Aulendorf – In immer mehr deutschen Städten wird gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert und seine Solidarität mit der Ukraine bekundet. Zuletzt hatten Friday for Future zu Solidaritätskundgebungen der Schüler aufgerufen.

Europaweit läuteten die Glocken der Kirchen zum Friedensgebet. Alle Radiostationen in Europa spielten zu einem gemeinsamen Zeitpunkt am Freitagmorgen „Give peace a chance“ von John Lennon. Im Kreis Ravensburg folgten nach Bad Waldsee am Montag, Kundgebungen in Ravensburg und Weingarten am Dienstag und Donnerstag, und nun am zweiten Sonntag in Folge in Aulendorf.

Es ist Tag 11 des Krieges in der Ukraine. Die russische Armee setzt die Bombardierungen der Städte und ihre Offensive fort, vor allem auf die beiden größten Städte Kiew und Charkiw, sowie Mariupol am Asowschen Meer. Das größte Atomkraftwerk des Landes Saporischschja ist in ihrer Hand und beim Beschuss des Kraftwerkes entging nicht nur die Ukraine sondern ganz Europa einer maximalen Katastrophe, dem Super-Gau.

Der ukrainische Präsident Selenskyj fordert bei einer Liveschaltung zu einer Kundgebung in Frankfurt dazu auf, weiter sein Land zu unterstützen, auch mit Kundgebungen wie dieser. Auf der Flucht vor dem Krieg haben schon weit über eine Million Ukrainer, vor allem Mütter und Kinder mit nur wenigen Habseligkeiten das Land verlassen. Täglich kommen 10 000 Flüchtlinge in Berlin an und werden über die Aufnahmestellen der Länder verteilt. Bald werden die ersten Geflüchteten in Aulendorf sein. Der Landkreis hat einen Krisenstab eingerichtet.

Zu der Kundgebung in Aulendorf hatte ein breites Bündnis aus Verbänden, Parteien und Vereinen aufgerufen. Kati Kästner für den Veranstalter B.U.S eröffnete die Veranstaltung und erinnerte an „den großen sozialistischen Bruder“ mit seinem Imperialismus, „einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und Putin sei eine Hybris von Macht und Gewalt . Begleitet wurde die Veranstaltung durch die Musiker Eckhard Lehmann auf dem Dudelsack und Martin Waibel an der Gitarre, der „Freiheit“ von Westernhagen intonierte.

Der Aulendorfer Bürgermeister Matthias Burth dankte allen 150 Teilnehmenden, die gekommen waren, um ein „eindrucksvolles Zeichen für Freiheit und Demokratie zu setzen. Bilder des Krieges erzeugen Trauer und Ängste, In Gedanken mit den ukrainischen Bürgern appellierte er, die russischen Mitbürger nicht an den Pranger zu stellen. Für Aulendorf und im Landkreis müsse man sich auf einen großen Flüchtlingsstrom einstellen und er rief dazu auf, leerstehenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Alle Angebote seien herzlich willkommen.

Joachim Feßler B.U.S benannte in seinem Redebeitrag zwei Themen. Erstens „im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Im Vorfeld der Veranstaltung sei diese in den sozialen Medien mit „übelsten Kommentaren überzogen worden“. Es werde versucht aus den Ukrainern Täter statt Opfer zu machen und er forderte dazu auf, Fake News entschieden entgegen zu treten. Zweitens stellte er die Frage „wer bezahlt Putins Krieg“. Es sind wir mit unserem Gas oder Öl für die Heizung, unserem Benzin an der Tankstelle.

Der Ausweg wäre mehr alternative Energien wie Photovoltaik oder Windenergie. Der Kreisrat Bruno Sing erinnerte, dass der BUND seit 2018 in Sachen Klimaschutz mit der Ukraine zusammenarbeitet und dass seine Organisation sich solidarisch und voller Mitgefühl mit der Ukraine zeigt. Er forderte Putin auf, die Aggression sofort zu stoppen.

Für Ernst Deuer, Kreisrat der SPD, kam der Krieg nicht völlig überraschend, aber er konnte und wollte sich ihn nicht vorstellen. Nun befinden wir uns erneut in einem Krieg, der an das Wettrüsten aus den 80 er Jahren anknüpft. „Frieden war danach etwas selbstverständliches geworden“ Aber Krieg darf sich nicht lohnen und er hofft mit der nächsten Mahnwache den Frieden feiern zu können.

Rita Dittrich sprach für die ökumenische Kirche, man könne nur hilflos zusehen, Hilfe sei begrenzt, aber man könne göttlichen Beistand anfordern, was sie mit einer Fürbitte tat. Waibel beendete die einstündige Veranstaltung mit dem Lied „Sag mit, wo die Blumen sind“. Nächsten Sonntag soll erneut eine Mahnwache im Schlossinnenhof stattfinden.

 

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Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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