Aulendorf – Es hört sich an wie eine Kinderfrage: Wie kommt der Sand an den Strand? Doch mitnichten, es ist die Beschäftigung eines Pensionärs, der das Thema zu seinem Hobby gemacht hat. Rüdiger Wandke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landesmuseum Wiesbaden, ehemals Chemie- und Physiklehrer, und seit 19 Jahren pensioniert.

 

Wenn er vom Sand erzählt, ist es nicht staubtrocken, wie das Thema im ersten Anschein klingt, sondern bunt mit Bildern von Wüsten und Vulkanen, und einem knalligen Experiment mit einer Eisenkugel und einer Frostsprengung. Zufall oder nicht: etwa die Hälfte seiner Zuhörer:innen sind Kinder.

Irgendwann vor 10 Jahren hat er ein Sandkorn unter ein Mikroskop gelegt, und seitdem war sein Interesse geweckt und er sammelte Sand. Inzwischen befinden sich Sandproben aus über 85 Ländern in seiner Sammlung, von schwarz bis rot, von weiß über gelb bis blau oder grün. Etwa 900 dieser Proben werden in einer Ausstellung „Faszination Kristalle“ im Schloss Aulendorf gezeigt, die am Sonntag eröffnet wurde und noch bis zum 8. Januar nächsten Jahres zu sehen sein wird.

Wandke bezeichnet sich als Arenophile, dem wissenschaftlichen Begriff für Sandfreund. Während er erklärt, wie Sand entsteht, mischt er einen Beutel Eis mit einer Packung Haushaltssalz in einem Eimer und verstaut darin eine mit Wasser gefüllte und fest geschlossene Eisenkugel.

Noch ist er sich nicht sicher, ob seine Experiment gelingt, und hat deshalb zum Beweis das Ergebnis eines früheren Versuchs bereit, eine Eisenkugel, die zur Hälfte auseinander geplatzt ist.

Sand ist kleiner als Kies, in der Größe von 0,063 mm bis 2 mm. Über 2 mm groß wird es schon Kies genannt, einfach zu trennen durch einen Sieb der jeweiligen Größe. Sand entsteht zum Beispiel aus Vulkanausbrüchen, ob aus Neuseeland oder der Eifel. Meist ist es schon Millionen von Jahren her, dass sich der Sandstaub so über den Globus verteilte. Er zeigt Bilder von Basalt- oder Granitblöcken und zitiert den Spruch aus der ersten Stunde des Mineralogie-Studiums: „Feldspat, Quarz und Glimmer vergesse ich nimmer“.

Wir sind beim Thema Erosion angekommen, durch Flüsse, Gletscher, Wind oder durch die Kraft einer Baumwurzel in einer Felsspalte entstanden. Nur für Wandkes geübtes Ohr, ist der leise Knall zu hören, der das geglückte Experiment im Eimer anzeigt. Ein kreisrundes Loch von 5 cm Durchmesser wurde in die Eisenkugel gesprengt. Viele seiner Bilder zeigen die Namib, die als älteste Wüste der Welt bekannt ist, und mit der Sossusvlei-Düne oder dem Fish River Canyon einzigartige Sensationen aufzubieten hat.

Nach einem Exkurs zur japanischen Volkssage vom Sternensand, wie die Himmelssterne Polarstern und Kreuz des Südens sich entschlossen hatten, Leben auf der Erde zu zeugen, erzählt Wandke zum Schluss seines Vortrags, wie Sandburgen aus einem speziellen rechteckigem Grubensand gebaut und gepresst werden, so dass sie über einen langen Zeitraum bestehen bleiben.

Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag bis Freitag 9 – 12 Uhr, Mittwoch bis Freitag 13 – 18 Uhr, Samstag/Sonn- und Feiertag 10 bis 18 Uhr.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

IMGP2441 1

IMGP2443 1

IMGP2445 1

 

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­