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Reute - Grabungsort im Schorrenried in Reute informativ gekennzeichnet. Am Dienstagnachmittag wurden zwei Schautafeln über das steinzeitliche Moordorf im Rahmen eines kleinen Festaktes der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit hatten mehrjährige Bemühungen der „Arbeitsgruppe Moordorf Reute“ im „Arbeitskreis Heimatpflege“ der „Solidarischen Gemeinde Reute-Gaisbeuren“ Erfolg.

 

Der Sprecher des Arbeitskreises Franz Zembrot war unermüdlicher Motor, die bei Ausgrabungen ab dem Jahre 1934 entdeckten und von Lehrer Haller als prähistorisch erkannten Funde der Moorsiedlung bei Reute im Rahmen von Schautafeln zu dokumentieren.

Oberbürgermeister Matthias Henne freute sich, dass Renate Ebersbach, die Leiterin der Feuchtbodenarchäologie vom Landesdenkmalamt zu diesem Ereignis vor Ort weilte. Er zollte hohes Lob für das Herzblut, welches hier ehrenamtlich eingebracht wurde. „Leider wurde von der Stadt Bad Waldsee bisher dieses doch an manchen Stellen stiefkindlich behandelt, in Zukunft wollen wir aber als enger Partner mit dabei sein“. Diese Bekundung des Stadtoberhaupts wurde mit großem Beifall der knapp 100 Besucher bedacht.

Ein Vortrag von Martin Mainberger, des Ausgräbers des Moordorfes (1982-85), hatte vor drei Jahren war der Impuls für die Idee, die Grabungsstelle zu kennzeichnen. Sein Auftritt bewog den Kirchenchor Reute zu einer Konzertspende, die als kräftige Anschubfinanzierung diente. So folgte, von der Pandemie etwas ausgebremst, die Arbeit am Platz und an den Tafeln. Zunächst wurde der Grund hergerichtet und ein Bänkle aufgestellt, damit man den Ort auch auf diese Weise genießen kann.

Dem folgten die Absicherung des aufgeschütteten Kieses und ein Geländer. Nebenher wurde an ersten Entwürfen für die Tafeln gearbeitet in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und der Grafikerin Frau Silvia Weiß aus Reute. Parallel dazu wurden Angebote für den Tafeldruck eingeholt und Beispiele für die Befestigung der Tafeln wurden erkundet.

Unter der Leitung von Franz Zembrot und in Begleitung von Werner Stadelmaier und Paul Schurer und haben sich bei diesen Arbeiten besonders Karl Frick, Franz Lämmle sowie Ottmar Schwarz einige hundert Stunden ehrenamtlich eingebracht und zusammen mit der Firma Wissinger, Gaisbeuren die Tafeln hergestellt und aufgebaut.

Der Standort der Schautafeln kann von der Straße nach Obermöllenbronn, etwa 300 Meter vom Kloster Reute entfernt, erreicht werden. So war es auch nicht verwunderlich, dass Generaloberin Schwester Maria Hanna mit vielen Mitschwestern und auch Klosterpfarrer Ulrich Steck dem Festakt beiwohnte.

Neben Ortsvorsteher Achim Strobel mit Ortschaftsräten waren die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats Bad Waldsee sowie viele Mitglieder der örtlichen Vereine gekommen. Franz-Daniel Pfaff repräsentierte die Bildungsstiftung Bad Waldsee, welche sich hier wie z.B. die örtlichen „Bergwanderfreunde“ auch finanziell engagierte. Weitere Firmen und auch Privatpersonen zählen zu den Sponsoren.

Konstantin Eisele als Vorsitzender der „Solidarischen Gemeinde“ verriet bei der Begrüßung, dass der Arbeitskreis „Heimatpflege“ zwar die Dokumentation des Moordorfs lieber im denkmalgeschützten leerstehenden Reutener Pfarrhaus gesehen hätte, mit diesem Standort unter freiem Himmel aber doch direkt vor Ort ein würdiger Platz gefunden wurde. „Zu den 30 Ruhebänken in unserer Ortschaft hat Franz Lämmle hier eine weitere Bank mit Blick auf das Moordorf wie auch auf die ‚Gute Beth‘ mit Kirche und Kloster errichtet“, bekundete Eisele dankbar.

