Aulendorf – Der Planentwurf "Ferienhaus- und Freizeitanlage Tiergarten“ mit einer Adventure-Golfanlage hatte bereits vor der Sitzung des Gemeinderates am gestrigen Abend die Kritik der Bündnis 90/Die Grünen aus Aulendorf auf sich gezogen. Grundsätzlich sehen sie in dem Vorhaben eine Entscheidung für ökonomische statt ökologische Belange.

 

Im Detail kritisieren sie die Golfanlage mit Kunstrasen, Plastikabrieb und dass dadurch eine Naturwiese der Anlage zum Opfer fallen soll. Durch Rodung von Wald würden Fledermäuse vertrieben und Insekten sterben. Auch der Annahme, dass die Benutzer überwiegend mit dem Rad anreisen und die enge Fahrbahn zur Anlage kein Problem sei, können sie nicht folgen. Zudem legalisiere der Bauherr Kurt Harsch durch die Änderung des Bebauungsplanes bisher nicht genehmigte Erweiterungsbauten auf seinem Gelände.

 

Schon in der Vergangenheit war der CDU-Gemeinderat mehrfach wegen fehlenden Baugenehmigungen aufgefallen. Einmal musste er 10.050 Euro Strafe zahlen. Doch durch dieses Bußgeld änderte sich sein Verhalten im Umgang mit Genehmigungen nicht. So sind Anbauten auf der Freizeitanlage laut Landratsamt nach wie vor nicht genehmigungsfähig und müssten zurückgebaut werden. Immer wieder hat der Bauunternehmer Harsch erst gebaut und danach den Antrag gestellt, so zuletzt 2018 den Anbau bei der Schwabentherme. Vorab wurde Harsch von der Bildschirmzeitung um eine Stellung gebeten. Er ließ diese Anfrage unbeantwortet.

 

In der Gemeinderatssitzung sollte im Zusammenhang mit der Adventure-Golfanlage, ein Vorhaben des Ehepaars Jahn, das alle Fraktionen befürworteten, bisher nicht genehmigungsfähige Erweiterungen wie zwei Spielplätze und ein Vordach mit genehmigt werden und dadurch Rechtsverstöße geheilt werden. Dies widersprach bei vielen Gemeinderäten ihrem Rechtsempfinden, unabhängig davon ob nun Bebauungsplan und Bestrafung der Schwarzbauten mit Bußgeld, so Bürgermeister Matthias Burth, getrennt voneinander zu sehen sind.

 

 

Für die Fraktion BUS trug Karin Halder eine Erklärung vor, die aus vorgenannten Gründen in einem kategorischen Nein endete. Hier verließ Harsch den Saal, der zuvor von seinem Platz auf die Zuschauerplätze gewechselt war, da er zu diesem Punkt befangen war und somit nicht mit abstimmen durfte. Der Sachverständige Max Huchler vom Ingenieurbüro Huchler aus Hochdorf sah den weiteren Vorschlag eine Abtrennung der beiden Entscheidungen Adventure-Golfanlage und Harsch als nicht genehmigungsfähig an, sodass Oliver Jöchle Freie Wähler zur Entscheidungsfindung eine Pause von 15 Minuten vorschlug.

 

Diese Pause brachte eine Änderung bei Rainer Marquart SPD. In seiner ersten Einlassung zum Thema sagte er „er wisse nicht, wie er abstimmen werde“, in seiner Fraktion gebe es noch eine Enthaltung, eine Gegenstimme. Nach der Pause stellte er seine Bedenken bezüglich dem Rechtsempfinden hintenan und stimmte in der Sache zu. Ebenfalls in der Pause wurde von Bürgermeister Burth ein Bauträger im Plan, der sich erst auf Nachfragen von Halder zur Tagungsstätte konkretisierte, gestrichen und die Änderung im Flächennutzungsplan wurde nun mit 10 Ja-Stimmen, 5 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen genehmigt. Die Änderung im Bebauungsplan bei Streichung des Tagungsgebäudes wurde mit 8 Ja-Stimmen, 6 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen befürwortet.

 

 

Beim Tagesordnungspunkt Wohnbebauung auf dem Areal der Schwabentherme für Mitarbeiter in seinem Betrieb ist es erneut Harsch, der daraus seine Vorteile ziehen könnte, wenn nun von der Flächennutzung nicht vorgesehene Grundstücke (Parkplätze) zur Bebauung freigegeben würden. Neun Wohneinheiten möchte Harsch hier bauen, wobei selbst sein Fraktionskollege und Vorsitzender Dr. Hans Peter Reck süffisant bemerkte, hier würde wenigstens die Reihenfolge stimmen. Ralf Michalski FWV wollte beim Plan ein Stockwerk kappen, andere waren ganz dagegen, so Marquart „da ein Hotel, dort ein Haus und plötzlich wird ein Baugebiet draus.“ Bei 7 Ja-Stimmen und 10 Gegenstimmen wurde das Projekt beerdigt.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 

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