Aulendorf/Region - Der Stuttgarter Matthias Gastel, Mitglied des Bundestags und Sprecher für Bahnpolitik von BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN,, erklärter Gegner von Stuttgart 21 und Befürworter der Gäubahn besuchte Aulendorf auf Einladung des Ortsverbandes der Partei zu einem ausgedehnten Programm.

Kurzfristig, da Regen angesagt war, wurden die Außentermine Steeger See und Bahnhof alle in ein Nebenzimmer des Gasthauses Rad verlegt. Bedingt dadurch,dass die Mehrheit der Zuhörer:innen an Radverkehrsthemen Interesse hatte, ging es schwerpunktmäßig insbesondere in zahlreichen Wortbeiträgen der Radfahrer:innen um das Thema des Radverkehrs und dessen Umsetzung.

Eine Lanze für Baden-Württemberg und seine grüne Regierung brach der grüne Kreisrat Bruno Sing, indem er daran erinnerte, dass zwischen 9 und 18 im Unterschied zu allen anderen Bundesländern eine kostenlose Fahrradmitnahme gegeben sei. Natürlich im Rahmen der Möglichkeiten: „Wenn es regnet und 300 Fahrradfahrer im Donautal wollen in den Zug einsteigen, geht es natürlich nicht“ ergänzte Gastel.

Er hatte die bundespolitische Brille auf und sitzt seit 8 Jahren im Verkehrsausschuss des Bundestages. . Er warb für eine Mobilität die alle Verkehrsteilnehmer umfasst und die Kombination der unterschiedlichen Verkehrsmittel ebenso. Innerorts, so sein Credo, sei Tempo 30 durchaus eine gute Lösung , außerorts müsste zu jeder Straße ein Radweg vorhanden sein. Da schieden sich schon die Geister der an der Diskussion beteiligten Radfahrer. Es gibt den Pendler, der schnell von A nach B möchte und unter Umständen auch auf der Straße, sofern für seine Sicherheit gesorgt ist, und kein Autofahrer mit 100 kmh an ihm vorbei prescht.

Dann ist zu berücksichtigen, dass neue Radwege gerne mal zehn bis zwanzig Jahre in ihrer Umsetzung dauern.Als Bremsklotz wurden die Planungsprozesse ausgemacht, es gibt zu wenige Planer und zudem ist bislang der Vorrang bei der Straße für den Autoverkehr gegeben. Das wollen die Grünen ändern, der Radverkehr soll aufholen. Frank Scharnweber von der örtlichen Radinitiative sagt: „wir können garnicht so viele Radwege bauen, wie wir mehr Radfahrer werden“. Auch ist der Radfahrer von einst nicht mehr der Radfahrer von heute mit Anhänger oder Lastenrad oder Ebike unterwegs, schneller, breiter und für dieses Klientel reicht es nicht wie früher, einen gemeinsamen Rad- und Fußweg zu definieren.

Ein radfreundliches Konzept muss viele Dinge berücksichtigen, Kombination mit Bus und Bahn, Radverleih, Ladestationen, geschützte Abstellmöglichkeiten und touristischer Radverkehr hat wiederum ein anderes Bedürfnis als der Pendler. Diese Wege sollten verkehrsarm in der Natur gelegen sein. Zum Thema Sicherheit , so Gastel, sei diesem Genüge getan, wenn man alte Leute und Kinder dort Rad fahren sieht. Erfreulich sei es, dass die Unfallzahlen gesunken seien, Und noch eine Zahl, die er in die Runde warf. Von 24 geplanten, neuen Radschnellwegen bundesweit, liegen 16 davon in Baden-Württemberg. Schon deshalb , weil dort schon geplant wurde, bevor es die Bundeszuschüsse von heute dazu gab.

Aufzug Fehlanzeige oder über Monate defekt
Aulendorf als Bahnknotenpunkt hat verkehrspolitisch eine hohe Bedeutung um Allgäu-München mit Tübingen und Freiburg sowie Stuttgart mit Lindau bis Innsbruck zu verbinden. Braucht die Eisenbahnstadt Aulendorf gar einen Mobilitätsmanager wie Wangen und Pfullendorf, fragt Bruno Sing. Pfullendorf jedenfalls möchte die Räuberbahn nicht nur im Sommer , sondern ganzjährig installieren. Ein anderes Bahnthema ist die Barrierefreiheit, die der Behindertenbeauftragte Aulendorfs Franz Erwin Kemper in die Diskussion brachte. Da gibt es noch viel Nachholbedarf bei der Bahn. 5000 Bahnhöfe müssen saniert werden.

Derzeit werden jedes Jahr 100 davon saniert. In Aulendorf ist ein Aufzug geplant um die Barriere Treppenstufen zu umgehen. Damit ist es aber nicht getan. Wenn ein Aufzug vorhanden schon ist, steht er wie am Bahnhof Ravensburg zum Beispiel über Monate still. Da besänftigen auch die Erklärungen von Gastel nicht, wenn eine Betroffene Rossstuhlfahrerin und deren Schwester dies vehement beklagen. Selbst wenn jeder Fahrstuhl individuell gebaut ist, kann es ihrer Meinung nicht Monate dauern, bis ein Ersatz bereit stehe. Auch die unterschiedlichen Einstiegshöhen der Züge seien ein Problem nicht nur bundesweit sonder auch Europa weit.

Gastel betonte, dass beim Punkt Barrierefreiheit das 2-Sinne-Prinzip gelte und er schlägt vor eine Begehung mit dem Zuständigen der Deutschen Bahn zu machen. Beim Bahnverkehr habe der Bund seine Gelder verdreifacht, zum Teil sogar versechsfacht. An dem Finanzvolumen kann es also nicht liegen, aber nach der Nutzen/Kosten Methodik schneiden Großstädte oft besser als der ländliche Raum wie Aulendorf ab.Zuletzt zum Thema Busverkehr möchte Gastel Steuermittel für Nachtbusse und Rufbusse verwenden.So sieht es auch das grüne Nahverkehrskonzept vor. Und Sing beklagt, dass oft die Anschlüsse bei Umsteigeverbindungen wegen einer mangelnden Kommunikation nicht klappen würden.

Wer mit dem Verkehrsminister von Baden-Württemberg Winne Hermann und der Bundestagsabgeordneten Agnieszka Brugger B90/Die Grünen das Verkehrsthema im Zusammenhang mit Klimaschutz, Mobilitätswende, „Jetzt handeln“ diskutieren möchte, hatte dazu Gelegenheit am selben Abend 20 Uhr in Vogt in der Gaststätte Adler. Dazu konnte er /sie aber nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommen. Allenfalls mit dem Auto wäre man noch rechtzeitig zur Veranstaltung gekommen.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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