Werner Stadelmaier als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Moordorf“ sah mit diesen Tafeln einen guten Anfang gemacht: „Weiter haben wir aber noch weitere Ideen, z. B. einen Spielplatz zu bauen. Ein Stück dafür ist schon aufgebaut, der der Schleife nachempfundene Gabelbaum ein paar Meter weiter. Auch ein Stangengerüst können wir uns vorstellen, welches ein steinzeitliches Haus erahnen lassen kann.“

Im Schorrenried wurde eine der bedeutendsten Moorsiedlungen Baden-Württembergs gefunden. Sie reiht sich ein in die Fundstellen von prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen, die im Jahre 2011 von der UNESCO als Welterbe anerkannt wurden. Da die Zahl der Fundstellen um die Alpen aber knapp bei 1000 liegt, erhielten nur 111 davon den begehrten Status. Reute gilt aber als assoziierte Station. Bei der Vertiefung von Gräben im Rahmen des Baus der Kläranlage des Klosters Reute 1934 wurden die ersten Spuren einer menschlichen Ansiedlung entdeckt. Von 1982 bis 1985 führte Martin Mainberger im Auftrag des Landesdenkmalamts verantwortlich drei Sommer lang Grabungen im Schorrenried durch.

Dabei entdeckte man viele sehr gut erhaltene Funde und Reste von Pfahlbauten aus der Zeit um 3700 vor Christus. Sowohl im Jahre 2009 wie auch Im Jahre 2019 referierte der versierte Archäologe Martin Mainberger vom Landesdenkmalamt über die Erkenntnisse seiner Grabungen in Reute. Er hatte 30 Häuser, teils ebenerdige Moorbauten, teils Pfahlbauten entdeckt. Von herausragender Bedeutung ist bei den Funden ein Kupferdolch sowie eine hölzerne Jochstangenschleife, die sogenannte „Bombe von Reute“. Ein hoher Anteil an Pferdeknochen belegte den Nachweis von Hauspferden. Werner Stehle fasste die Moordorf-Geschichte in einer kurzen Dokumentation zusammen.

Als „Ein Kulturgut von ganz besonderer Bedeutung“ stufte Renate Ebersbach das Moordorf Reute ein: „Man kann nur schützen, was man kennt“. „Auch wenn es Reute mit dem Antrag des Gemeinderats der Stadt Bad Waldsee im Jahre 2009 nicht in die Liste ‚UNESCO-Weltkulturerbe‘ geschafft hat, ein internationaler Bekanntheitsgrad ist aber damit erreicht“. Sie lobte Silvia Weiß für die sehr gelungene Gestaltung der beiden Schautafeln. Als Leiterin des Fachbereichs „Feuchtbodenarchäologie des Landesdenkmalamts möchte sie gerne im Reutener Moordorf Pegel setzen lassen, um hier Aufschluss über mögliche Veränderungen in Sachen Klimawandel zu erhalten und feststellen zu lassen, ob ein weiterer Schutz des Kulturdenkmals erforderlich ist.

Um Steinzeit anschaulich werden zu lassen, brachten die Archäologinnen Frau Ebersbach und Frau Kalkowski einiges an Funden mit, die auf einem Tisch präsentiert und erläutert wurden, so auch Keramikgefäße als Repliken und als besondere Kostbarkeit ein Stück textiles Gewebe.

Nach dem einstündigen Festakt, bei welchem sich schwarze Gewitterwolken am Himmel immer wieder verzogen, gab es viele gute Gespräche bei Sekt, Saft und leckeren Broten. Eine Abordnung der Musikkapelle Reute-Gaisbeuren umrahmte musikalisch den festlichen Akt.

 

Bericht und Bilder Werner Stadelmaier AGr Moordorf Reute

 

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Besucher und Gewitterwolken

 

2022.06.07 Tafel Feier FZ 37

Enthüllung der Tafel

 

2022.06.07 Tafel Feier FZ 461

Ausstellung der Funde

 

 Bilder von Rudi Heilig und Franz Zembrot

 

 

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