Unser Bild oben zeigt Mitglieder der Bürgerinitiative Krankenhaus (BIK) zusammen mit OB Matthias Henne und Bürgermeisterin Monika Ludy am 13. April bei der großen Kundgebung. DBSZ-Archivbild: Erwin Linder

Sie kämpften – neben den mehr als Tausend Demonstranten am 13. April, neben den Leserbriefschreibern, neben den Minderheitskreisräten und all den vielen übrigen Opponenten – für die Erhaltung des Bad Waldseer Krankenhauses:

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Thomas Bertele

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Franz Daiber

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Rudolf Forcher

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Dieter Fussenegger

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Christoph Mayer

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Markus Nold

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Helmut Riga

 

 

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